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Was wäre, wenn ...? - Rettungsübung in Neunhausen

Alarm am Stausee: Ein Mähdrescher ist im „Ningser Gronn“ umgekippt. Der Kraftstofftank wurde aufgeschlitzt, Diesel läuft in die „Ningser Baach“. Auch Getriebeöl tritt aus dem Wrack aus. Da der kleine Bach in den Obersauer-Stausee mündet, droht die Verschmutzung des größten Trinkwasserreservoirs des Landes. Zum Glück handelt es sich bei dieser drohenden Umweltkatastrophe jedoch nur um ein Unfallszenario der „Protection civile“ und der freiwilligen Feuerwehr aus Insenborn. Wort.lu begleitete den Einsatz mit der Kamera.

VIDEO:
http://www.wort.lu/de/view/mission-sauberes-trinkwasser-5024ec80e4b0993b71be00a3

„Zweimal im Monat stehen solche Übungen auf unserem Einsatzplan und dies jeweils abwechselnd mit einem Feuerwehrkorps aus der Stausee-Gegend“, erklärt Alain Toussaint, „Chef adjoint“ des Zivilschutzes. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Zivilschutz und den lokalen Feuerwehrmannschaften zu verbessern.

Denn sollte der Ernstfall eintreten, müssen die dann in Bereitschaft versetzten Freiwilligen wissen, wo sich welche Ausrüstung an den neuen allradangetriebenen Einsatzfahrzeugen befindet und wie sie wirkungsvoll einzusetzen ist. „Die lokalen Feuerwehrleute sind die Augen und Ohren der ,Dépollution du lac de la Haute-Sûre‘“, führt der beigeordnete Leiter weiter aus. Es ist unerlässlich, dass während des Einsatzes jeder Handgriff sitzt. „Um die notwendige Routine zu bekommen, üben wir gemeinsam in halbtägigen Manövern den richtigen Umgang mit den Geräten,“ so Toussaint weiter. Die verantwortliche Zivilschutz-Abteilung setzt sich aus Mitarbeitern der Sebes, der „Ponts & Chaussées“ und der „Soler Esch/Sauer“ (Société électrique de l'Our) zusammen. Christian Schroeder, beigeordneter Direktor der Sebes, lobt die Leistungsfähigkeit des neuen Materials und seine einfache Handhabung.

Anpassen an den Einsatzort

Und der Einsatzwagen vom Typ GWL2 hat so manches zu bieten: u. a. Leuchtballons, Abdichtpasten und -stopfen, Auffangbehälter und verlängerbare Sperren gehören zur Standardausrüstung. Mit Watthosen bekleidet steigen die Männer in den Bach hinunter. Eine Schwimmweste ist ebenfalls Pflicht, denn man kann nie wissen, wie tief das Gewässer am Einsatzort wirklich ist.

An der „Ningserbréck“ liegt die Schwierigkeit darin, dass die Ufer relativ ausgewaschen sind und der felsige Untergrund das Eintreiben der Stahlspitzen der schwimmenden Sperren, die auf eine beliebige Länge angepasst werden können, erschwert. „Im Idealfall werden die lokale Feuerwehr und der Zivilschutz rechtzeitigt alarmiert, so dass wir die austretenden Schadstoffe schnellstmöglich auffangen und beseitigen können, bevor sie in einen Zufluss des Stauseebeckens gelangen. Passiert dies dennoch, wie bei der Übung in Neunhausen simuliert wurde, wird der Kraftstoff oder das Öl mittels eines Skimmers beseitigt. Dieser saugt die auf der Wasseroberfläche schwimmende Verschmutzung auf, und pumpt sie in speziell hierfür vorgesehene Faltbehälter ab. Dabei ist der Vorgang äußerst effizient, denn das abgepumpte Volumen besteht aus 95 Prozent Schadstoffen und nur fünf Prozent Wasser.“

Die Kosten für solch einen leistungsfähigen Einsatzwagen samt Ausrüstung belaufen sich auf rund 350 000 Euro. „Eigentlich eine kleine Investition, wenn man bedenkt, dass 80 Prozent der Bevölkerung ihr Trinkwasser aus dem Stausee-Becken in Esch/Sauer beziehen“, so Toussaint abschließend.

VON PAUL HINGER