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Erzbischof Jean-Claude Hollerich zu Gast bei der katholischen Frauenaktion

Im Festsaal in Hagen hatten sich an die 80 „Fraen a Mammen“ und mehrere Herren aus dem Dekanat Koerich eingefunden, um Erzbischof Jean-Claude Hollerich persönlich zu begegnen und seine Ansichten zu der Lage der Luxemburger Kirche zu hören.

Nachdem Dekanatspräsidentin Marie-Thérèse Kremer den hohen Gast, in Begleitung von Dechant Pater Theo Klein, Aumônier der ACFL und in Anwesenheit des Steinforter Bürgermeisters Jean-Marie Wirth begrüßt hatte, sprach sie, den Gepflogenheiten der katholischen Frauenaktion entsprechend, ein Gebet zur Einführung. In seiner Begrüßungsansprache forderte Pater Klein die Damen zur Unterstützung auf in dieser „für Kirche und Gesellschaft schweren Zeit“. Jeder könne helfen durch Gebet und Einsatzbereitschaft.

Erzbischof Jean-Claude Hollerich bedankte sich als Erstes für das langjährige Engagement der Frauenaktion in der Kirche, bevor er die aktuelle Lage der Kirche ansprach. Er habe bisher erste Eindrücke gesammelt und sich eine Vorstellung gemacht, von dem was wichtig sei. Dabei sei ihm die große Zahl der Leute aufgefallen, die sich in der Kirche engagieren. Dieses Potenzial, auf das man stolz sein könne, gelte es zu nutzen.

Leider würden nicht alle an einem Strang ziehen, und es gelte, alle Kräfte für das Reich Gottes zu mobilisieren. Der Rückgang der Kirchgänger und der Nachwuchsmangel sei zu beklagen, doch sei es wichtig, dass die Menschen, die sich kirchlich engagieren, Freude daran hätten, denn sie würden es für Gott tun. „Ein Verein wird an seiner Aktivität gemessen, doch der kirchliche Einsatz ist nicht in Zahlen messbar. Guter Samen, der in die Erde gelegt wird, wird aber seine Früchte bringen“, so der Redner

Der Erzbischof ging auch auf den bedauernswerten Priestermangel in Luxemburg ein, stellte dem aber den Einsatz der pensionierten Geistlichen gegenüber und sagte wörtlich zu den Anwesenden: „Ihr seid die Kirche, es gibt keine andere Kirche als die Menschen“.

Bischof und Priester hätten die Aufgabe, der Kirche zu dienen, Ideen einzubringen und umzusetzen. Schön, wenn die Kirche weiterhin Haus Gottes sei und die Kirche im Dorf bleibe. Die Kirchtürme, die wie ein Finger zum Himmel zeigen, würden die Richtung angeben. Es gehe darum, Sinn und Glauben zu behalten, denn das bedeute Hoffnung im tiefsten Leid.

Sein Wahlspruch „Annuntiate“, Evangelium verkünden, sei nicht allein Sache des Pfarrers, sondern der ganzen Kirche. Jeder könne dies auf seine Art tun, natürlich und mit Freude, ohne jemandem seinen Glauben aufzuzwingen. Was in unserer Gesellschaft fehle, sei die Freude. Luxemburg stehe an erster Stelle, was die Kaufkraft angehe, doch was das Glücksgefühl betreffe, lägen die ärmsten Länder vorn, wie Erzbischof Jean-Claude Hollerich es auch auf Reisen mit japanischen Studenten nach Nordthailand erlebte, wo die Menschen unter harten Bedingungen ihr Leben fristen, doch Herzlichkeit und gute Laune ausstrahlten. Auf die Fragen, was für sie das Wichtigste im Leben sei, antworteten sie in dieser Reihenfolge: Gott, die Familie, das Dorf. Folglich müsste schon der Glaube allein uns glücklich machen. Wir Menschen seien in der Hand Gottes geborgen, und das sei ein Glück, das man auch im großen Leid erfahren könne. Der Trost von Christus mache uns hoffnungsvoll, und wenn wir das ausstrahlten, bekämen wir eine andere Kirche.

Als eine Chance für die Kirche Luxemburgs sieht der Erzbischof die Parallelgesellschaften von Luxemburgern und anderer Nationalitäten an, die man näher zusammenbringen sollte, z. B. in den Chören. Durch bessere Integration würden die Luxemburger vom Leben der anderen Gemeinschaften angesteckt.

Zu den Prioritäten des Erzbischofs zählt die Jugend, denn ohne sie könnten die Kirchen in 20 Jahren schließen. Es gelte, ihnen den Glauben und die Botschaft Gottes anzubieten und religiöse Erfahrung zu vermitteln. Erzbischof Hollerich möchte ein Programm mit der Jugend ausarbeiten. Sein Traum wären regionale Jugendkirchen. Er möchte die Jugend zusammenführen, ermutigen, begeistern, ihre Herzen für Gott berühren. Er hofft, mit vielen jungen Leuten zu den Weltjugendtagen nach Rio zu reisen und er habe daher ein Spendenkonto eröffnet, um zahlreichen jungen Leuten die teure Reise zu ermöglichen.

Die Missbrauchsfälle in der Kirche konnte der Gastredner nicht außer Acht lassen. Das Thema tue im Herzen weh, es sei ein Vertrauensmissbrauch der Geistlichen, ein Verbrechen, für das die Kirche sich schämen müsse. Für dieses Leid gebe es keine finanzielle Wiedergutmachung, höchstens ein Zeichen. Es sei jedoch eine Ungerechtigkeit, alle Priester, von denen der Großteil keine Schuld trage, in eine pädophile Ecke zu drängen. Gegen diese Kirchenfeindlichkeit müsse die Kirche sich positionieren. Auch wenn die Kirche keine Politik betreibe, freue sie sich über den Dialog mit den Gemeinden.

In lockerem, auch scherzhaftem Ton, stand das Oberhaupt der katholischen Kirche in Luxemburg den Damen weiterhin bei einer Tasse Kaffee Rede und Antwort. Zum Abschluss des Nachmittags bedankte sich Bürgermeister Jean-Marie Wirth für die Ehre der Einladung und hoffte, Erzbischof Hollerich noch öfters in der Gemeinde Steinfort zu Gast zu haben. (AgKra)