Wählen Sie Ihre Nachrichten​

“Täglich, stündlich… sind wir ËMMER DO”

Das Berufsfeld ErzieherIn bei der Fondation Autisme Luxembourg (FAL)

Munshausen. Ein idyllisches Dörfchen, mitten im Norden von Luxemburg. Hier befindet sich eine Wohnstätte der Fondation Autisme Luxembourg (FAL) für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung.


Das große Gelände in der ruhigen, ländlichen Umgebung besteht aus drei einzelnen Wohnstrukturen und bietet 18 Personen mit High-Level-Autismus (starker Grad an Autismus) einen Platz zum Leben und Wohlfühlen.


Die Bewohner sind zwischen 18 und 67 Jahre alt und werden von 6 ErzieherInnen in 3 Schichten rund um die Uhr betreut. Eine dieser ErzieherInnen, Johanna Keller, hat uns in einem Gespräch den Erzieherberuf, insbesondere bei Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, nähergebracht.


Eine Arbeit bieten, die den individuellen Fähigkeiten entspricht

Wie sie uns erklärt hat, befindet sich auf diesem großen Gelände neben der Wohnstätte auch ein Tageszentrum, in dem die Bewohner tagsüber arbeiten.


Bei dem Tageszentrum, das aus vier unterschiedlichen Ateliers besteht, handelt sich jedoch nicht um eine Behindertenwerkstatt (geschützter Arbeitsplatz; „Atelier protégé“), da die Bewohner kein direktes Einkommen für ihre Arbeit bekommen. Da eine geregelte Tagesstruktur jedoch für Menschen mit einer autistischen Störung für ihre Orientierung von immenser Bedeutung ist, spielt die Arbeit in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Das Ziel der Ateliers ist es, eine tägliche Arbeit zu bieten, die Anerkennung verleiht und den individuellen Fähigkeiten und Interessen entspricht.

Die Ateliers sind in ein Küchenatelier, ein Gartenatelier, ein Waschküchenatelier und ein Bastelatelier aufgeteilt. Johanna ist seit März 2019 die Koordinatorin des Bastelateliers. In diesem Atelier sind die Erzieher vor allem bei der Kartenproduktion, um die sich die Bewohner kümmern, behilflich. Die Selbstständigkeit der Bewohner wird durch die tägliche Arbeit gefördert und die Erzieher versuchen möglichst auf alle Bedürfnisse einzugehen.


Als Koordinatorin des Bastelateliers sind Johannas Aufgaben sehr unterschiedlich. Sie adaptiert Pläne und achtet darauf, dass alles im Atelier nach Plan läuft. Zudem entwirft sie die alljährlichen Karten, die späterhin gebastelt werden und ist verantwortlich für alle Praktikanten, die in ihr Atelier zugeteilt werden: „Als Erzieherin ist es mir wichtig, den Alltag unserer Bewohner so angenehm wie möglich zu gestalten und sie bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Ich habe immer ein offenes Ohr und versuche, eine gute Atmosphäre im Team zu halten, was auch ein sehr wichtiger Schlüssel zu einem angenehmen Arbeitsklima ist.“


Flexibilität, Motivation und Geduld

Wie Johanna uns erklärt, muss man, um bei der FAL als Erzieherin arbeiten zu können, keine bestimmte Weiterbildung gemacht haben: „In den ersten Monaten bekommt jeder eine 4-tägige Weiterbildung bei der FAL angeboten, wo alles rund um eine Autismus-Spektrum-Störung erklärt wird. Da bekommt man alle wichtigen Informationen rund um dieses Thema erlernt, theoretisches wie auch praktisches Wissen wird erweitert. Sehr interessant für jeden, der neu in diesem Bereich anfangen will.“


Laut der Erzieherin, gibt es jedoch einige wichtige Eigenschaften, die man unbedingt für diesen Beruf mitbringen muss: „Geduld ist super wichtig, da man oft auf die Probe gestellt wird. Auch klappt nicht immer alles so, wie man es sich in dem Moment vorstellt. Es ist also wichtig, eine Balance zwischen Disziplin und Ruhe zu halten. Zudem sollte man stets dazu motiviert sein, Neues zu erlernen und neue Herausforderungen anzunehmen. Auch sollte man kreative Ideen haben, sei es bei der Suche nach Problemlösungen oder bei dem Gestalten der verschiedener Aktivitäten.“

Wie sie beschreibt, ist Flexibilität jedoch wohl eine der wichtigsten Eigenschaften, die man für diesen Beruf mitbringen sollte. Die bräuchte man nicht nur während der Schichten, sondern auch außerhalb der festen Arbeitszeiten. Die ErzieherInnen der FAL haben nämlich regelmäßigen Bereitschaftsdienst, während dem man zur jeder Zeit für alle Wohnstrukturen und Ateliers gerufen werden kann.


Ëmmer do – auch während der COVID-19 Krise

Das Motto der Stiftung ist es, „ËMMER DO“ (luxemburgisch für „Immer da“) zu sein. Doch, was bedeutet dieses Motto für die Arbeit der ErzieherInnen? „Ich glaube das Motto ËMMER DO ist ein sehr wichtiger Punkt in unserer alltäglichen Arbeit mit den Bewohnern. Es beschreibt unser Tun und unsere Mission, wir sind ËMMER DO. Täglich, stündlich, sind wir ËMMER DO. Wir wollen zeigen, dass keiner alleine ist, dass wir immer da sind. Wir helfen den Bewohnern im Alltag, wir verstehen sie oder versuchen zumindest sie bestmöglich zu verstehen. Wir stehen ihnen bei in guten und in schlechten Zeiten. Wir zeigen, dass keiner alleine sein muss und wir die Gemeinschaft schätzen. Wir sind gerne für sie da, unterstützen sie – und das mit sehr viel Freude.“

Gerade jetzt in der Coronavirus-Krise kam das „Ëmmer do“ der Stiftung wieder sehr gut zum Vorschein. Auch wenn sich alles um sie herum verändert, die Erzieher der FAL sind zu jederzeit bereit, sie meistern den Alltag und machen das Beste aus jeder Situation.


Ein facettenreicher Beruf mit Höhen und Tiefen

Wie Johanna ihn beschreibt, ist der Bereich Menschen mit Behinderung, insbesondere der Bereich von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, ein sehr facettenreicher Beruf: „Das Schöne an diesem Beruf sind die positiven Momente. Ein Lächeln oder ein anderes positives Feedback vor allem von den Bewohnern. Man weiß einfach, dass man mit seiner Arbeit etwas Gutes tut. Ich arbeite sehr gerne und die Position als Koordinatorin hat mich selbstbewusster gemacht. Ich finde es schön, dieses Vertrauen geschenkt bekommen zu haben. Auch sind diese kleinen, täglichen Erfolgserlebnisse ein sehr positives und motivierendes Gefühl. Es ist ein Beruf mit vielen Facetten, jede Person ist individuell und hat andere Bedürfnisse.“


Und, was würde die erfahrene Erzieherin Berufsanfängern raten? „Was mir besonders wichtig ist, ist die Vielfalt in diesem Beruf. Es gibt so viele verschiedene Bereiche, die nochmal andere Bereiche mit sich bringen. Ich finde, dass man durch genügend Praktika alle Facetten des Berufes kennenlernt. Deswegen rate ich Jedem, in vielen verschiedenen Bereichen Praktika zu machen. Man sollte sich niemals von Anfang an auf einen Bereich fixieren sondern die Vielfalt entdecken und Erfahrungen sammeln. Vor allem im Behinderten Bereich haben viele Vorurteile und da ist es doch viel besser, sich ein eigenes Bild zu machen.“


Die Erzieher der Wohnstätte sind rund um die Uhr für ihre Bewohner da. Wenn Sie nun gemeinsam mit der FAL besseres Leben schaffen wollen, dann besuchen Sie unsere neue Webseite www.emmerdo.com. Hier finden Sie alle Informationen dazu, wie auch sie #emmerdo sein können.

Jodie Schmit – FAL