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25 Jahre RBS - Center fir Altersfroen

Der Mega-Trend Alter

Mit einer ungewöhnlichen akademischen Sitzung feierte der RBS Center fir Altersfroen am 26. November in der Abtei Neumünster sein 25jähriges Bestehen. RBS-Direktor Simon Groß verknüpfte dabei die Entwicklung des RBS rück- und ausblickend mit europäischen und nationalen Aktivitäten rund ums Thema Alter und unterstrich den Auftrag, eine „neue Kultur des Alterns“ zu fördern. Familienministerin Corinne Cahen hob die Pionierarbeit des RBS hervor, dem es in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen sei, innovative Impulse zu setzen und neue Wege zu beschreiten. So sei die Einstellung eines „agent interculturel“ beim RBS eine Antwort auf die künftige Herausforderung „das multikulturelle Zusammenleben der verschiedenen Generationen positiv zu gestalten.“

Der prominente Gastredner des Abends, Matthias Horx, Trendforscher und Gründer seines Wiener Zukunftsinstituts, sorgte mit ebenso kritischen wie amüsanten Reflexionen für viel Zustimmung bei den über 160 Gästen. So stellte er den viel zitierten, negativ besetzten Begriffen wie „Ver-Greisung“ und „Über-Alterung“, momentane Schreckensszenarien einer zunehmend alternden Gesellschaft, den Mega-Trend des „Down(aging)“ gegenüber. Laut diesem fühlen sich die meisten Menschen heute subjektiv jünger und leben ihr Alter entsprechend anders. Mega-Trends sind nicht nur von ihrer zeitlichen Gewichtung her (30 Jahre oder mehr) von Bedeutung, sondern vielmehr wegen ihres „impact“: „Sie verändern nicht nur einzelne Segmente oder Bereiche des sozialen Lebens oder der Wirtschaft. Sie formen ganze Gesellschaften um“, so Horx. Einer der elf momentan auszumachenden Mega-Trends ist die „Silver Society“, neben Trends wie z.B. Individualisierung, Frauen (female shift) , Gesundheit, Mobilität, Neues Lernen oder Konnektivität.

So steht uns nicht nur ein längeres, sondern auch ein Leben bei größtenteils besserer Gesundheit bevor. Immer noch vorherrschende Bilder, in denen Alter automatisch mit Siechtum verknüpft wird, stimmen de facto nicht mehr. Aber: „Die Qualität der demographischen Entwicklung hängt davon ab, ob wir unser Gesundheitsbewusstsein ändern. In Zukunft müssen wir stärker selbst die Verantwortung dafür übernehmen. Auch Arbeitszeitmodelle müssen flexibler gestaltet werden, damit Familie und Beruf besser vereinbar sind und längere Erwerbstätigkeit, wenn gewünscht, möglich wird“, betont Matthias Horx. Die insgesamt zu beobachtende Individualisierung der Gesellschaft gelte auch für das Alter. Statt größtenteils in festen Bahnen verlaufende Norm-Biographien gebe es heute zunehmend „Multigraphien“ mit wechselnden Berufstätigkeiten, variablen Erwerbszeiten und einem erweiterten Familienbild, der sogenannten Freundes- oder Wahlfamilie. „Wir brauchen eine neue gesellschaftliche Vernetzung von Denkmustern und Institutionen, um eine höhere demographische Qualität zu erreichen, die letztendlich die Lebensqualität aller verbessern wird.

Es gilt, sich selbst einzubringen, um einer anderen Alterskultur Raum zu verschaffen. Die Eigen- und Selbstkompetenz muss schon in frühen Jahren gefördert werden, älter werden, heißt schließlich nicht anderes, als sich selbst zu begegnen“, schlussfolgerte der 59jährige Zukunftsforscher, der sein eigenes Alter im übrigen mit einer „pro-aktiven Lebensweise“ hinauszuzögern gedenkt.

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www.rbs-tour.lu