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Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung – 163 Verträgen für die Vielfalt!

Natur- und Klimaschutz und Landwirtschaft werden oft als Widerspruch gesehen. Dabei können Landwirte wichtige Verbündete im Kampf gegen die globale Erwärmung, für den Erhalt von sauberem Wasser, Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt sein. Hier setzen die sogenannten Biodiversitätsprogramme an, die das Umweltministerium ins Leben gerufen hat. Damit werden Landwirte honoriert, die eine extensive Bewirtschaftung von ökologisch wertvollen Flächen betreiben und somit die Biodiversität fördern. Im Zentrum der Biodiversitätsprogramme steht immer der Schutz von Tier- und Pflanzenarten und Lebensräumen des Offenlandes. In Luxemburg gibt es knapp 6000 ha gesetzlich geschützte Biotop-Flächen, die meist auch landwirtschaftlich genutzt werden.

Neben der Beratung von Landwirten zur Extensivierung, verhandelt die Biologische Station SIAS jedes Jahr im Auftrag des Umweltministeriums Biodiversitätsverträge mit den Landwirten. Dieses Jahr hat die Biologische Station SIAS mit 52 Landwirten insgesamt 163 Biodiversitätsverträge ausgearbeitet. Diese Biodiversitätsverträge umfassen eine Fläche von fast 300 ha, dies entspricht einer Fläche von 600 Fußballfeldern! Die Laufzeit der Verträge bezieht sich dabei von 2022 bis 2026.

Marc Thiel, Landwirtschaftsexperte bei der Biologischen Station SIAS, empfindet die Biodiversitäts-programme als große Chance:

„Die Praxis zeigt, dass Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können. Dabei ist es wichtig bei der Nutzung das richtige Gleichgewicht zwischen Produktion und Ökologie zu finden, unter dem Motto „Naturschutz durch Nutzung“. Landwirte erbringen somit verschiedenste Leistungen für den Naturschutz. Sie tragen mit der Anlage von Blühflächen oder Buntbrachen zur Entstehung von Lebensräumen für Insekten und Vögel bei. Besonders mehrjährige Brachen, die idealerweise von einem Mosaik aus verschiedenen Pflanzen in unterschiedlichen Altersstadien und Höhen geprägt sind, locken viele Insekten und Vögel an, darunter auch bedrohte Arten wie das Rebhuhn, aber auch Säugetiere wie den Feldhasen. Zudem können artenreiche Wiesen und Weiden durch eine spätere Mahd bzw. reduzierte Besatzdichte des Weideviehs erhalten werden.”

Carlo Ernst, Landwirt in Hassel, betont:

„Ich als Landwirt sehe mich in der Verantwortung meinen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität zu leisten. Seit jeher hat die Landwirtschaft unsere Landschaft geprägt und geformt. Dadurch sind viele Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten erst entstanden. Durch die Teilnahme am Biodiversitätsprogramm engagiere ich mich aktiv für den Naturschutz.”