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75 Joer zeréck an d’Heemecht

Erinnerungsmomente der Amicale des Anciens de Tambow

“Mir vergiessen net”, diese Worten schrieb Paul Scholer, Präsident der Amicale des Anciens de Tambow, in der Einladung zu gleich drei starken Erinnerungsmomenten an den 5. November 1945, den Tag der Rückkehr nach Luxemburg von 600 „Lëtzebuerger Jongen vun Tambow“ aus dem russischen Kriegsgefangenlager. Seit der Gründung der Amicale im Jahre 1951 wird der 5. November als „Tambower-Tag“ gesehen.

Im Lager Tambow-Rada wurden damals Elsässer, Lothringer und Luxemburger gefangen gehalten. Etwa 1 000 Luxemburger Zwangsrekrutierte saßen dort inhaftiert, da sie wegen der Wehrmacht-Uniform von den Russen für Deutsche gehalten wurden. 167 von ihnen überlebten das Gefangenlager Nr. 188 nicht.

Wegen der Corona-Pandemie musste im vergangenen Jahr der eigentlich 75. Jahrestag verschoben werden. Daher fand die Gedenkzeremonie erst an 12. November 2021 im hauptstädtischen Bahnhof statt. In ihren Ansprachen erinnerten Amicale-Präsident Paul Scholer, Fernand Etgen, Präsident der Abgeordnetenkammer, Stadtschöffe Serge Wilmes und der russische Botschafter Dmitry Lobanov an das tragische Schicksal der Tambower und riefen die Luxemburger Gesellschaft auf, Vorsorge gegen das Vergessen zu treffen und die Erinnerung in der nationalen Kulturarbeit zu verankern. Harmonische Cello-Klänge von André Mergenthaler und vor allem das von Carlo Hartmann interpretierte “Tambower Gefângene Lidd” verliehen der Gedenkfeier und Blumenniederlegung eine würdenvolle und emotionale Komponente. In der Verrière des Bahnhofes dokumentiert die sehenswerte Ausstellung “Erinnerung an das Lager 188 - Tambow (1943-1945 -2020)” mit historischen Fotos, Texten und Karten das harte Leben im Kriegsgefangennenlager. Noch bis Ende November ist die Ausstellung zu besichtigen.

Am Samstag fand die diesjährige Generalversammlung statt, in deren Mittelpunkt die Sorge stand, dass von politischer und gesellschaftlicher Seite die Erinnerungskultur nicht ausreichend gefördert wird, zumal die Zahl der Zeitzeugen auf nur noch sechs zurückgeht. Geschichte verblasst schnell, wenn sie nicht Teil des eigenen Erlebens war, betonte Präsident Paul Scholer und wies auf eine intergenerationelle Pflicht des historischen Gedenkens hin.

Josy Lorent, Präsident des „Comité pour la mémoire de la deuxième guerre mondiale“, sprach von einer neuen Erinnerungskultur, die das Interesse der Jugend über das Geschehen im Zweiten Weltkrieg in modern präsentierten und unkomplizierten Berichten per soziale Netzwerke anspricht. In einer rezenten Umfrage sahen 83 Prozent der Befragten die Erinnerung an den 2. Weltkrieg als gesellschaftlich und sozial wichtiger denn je. Anerkennende Worte fand Josy Lorent für das Geschichtsinteresse und die damit verbundene Stolperstein-Aktion der Schüler des Junglinster Lyzeums, wobei er kein Verständnis zeigte für jene „Heckenschützen“, die in der Diskussion die Luxemburger Zwangsrekrutierten als Wehrmachtssoldaten abtun und ihren 1967 anerkannten Statut „Victime du Nazisme“ anzuzweifeln versuchen.

In seinem Aktivitätsbericht verwies Sekretär Léon Weis unter anderem auf die zum 75. Jahrestag erschienene Broschüre (mit zwei DVDs), die am Freitagabend im Centre Scientifique et Culturel Russe vorgestellt wurde und auf 285 Seiten die Geschichte und das Martyrium der Tambower aufgezeichnet. In Texten und Gesprächen mit Zeitzeugen und Nachfahren geht es um die Aufarbeitung eines leidvollen Kapitels der Luxemburger Geschichte und den Versuch, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Die interessante Broschüre kann man bestellen für 60 Euro (+ 5 Euro Versandkosten) per mail: alexandra.giannini@wanadoo.fr oder Tel. 691 20 10 76 sowie Überweisung auf das CCPL LU75 1111 0240 0748 000 .

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