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Tag der Fachkrankenpflege für Psychiatrie, ALIPS, Medernach

Am 14.06. fand die 10. Edition des Tages der Fachkrankenpflege für Psychiatrie statt.

Unter der Idee, eine auf die luxemburgischen Fachkrankenpfleger für Psychiatrie zugeschnittenen Weiterbildungstag an zu bieten, begann die „Association Luxembourgeoise des Infirmiers Psychiatriques“ (ALIPS) vor circa 10 Jahren, damit jährlich, Experten aus dem In- und Ausland für Vorträge mit anschließendem Austausch ein zu laden. Mit dem Anspruch, stets auf dem neuesten Stand des Fachwissens zu pflegen, profitieren seither jährlich circa 30 berufstätige Fachpfleger für Psychiatrie aus den unterschiedlichen Kliniken und Einrichtungen des Landes von diesem Angebot, welches mit einer Teilnahmebescheinigung gewürdigt wird.

Frau Stephanie Sorvillo, verantwortlich für das „Département accueil urgences Caritas“ Luxembourg eröffnete die Fachtagung mit einem Vortrag über Obdachlosigkeit und psychische Erkrankung. Landesweit stehen 150 Betten für obdachlose Personen zur Verfügung, so Frau Sorvillo. Während den Wintermonaten, werden zusätzlich 200 Betten zur Verfügung gestellt. Für Personen mit einer psychischen Erkrankung ist das Risiko obdachlos zu werden erhöht. Die Symptomatik der psychischen Erkrankung verstärkt sich in der Obdachlosigkeit und der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen ist eingeschränkt. Eine Datenerhebung hat ergeben, dass circa 70 % der wohnungslosen Personen unter einer psychiatrischen Erkrankung leiden, davon 20 % unter einer Schizophrenie.

Anschließend stellten Frau Jacqueline Bras und Herrn Rémy Denis, die unterschiedlichen Angebote der « Ligue d’hygiène mentale » vor. Besonders am Herzen lag den Rednern die Enttabuisierung der psychischen Krankheit. Die Angebote der Einrichtung, basieren auf den 3 Pfeilern der Information und Prävention, der Behandlung und der Wieder Eingliederung in die Gesellschaft. Die Begleitung der Person wird individuell abgestimmt. Die Hilfestellungen sind weit gefächert und können von individuellen Gesprächen, über Gruppentherapien, Kriseninterventionen, individueller Unterstützung bei der Arbeitssuche bis hin zu der Begleitung von Angehörigen und der Beratung von Migranten reichen.

Paul Zens vom „Service centrale d’ assistance sociale“ (SCAS) hielt einen Vortrag in Bezug auf das Vormundschaftsrecht in Luxemburg.

Der Vortrag enthielt allgemeine Aspekte in Bezug auf die juristischen Schutzvorrichtungen (régimes de protection) bei zunehmender Geschäftsunfähigkeit von erwachsenen Personen.

Vorgestellt und erklärt wurden die Einrichtungen eines provisorisch minimalen Schutzes, der „Sauvegarde de justice“, einer „Curatelle“ einem Schutz im Sinne einer Betreuung und Beratung, sowie die Einrichtung einer „Tutelle“, welche eine Vormundschaft und somit eine vollständige Vertretung der betroffenen Person, beinhaltet.

Einige der zu berücksichtigende Faktoren, bei der Einschätzung der rechtlich zu schützenden Personen, wären die Beurteilung ihrer finanziellen Situation, die Einschätzung der Familiensituation, sowie die physische und psychische Verfassung.

Die Bestimmung der Person, welche die geschäftsunfähige Person am zuverlässigsten zu beraten oder zu vertreten vermag, stellt eine Herausforderung dar, so Herrn Zens. Im Rahmen der Einhaltung der luxemburgische Gesetzgebung, wird die Zuverlässigkeit des zukünftigen Vertreters der Person im Vorfeld überprüft. Nach dem Vortrag nützten die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen zu konkreten Situationen aus ihrer Berufspraxis.

Die Vorstellung des Soins Psychiatrique A Domicile“( SPAD) erfolgte durch den derzeitigen Pflegedienstleiter, Georges Majerus. Das Team des SPAD begleitet psychisch kranke Personen, aller Altersgruppen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen) zu Hause. Eine enge Zusammenarbeit mit anderen Institution und Präventionsarbeit stehen auf der Tagesordnung . Den Klienten wird eine Bezugsperson zugeteilt. Die Dienstleistungen werden mit dem Klienten, dessen Interessen im Mittelpunkt stehen und eventuell auch mit den Angehörigen abgesprochen. Die Leistungen des SPAD beinhalten unter anderen, regelmäßige Hausbesuche. Je autonomer die Person wird, umso grösser werden die Abstände zwischen den Hausbesuchen. Die Entwicklung der begleiteten Person, wird in regelmäßigen Abständen, neu eingeschätzt, um die pflegetherapeutischen Maßnahmen anpassen zu können. Die soziale Integration wird gefördert, und es wird an der Verbesserung der sozialen Kompetenzen gearbeitet. Die Arbeit enthält zudem psychoedukative Elemente.

Anschließend schilderte Paulo Araujo, seine Arbeit als Sportherapeut an der Rehaklinik des Centre Hospitalier Neuro Psychiatrique (CHNP). In der Sporttherapie kommen Methoden und Mittel aus dem Sport zum Einsatz, zu Präventions- und Rehabilitation Zwecken. Herrn Araujo beschrieb die Vorteile einer möglichen engen Zusammenarbeit zwischen Sport- und Physiotherapeut. Mehrere Sportarten kommen für den therapeutischen Einsatz in Frage, z.b. Tanzen, Fußball, Fitness, Cardiotrainig u.s.w. Einige der allgemeinen Ziele, die angestrebt werden, sind eine gute körperliche Verfassung, eine Steigerung der Lebensqualität, und nicht zu Letzt der Spaß an der Bewegung. Es besteht die Möglichkeit, an individuellen Zielen des Klienten zu arbeiten, beispielsweise an der Akzeptanz seines Selbstbildes oder der Bekämpfung des Übergewichts, das durch die Einnahme von Neuroleptika und Antidepressiva entstehen kann.

Die Tradition den Tag der Fachkrankenpflege für Psychiatrie mit einer Fachtagung zu aktuellen Entwicklungen in der Psychiatrie Domäne zu gestalten, ist eine gelungene Initiative der ALIPS.