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Biker trifft Biotop ... - Parlamentarier besichtigen „Vennbahn“-Radpiste

Vom Hindernis zum Highlight – so muss man wohl den etwas ungewöhnlichen Werdegang der einzigartigen Fledermauskolonie im ehemaligen Eisenbahntunnel nahe Huldingen beschreiben.

Verhinderten die 300 bis 400 Tiere letztlich zwar aus Artenschutzgründen die angestrebte Einbindung des Tunnels in die im Juli eröffnete „Vennbahn“-Radpiste, so sollen sie nun zum naturtouristischen Höhepunkt des 125 Kilometer langen Radwegs zwischen Ulflingen und Aachen werden. Ganz nach dem Motto Biker trifft Biotop ...

Um sich vor Ort ein Bild des ominösen „Fledermaus-Tunnels“ sowie der Pläne zur touristisch-pädagogischen Erschließung desselben zu machen, hatten sich gestern Nachmittag auf Einladung des delegierten Nachhaltigkeitsministers Marco Schank die Luxemburger Vertreter des „Conseil parlementaire interrégional“ bzw. des „Conseil interparlementaire consultatif de Benelux“ in den Fahrradsattel geschwungen.

13 Fledermausarten in einem Tunnel

Mit kräftigen Pedalentritten und einer ordentlichen Portion Fahrradspaß ging es so über das rund fünf Kilometer lange „Vennbahn“-Teilstück dahin. Von der Cornelysmühle über Goedingen zu dem rund 800 Meter langen Tunnel nahe Huldingen, wo Marco Schank und die Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung Diekirch nähere Erläuterungen gaben.

Im Laufe der Planungen zur Einbindung des Tunnels in die grenzüberschreitende „Vennbahn“-Radpiste, eine der längsten Radwanderwegetrassen Europas, war man im Innern unverhofft auf eine rund 300 bis 400 Tiere umfassende Fledermauskolonie gestoßen, die nicht weniger als 13 verschiedene Arten vereint.

Was die Herzen aller Naturfreunde höher schlagen ließ, bereitete den Planern der Radpiste zunächst jedoch eher Kopfzerbrechen, konnte der Tunnel doch nun aus Artenschutz-Gründen nicht ohne weiteres als Radpisten-Teilstück benutzt werden. Eine rund 1 500 Meter lange Umgehung musste her, die mittlerweile nahe der Huldinger „Buergplaz“ unter der N 7 durchführt, um – am Tunnel vorbei – auf belgischer Seite wieder an die „Vennbahn“-Trasse anzuschließen.

Hatte man zunächst dennoch gehofft, den Tunnel zumindest im Sommer, also außerhalb der Überwinterungszeit, nutzen zu können, so sollten sich zuletzt allerdings auch diese Pläne zerschlagen, wie Ressortminister Marco Schank gestern erklärte. „Aufgrund der EU-Direktiven zum Artenschutz hätten uns möglicherweise Klagen und letztlich die Schließung des Tunnels durch die EU-Kommission gedroht. Angesichts eines solchen Risikos konnten und wollten wir natürlich keine aufwändigen Investitionen in die Instandsetzung des Tunnels für den Fahrradverkehr tätigen“, so Schank.

Geld, das nun vielmehr in die touristische und didaktische Inwertsetzung des Fledermaus-Biotops fließen soll, das für die Nutzer der „Vennbahn“-Radpiste vom Hindernis zum Highlight entlang der Strecke werden soll. Anhand interaktiver Informationssäulen und eines zum Info-Kiosk umfunktionierten Chalets sollen die Bikerfreunde künftig vor Ort Erläuterungen zu der einzigartigen Fledermauskolonie im Tunnel erhalten. Kernstück des Vorhabens dürfte allerdings eine 24-Stunden-Livesicht per Webcam auf den Tunneleingang werden, dank der man die possierlichen Tierchen ganz einfach auf Bildschirm oder im Internet beim Herumschwärmen beobachten kann.

Für das außergewöhnliche Tourismusprojekt, dessen Konzept vom Naturpark Our erarbeitet wurde, soll zudem mit Flyern, Maskottchen und Auftritten in den sozialen Medien ordentlich geworben werden. Das Budget des mit EU-Mitteln geförderten „Vennbahn“-Projekts wird zu diesem Zweck um ein Jahr verlängert und um 390 000 Euro angehoben. Die Arbeiten sollen bereits in den kommenden Wochen anlaufen. Womit man sich wohl bereits im Herbst 2014 auf Fledermaus-Entdeckungstour begeben kann.

VON JOHN LAMBERTY