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Buddeln nach Yolanda

Schubkarrenweise Erde, Schutt und Staub! Was auf den ersten Blick wie ein mühseliges Kratzen im Erdreich aussieht, hat mit hochwissenschaftlicher Forschung zu tun und macht den Jugendlichen hier auch richtig Spaß. Dahinter steckt mehr als nur Buddeln im Boden.

Die jungen Leute zwischen 14 und 18 Jahren legen derzeit einige Grundmauern des Klosters Marienthal aus dem 13. Jahrhundert frei und nehmen teil an dem jährlichen Archäologiecamp des „Service National de la Jeunesse“ (SNJ).

Seit 2005 wird dieses einwöchige Camp jedes Jahr in den Sommermonaten vom Staatsmuseum und vom SNJ im Tal der Eisch organisiert. Da der Marienthal zur Zeit nicht bewohnbar ist, nächtigen die „Indiana Jones“-Jünger im Scouts-Chalet beim Kuelbecherhaff. Tagsüber fahren sie in den Marienthal, und dort heißt es dann „auf den Spuren Yolandas“! Im Jahr 1248 war die Adelige aus Vianden (1231-1283) in dieses Kloster eingetreten.
Die Geschichte des Marienthals ist komplex. Das erkennt man an den derzeitigen Ausgrabungen. Gegründet wurde das Kloster 1232 von Dominikanerinnen. Es erlebte zwischen 1258 und 1283 einen Aufschwung unter der bekannten Priorin Yolanda, zwischen 1725 und 1729 gab es einen Klosterneubau unter Katharina von Manteville, Ende des 18. Jahrhunderts wurde es privatisiert und gelangte in den Besitz sieben verschiedener Familien, ehe dann 1890 die Weißen Patres kamen.
Klar, dass in dieser 700-jährigen Geschichte vieles zerstört und wieder neu gebaut wurde. Der Schutt diente dabei als Füllmaterial, daher ist es schwer nachzuvollziehen, wann was entstand.

Jede Zeit hinterlässt aber ihre Spuren. Und auf Spurensuche sind seit vergangenem Samstag die jungen Leute, von denen einige später auch Archäologie studieren möchten.
Verschmutzte Jeans und reichlich Dreck unter den Fingernägeln – die Arbeit hier ist mühsam. Dicke Steine werden zum Glück von Erwachsenen weggeräumt. Ansonsten sind es aber die jungen Archäologiefreaks, die mit Schubkarren, Eimern, Kratzern und Besen das Erdreich unter die Lupe nehmen und nach verborgenen Schätzen suchen.

Gefunden haben sie schon einiges: Scherben aus Ton und Glas, Nägel, winzige Knochen – wohl von kleinen Tieren – und vor allem eine geheimnisvolle Mauer. Was die noch alles zu erzählen wüsste, könnte sie sprechen...

Geheimnisse lüften ist eine Sache, sich amüsieren eine andere: Heute ruht übrigens die Arbeit auf dem Camp. „Wellness“-Tag ist angesagt. Es geht ins Schwimmbad!