„Thank you for remembering“

Erinnerungsfeiern in Moestroff, Bettendorf und Diekirch / Veteranen aus Australien und Kanada zu Besuch


Auf den Tag genau 70 Jahre nach der Invasion der deutschen Truppen in Luxemburg zu Beginn des Zweiten Weltkriegs am 10. Mai 1940 wurde in Moestroff und Bettendorf dem ersten Luxemburger Opfer sowie dem ersten getöteten Piloten der alliierten Streitkräfte auf Luxemburger Boden in würdigen Zeremonien gedacht.

Im Rahmen einer ersten Zeremonie wurde am Morgen eine Gedenktafel für Jean John, der im Morgengrauen von deutschen Soldaten erschossen wurde, an der Stelle in Moestroff, wo das Verbrechen geschah, eingeweiht. Dem Bettendorfer Bürgermeister Albert Back war es eine große Ehre, dort u.a. auch die beiden Söhne von Jean John, Michel und Pierre, begrüßen zu können.

Albert Back ging in seiner Ansprache noch einmal kurz auf die Umstände der damaligen Geschehnisse ein. Jean John, der ein Transportunternehmen leitete, war am 10. Mai 1940 morgens kurz vor 4 Uhr mit seinem Lastwagen unterwegs von Bettendorf nach Moestroff. Mitten in der Ortschaft wurde dann auf seinen Lastwagen geschossen. Tödlich getroffen stieß er mit seinem Gefährt gegen eine Mauer, dort wo heute die Erinnerungstafel mit den Worten „Zum Gedenken un de Jean John, deen op dëser Plaz den 10. Mee während der Invasioun vu Lëtzebuerg duerch däitsch Truppen erschoss gouf“ angebracht ist. Jean John war damit das erste Luxemburger Opfer des 2. Weltkriegs. Er starb um 4.10 Uhr, 25 Minuten vor dem offiziellen Kriegsbeginn.

Nach diesem Festakt begaben sich die Anwesenden alle nach Diekirch zum Grab des britischen Flying officer Douglas Cameron. Cameron war der erste Pilot der alliierten Streitkräfte, der beim 2. Weltkrieg auf Luxemburger Boden den Tod fand. Am Nachmittag des 10. Mai 1940 waren um 17 Uhr vier englische „Fairey Battles“ der 226. Flugstaffel vom Flugplatz in Reims (F) gestartet, um deutsche Truppenkolonnen in Luxemburg anzugreifen. Unter den Piloten dieser Maschinen war auch Douglas Cameron. Zusammen mit einem weiteren Flugzeug schaffte er es, bis in den Raum Wallendorf vorzudringen, wo er dann auf heftiges Flakfeuer traf. Noch ehe beide Maschinen ihren Auftrag erfüllen konnten, wurde die Battle von Cameron so schwer getroffen, dass er zu einer Notlandung ansetzen musste. Er wählte hierzu eine kleine Anhöhe in der Nähe des „Hirtzenhaff“ bei Bettendorf.

Cameron wurde bei dem Flaktreffer ein Teil seines Arms abgerissen und verlor viel Blut. Obwohl er noch von deutschen Soldaten nach Diekirch ins Krankenhaus gebracht wurde, verstarb er am selben Abend gegen 23 Uhr. Er wurde in Diekirch begraben und hat bis heute dort seine letzte Ruhestätte. Vor dem Grab war es der Diekircher Bürgermeister Jacques Dahm, der in Gegenwart der Tochter von Douglas Cameron, Marion Bishop, und seines Enkels, Damain Bishop, des britischen Botschafters in Luxemburg, Peter Bateman, sowie Pat Barron, eines ehemaligen Piloten der „Royal Air Force“, der an demselben Einsatz wie Cameron beteiligt war, noch einmal in tiefem Respekt an Cameron erinnerte.

Gäste aus Australien

und Kanada
Dahm dankte ganz besonders Marion und Damain Bishop sowie dem inzwischen bereits 95 Jahre alten Pat Barron, die die weiten Wege aus Australien bzw. Kanada nicht scheuten, um bei den Feierlichkeiten am 70. Jahrestag der schlimmen Ereignisse vom 10. Mai 1940 in Luxemburg dabei sein zu können. Ebenfalls nach Luxemburg gekommen waren zwei Abteilungen der „Royal Air Force“ von ihren Stützpunkten in Brunssum (NL) und Ramstein (D).

Am Nachmittag wurde dann beim Hirtzenhof ein Gedenkstein für Douglas Cameron enthüllt. Bei dieser Gelegenheit dankten der britische Botschafter, Peter Bateman, sowie auch Damain Bishop den Luxemburgern, dass sie die alliierten Kriegsopfer im Allgemeinen und Douglas Cameron im Besonderen nie vergaßen: „Thank you for remembering“.(VON NICO MULLER)