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Die Erziehung und die Betreuung der Kinder innerhalb unserer Gemeinde.


Wegen der Nähe zur Stadt Luxemburg verzeichnet unsere Gemeinde eine
anhaltende demographische Wachstumsrate, was zu einer besonderen Beachtung der Kinderbetreung sowie Anpassung des Erziehungsangebotes führen muss.
Man muss aber leider feststellen, dass die Plätze in den Kinderkrippen und in „Maisons Relais“ noch lange nicht ausreichen und die Wartelisten, unabhängig von der jeweiligen Institution, viel zu lang sind (momentan liegt die Wartezeit bei zwei Jahren). Dabei wurden noch nicht die Kinder, welche in der Früherziehung (= Précoce) eingeschrieben sind, berücksichtigt. Hier besteht nach den Schulzeiten kein Betreuungsangebot. Eine vorausschauende Planung muss eine Antwort auf die heutige Situation geben und die zukünftigen Bedürfnisse
unserer Gemeinde gerecht werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Bevölkerung unserer Gemeinde ungefähr zur Hälfte aus Luxemburgern und zur anderen Hälfte aus Nicht-Luxemburgern besteht, kommt den Strukturen der Kinderbetreuung eine besondere Bedeutung zu: • sie ermöglicht allen Kindern eine frühe Sozialisierung sowie eine frühzeitige kulturelle Eingliederung, die ihnen später die Integration in das Schulleben erleichtert; für die ausländischen Kinder ist die frühe Eingliederung der Schlüssel zur vollständigen Integration. Dies gilt auch für deren Familien, die sich dadurch im luxemburgischen sozialen Leben eingliedern. Zudem erlernt das Kind auf „natürliche“ Weise die luxemburgische Sprache, was wiederum das aktuelle hohe Schulversagen reduzieren kann;
die Kinderbetreuung ist außerdem für alle Frauen eine Notwendigkeit, insbesondere für jene, die nicht auf ein unterstützendes familiäres oder soziales Netz zählen bzw. zurückgreifen können. Dies, sowohl während der Suche nach einem Arbeitsplatz, als auch während der Berufsausübung; die Strukturen der Kinderbetreuung bieten den Frauen eine Gelegenheit, Kontakte mit anderen Mütter zu knüpfen und so an einem Minimum sozialen
Lebens teilzuhaben. Dies gilt insbesondere für isolierte Frauen, die so eine Möglichkeit zur Überwindung ihrer Isolierung erhalten; ausserdem ermöglichen die Strukturen, Kindern aus sozialschwachen bzw. problembehafteten Familien, den Zugang zu einem normalen Alltag, zumindest während der Tagesstunden. Bei Problemen kann so schnell geholfen werden. Es sind hier nur einige wichtige Gesichtspunkte aufgeführt, die die Dringlichkeit des Ausbaus der Kinderbetreuungsstrukturen verdeutlichen. Ziel muss es sein, diese Strukturen bezahlbar, wenn möglich sogar kostenlos anzubieten. Außerdem ist die Kinderbetreuung unzertrennlich mit der Gleichheit von Mann/Frau verbunden. Solange augenscheinlich die berufliche Karriere einer Frau von der Existenz dieser Strukturen abhängt, werden unweigerlich nicht mehr Frauen in Führungspositionen sein, sei es als Mitglied von Verwaltungsräten, als Aufsichtsratsvorsitzende eines Unternehmens oder im politischen Leben.
Wie viele verheiratete Frauen sind gezwungen, gegen ihren Willen zu kündigen, um sich der Kinderbetreuung zu widmen, weil die entsprechende Infrastruktur fehlt? Wie kann man berufstätig sein und auch unvorhergesehene berufliche Verpflichtungen wahrnehmen, wenn man von unflexiblen Schulzeiten abhängt? Wie viele Frauen sind sehen sich aus demselben Grund gezwungen, halbtags zu arbeiten? Und welche Rentenansprüche stehen Ihnen aufgrund dieser Situation später zu? Welche Chancen haben diese Frauen auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie durch eine Trennung oder Scheidung nach vielen Jahren wieder auf dem Arbeitsmarkt tätig werden wollen bzw. müssen?
Dies sind einige der Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaft wegen der Fehler der Vergangenheit schon konfrontiert ist. Es ist nicht Zeit zu reagieren, es ist schon spät!