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„Bunkerjungen“ stiften Beschützerfamilie Gedenkplakette

68 Jahre sind nunmehr vergangen, seit Jos Turmes aus Knaphoscheid, zusammen mit drei anderen Refraktären, während Monaten in einem selbst errichteten Bunker „am Héiricht“ bei Knaphoscheid ausharren musste, um der Zwangsrekrutierung, der Umsiedlung und dem Terror der Nazis zu entgehen. Wochen der Todesangst, die der 88-jährige Jos Turmes bis heute ebenso wenig vergessen hat wie jene, die ihm und seinen Freunden damals in höchster Not Beistand leisteten.

Jene, das waren insbesondere Anna Schlesser-Reding und ihr Ehemann Nicolas sowie Annas Mutter Madeleine Reding-Turmes, „Matti Léin“ genannt. Aus Menschlichkeit und Selbstlosigkeit ihr eigenes Leben riskierend, hatte die Familie Schlesser aus Knaphoscheid zunächst bereits den Refraktären Jos Gaasch aus Wilwerwiltz und Aly Schlesser aus Knaphoscheid Unterschlupf geboten, ehe sie Ende Oktober 1943 auch Jos Turmes ein Versteck bot. Wegen der allzu großen Gefahr zog Letzterer am Ostersonntag 1944 jedoch in einen Bunker im Wald um, wo sich bis zur Befreiung im September 1944 mit Jos Wolwert aus Luxemburg-Stadt, Pol Berscheid aus Selscheid, und Jean Keipes aus Knaphoscheid noch drei weitere „Bunkerjungen“ hinzugesellen sollten.

Während jener gefahrvoller Tage scheute die Familie Schlesser trotz drohender Lebensgefahr nicht davor zurück, die „Bunkerjungen“ sowohl mit Essen als auch mit moralischem Beistand zu unterstützen. Nachdem Jos Turmes seine Erinnerungen an diese verhängnisvolle Zeit bereits 2005 in seinem Buch „D'Jugend gouf eis gestuel“ für die kommenden Generationen niedergeschrieben hatte, erinnert seit Donnerstag nun auch eine Gedenkplakette, die demnächst am ehemaligen Bunker bei Knaphoscheid aufgestellt wird, an die „Bunkerjungen“ und ihre Beschützerfamilie.

Im Rahmen der Einsegnung der Plakette beim Friedhof in Knaphoscheid beschrieb Jos Turmes, der einzige noch lebende Refraktär von damals, Anna Schlesser denn auch als „rettenden Engel“, dem er heute im Namen aller „Bunkerjungen“ von Knaphoscheid ein Denkmal des ewigen Dankes setzen wolle. Nachdem Dechant Martin Molitor die Plakette, auch als Aufruf zum steten Einsatz für den Frieden, dem Segen Gottes anvertraut hatte, lobte Erny Lamborelle, Präsident der „Fédération des enrôlés de force“, die Einrichtung dieses Mahnmals. Der selbstlose Einsatz der Familie Schlesser sei ebenso ein Akt des Widerstands gewesen wie die Weigerung der Refraktäre, die verhasste Naziuniform überstreifen zu müssen.

Im Namen der „Fédération des enrôlés de force“ äußerte Lamborelle zudem den Wunsch, auch den Bunker weitestmöglich wieder herzurichten, um der Jugend von heute das Bunkerleben von damals plastisch vor Augen führen zu können. Im Anschluss an die Feier vertieften die Angehörigen und Nachkommen der Refraktäre und Beschützer ihre bis heute währende Freundschaft bei einem gemeinsamen Konveniat. (jl)