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Luxemburg: Hällt Jo Kox die Kulturtreibenden für dumm?

Dumm gelaufen, die Kulturentwicklung von Jo Kox!

Herr Kox ist immer für eine Überraschung gut!


Ich berufe mich auf einen Bericht im Luxemburger Wort vom Samstag 30.06.2018, aus der Feder von Daniel Conrad. Ein sehr gut geschriebener Artikel über ein Gespräch mit Jo Kox.


Im Bericht erfahren wir, dass das Kulturministerium einen Kulturentwicklungsplan für die Jahre 2018 - 2028 bei Herrn Kox bestellt hat. Demnach ein Plan für über zwei Legislativperioden. Dieser Plan wird Ende September 2018 den politischen Parteien vorgestellt werden. Und man erwartet, dass die Parteien diesen Plan in ihr Wahlprogramm aufnehmen. Mir scheint, Herr Kox ist im falschen Film, denn bereits zwei Wochen später sind die Landeswahlen in Luxemburg.


Abgesehen davon: Wie dumm hält Herr Kox die Parteien in Luxemburg? Glaubt er wirklich, dass unsere Parteien keine eigenen Vorstellungen haben, wie sie die Kultur in den nächsten fünf Jahren fördern können? Und darum ungeduldig auf dessen Vorschläge warten.


Und wie dumm hält Herr Kox eigentlich die Kulturtreibenden in Luxemburg? Glaubt er wirklich, dass diese seinen Kulturplan nötig haben, um zu wissen, wo die Reise in den nächsten Jahren gehen soll?


Und wer wirklich weiß, wo der Schuh in der Kultur in Luxemburg drückt, dann sind es die Kulturfunktionäre im Kulturministerium!


Ich kenne den einen und den anderen Kulturfunktionär, persönlich, und ich weiß, dass sie mit Herz und Seele bei ihrer Arbeit sind und auch genau wissen, wie man noch besser und gezielter die Kulturtreibenden in Luxemburg unterstützen kann. Dabei fehlt es nicht nur an mehr Geld für gezielte Aktionen - als Beispiel nenne ich das Theater in seinen vielfältigen Facetten - sondern auch, oder sogar vielmehr, an Personen, die diese Organisationen mit ihrem Wissen und Können beleben!


In der Musik kann ich nicht einmal das Wort "Oper" in den Mund nehmen, denn auf diesem Gebiet geschah bis dato kaum etwas. Dabei ist es absolut lächerlich, von Jahr zu Jahr Opernsänger auszubilden, die dann wieder Opernsänger ausbilden, ohne dass je einmal an größere Opernaufführungen gedacht wurde.


Dümmer geht es nicht bei Herrn Kox: Ein Kulturministerium brauchen wir nicht. Dafür einen "Arts Council". Wohl eine Inspiration aus dem Vereinigten Königreich Großbritanien? Darum auch der englische Titel. Und jetzt, am vergangenen Freitag und am Samstag, bei den allährlichen Kulturassisen, ließ Herr Kox die Katze aus dem Sack. Der Luxemburger Kulturfonds (FOCUNA - Fonds Culturel National) soll nämlich zu einem "Arts Council" umfunktioniert und damit weitgehende Funktionen des Kulurministeriums übernehmen. Herr Kox sprach da Pro Domo, denn er ist derzeit der Präsident des FOCUNA. Es ist aber nicht das erste Mal, dass nach Nationalwahlen der Präsident des Kulturfonds ausgewechselt wurde!


Bei dieser Ankündigung fiel der Kulturstaatssekretär Guy Arendt wie aus den Socken. Wohl liegt auf dem Tisch des Staatssekretärs ein entsprechender Vorschlag seitens des FOCUNA. Doch befunden wurde darüber noch nicht. Und die nächste Regierung wird wohl erst eine Antwort finden müssen.


Ein ganz wenig bin ich freilich bei den Überlegungen von Herrn Kox, da ich mich seit 1990 immer wieder die Frage stelle, ob es nicht notwendig wäre, innerhalb des Kulturministeriums einen "Service des Affaires Culturelles" zu schaffen, so ähnlich wie beim Jugendministerium.Mit einem Direktor, der auf Weisung des zuständigen Ministers diesen Service (ich vermeide das Wort "Verwaltung", denn Kultur lässt sich nicht verwalten) leitet. Damit würde auch vermieden werden, dass die Kulturfunktionäre als die Genossen des jeweiligen Ministers angesehen werden!


Am vergangenen Samstag wurde nun der von Jo Kox ausgearbeitete Kulturenwicklungsplan an eine Arbeitsgruppe weitergeleitet. Nur 6 Mitglieder soll diese Gruppe haben. Wer zu den erwählten Herrschaften zählt, weiß derzeit nur der liebe Gott.. und Herr Jo Kox. Denn Herr Kox soll die Gruppe leiten, und nur an 16 Stunden in der Woche.

Da gab es mal früher Zeiten, da saß man nicht mit einer Stoppuhr bei der Arbeit, und man rechnete auch nicht im Voraus die Honorare aus. Wie sagte einmal der verstorbene Kulturminister Robert Krieps so treffend über seinen Kultur Regierungsrat Raymond Weber: Ich gab ihm ein Blatt. Darauf stand eine Idee, und er machte mir daraus über Nacht eine Vorlage von 50 Seiten. Im Übrigen war der Lohn dafür: Lob und Anerkennung durch den Minister.


Nun, wie wird es nach den Wahlen in Luxemburg weiter gehen?

Wer wird die Kultur übernehmen?


Ich kenne persönlich zwei geeignete Persönlichkeiten: Die eine Person ist eine sehr geeignete Frau aus der CSV und die andere ein sehr versierter Mann, der gerne seine LSAP in der Regierung sehen möchte.


Nur noch einige Wochen Geduld, und wir werden wissen, wer mit wem ins Regierungsbett geht und dazu noch einige Nächte, und wir werden den Namen des zukünftigen Kulturministers kennen.


Und das wird Herr Jo Kox nicht sein!