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Das Erbe der „Bunkerjungen“ - Gedenktafel in der Bourscheider Mühle eingeweiht

Gedenktafel an der Bourscheider Mühle erinnert an Solidarität in schwerer Zeit

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Bourscheid-Mühle. Am vergangenen Freitag hatten die Mitglieder des “Groupe de recherches et d’études sur la Guerre 1940-1945” (GREG) in die alte Bourscheider Mühle zur Einweihung einer Erinnerungstafel eingeladen.


„Diese am Eingang der Mühle angebrachte Tafel soll als Symbol des Kampfes gegen das Vergessen sowie gleichzeitig als bleibender Dank an die Familie Kremer gelten“, so GREG-Präsident Paul Heinrich, der unter den Gästen neben den Mitgliedern der Familie Kremer sowie dem Schöffen- und Gemeinderat aus Bourscheid auch Néckel Schmit, dem einzigen noch lebenden der sieben in der Mühle versteckten Deserteure begrüßen konnte.


Heinrich rief in seiner Ansprache noch einmal die Ereignisse in den bitteren Jahren des zweiten Weltkriegs in Erinnerung.


Zahlreiche wehrpflichtige jungen Männer entschieden sich, nachdem Gauleiter Gustav Simon am 30. August 1942, am „Fouersonndeg“, die Zwangsrekrutierung und obligatorische Wehrpflicht für Tausende junger Luxemburger der Jahrgänge 1920 bis 1924, später auch die Jahrgänge 1925 bis 1927 verkündet hatte, zu desertieren.


Couragierte Luxemburger Mitmenschen entschlossen sich, diesen Deserteuren oder Refraktären zu helfen und begaben sich somit in unvorstellbare Gefahr. So auch auf der Burscheider Mühle, wo sich, allen Gefahren zum Trotz der damalige Besitzer des Hotels „Bourscheid-Moulin“ Jos Kremer und seine Familienmitglieder dazu entschlossen, junge Männer zu verstecken.


In der neben dem Hotel gelegenen alten Mühle, in der sich heute ein Restaurant befindet, wurde ein zugeworfenes Gemach ausgegraben und zu einer Art Bunker umgebaut. Zum Wassergraben hin wurde eine Trockenmauer gebaut, die, bei einer eventuellen Entdeckung durch einen heftigen Fußstoß zerstört werden konnte, was eine Flucht durch die Sauer ermöglichte. Als Ein- und Ausgang diente eine Falltür, die Abends, wenn alle Bunkerinsassen sich in ihr Versteck zurückgezogen hatten, mit Kleie und Säcken getarnt wurde.


Sieben junge Männer fanden in diesem Refugium, das nachgebaut nun wieder im Restaurant zu sehen ist, Unterschlupf. Es waren dies Mett Baulesch, Néckel Schmit, Jäng Schmit und Henri Lucas aus Michelau, Camille Jungen aus Sassenheim, Marcel Kimmes aus Kahler und Neckel Hermann aus Consthum. Verpflegt wurden sie von Oktober 1942 bis zur Befreiung im September 1944 vom Inhaber des Hotels, Jos Kremer und seinen Familienangehörigen.


Wie der mittlerweile verstorbene Jäng Schmit es 1992 auf den Punkt brachte, seien die Versteckten der Familie Kremer bis übers Grab hinaus zu Dank verpflichtet.


Als Kuriosum bleibt anzumerken, dass regelmäßig hochrangige Nazis, darunter gar Gauleiter Gustav Simon und Gestapo-Chef Fritz Hartmann, in die Gaststätte des Hotels einkehrten – eine Ironie der Geschichte ...