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Ferdy Kohn feierte seinen 90. Geburtstag

Bürgermeister Jos. Schoellen, die Schöffen Chantal Hein-Zimmer und Roger Ernzer sowie Gemeindesekretär Henri Roeder überbrachten neulich dem alteingesessenen Dorfsenior Ferdy Kohn zum 90. Geburtstag einen prallgefüllten Geschenkkorb. Ferdy Kohn wurde am 29. Dezember 1921 in Moersdorf /Wasserbillig als drittes Kind einer zehnköpfigen Kinderschar einer tief katholischen Familie geboren und ist seither dort wohnhaft. Wie sein Bruder Joseph und viele seiner Zeitgenossen musste auch er eines der ruchlosesten Naziverbrechen, die Zwangsrekrutierung, über sich ergehen lassen. Während der Bruder in den Weiten Russlands kämpfen musste, befand er sich selbst im gefährlichen Partisanenkampf in Jugoslawien; von hier aus kam er nach Italien, wo er an den schweren Kämpfen bei Anzio-Nettuno teilnahm. Für ihre beiden Söhne, die sich dauernd in akuter Lebensgefahr befanden, ließ die Mutter während der Kriegsjahre Unmengen an Kerzen auf dem Muttergottesaltar in der Dorfkirche abbrennen, derweil sie sich mit schönster Regelmäßigkeit göttlichen Schutz für die geliebten Söhne in weiter Ferne erbat. Da geschah das Unfassbare! Drei Tage vor der alliierten Landung in der Normandie durfte der zwangsrekrutierte Wehrmachtssoldat Ferdinand Kohn unverhofft einen Heimaturlaub von Italien aus antreten. Er kam am 9. Juni 1944 im Heimatdorf an, ergo drei Tage nach der geglückten alliierten Invasion. Dem folgte der resolute Entschluss, nicht mehr zu seiner Einheit nach dem fernen Italien zurückzukehren. So verschwand er für über zwei Monate auf einem Heuschober in Münschecker, bis zur Befreiung durch die Amerikaner. Der eineinhalb Jahre ältere Bruder Joseph war mittlerweile in russische Gefangenschaft geraten und kehrte im November 1945 von Tambow wieder heim. 1958 ehelichte Ferdy Kohn die dorfansässige Anny Schwaller, die ihrerseits als junges Mädchen die Tortur des Reichsarbeitsdienstes erdulden musste. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die natürlich mit ihren Ehefrauen und insgesamt fünf Enkelkindern dem inzwischen verwitweten Vater, Schwiegervater und Opa herzlich gratulierten. Nach 35 Arbeitsjahren bei der Cerabati in Wasserbillig, trat er 1980 in den wohlverdienten Ruhestand. (cpk) (Foto: Henri Roeder)