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Die Unterstadt Grund erfolgreich ins 21. Jahrhundert gerettet!

Am Gronn!


Eine Unterstadt, die uns nicht fremd ist. Sie ist für viele von uns ganz einfach "Heimat"!


Das Foto hier oben wurde vor 150 Jahren gemacht, von einem begnadeten Fotografen.


Das so schöne Bild habe ich mehrmals im Ausland Freunden gezeigt. Ein lieber Freund reagierte wie folgt: Ach ein Bild aus der alten Türkei. Die Frauen verstecken sehr sorgsam ihre Köpfe in Tücher. Selbst die Kinder tragen Hüte. So richtig südländisch die Athmosphäre auf dem Foto!


Die Unterstadt Grund ist tatsächlich die Luxemburger Ortschaft mit südländischem Flair. Und die kleinen Alzetteschiffe, die heute alle verschwunden sind, erinnerten einst sehr stark an Venedig. Der Historiker und ehemaliger Pfarrer im Grund, Joseph Reuter, schrieb mit Recht, dass die Unterstadt Grund das nördlche Venedig ist!


Das Bild erzählt uns von dem vielen Leben im Grund. Und die alten Leute sagten immer: Wir waren stets sehr arm im Grund, aber die Armut wurde durch das Schöne und die Gemütlichkeit in der Ortschaft total verdrängt. Und wenn wir vor der Haustür sassen und die Beine bis weit über den Bürgersteig auf die Strasse streckten, dann war uns bewusst: Hier sind wir die Herren der Ortschaft.


Doch zu Festungszeiten war der Grund eine Wohnstätte, die vornehmlich von Adligen und von der hohen Bourgeoisie beansprucht wurde. Doch als die Festungsmauern fielen, konnte sich die Stadt ausdehnen und die besseren Leute wurden im neuen Teil der Stadt sesshaft.


Zurück blieb der Paack. So bezeichnete man die armen Leute. Meistens waren diese nur Mieter. Und die Besitzer wohnten in schönen Villen in der Oberstadt. Die Mieten waren eher bescheiden. Doch da viele Familien mit ihren 10 Kindern in zwei Zimmern hausten, war es nicht selten, dass bis zu 10 Familien in einem Haus wohnten. Und 10 Wohnungen in einem Haus, das ergab doch an jedem Monatsende eine Stange Geld!


Dennoch stand die Wiege von vielen Lehrern, Ärzten, Ingenieuren, Apothekern und anderen besseren Leuten im Grund. Sowieso, gingen die Grennech nie in Lumpen in die Oberstadt. Denn in jeder Wohnung stand ein besonderer Schrank, in dem die schönsten Frauenkleider und Männeranzüge aufbewahrt wurden.Oben auf dem Fischmarkt wollte man feine Bürger sein. Die Männer mit weissem Hemd und schönem Binder. Sie waren für einige Stunden die wahren Herren in der Oberstadt. Und das Bier floss in rauhen Mengen. Denn die Grennesch luden stets die vielen Gäste in den Wirtshäusern zum Mitrinken an. Und erst wenn alle vollgelaufen und die Geldtaschen leer waren, kam wieder Ruhe in die Oberstadt.


An den Tagen darauf ass man den Mastik von den Fenstern. Ja, dann war der Schmalhans der Küchenchef. Und wer sich nicht genierte, liess sich Fleisch von der Freibank liefern. Und die Kinder gingen betteln...


Die Armut der Bevölkerung hatte aber auch ihre gute Seite. Denn wer wenig Geld hat, fängt nicht an, alles im Innnern und um das Haus zu modernisieren. Erst wenn einem die Decke auf den Kopf fiel und eine Mauer einstürzte, wurden die Häuser notdürftg repariert.


Dafür sagen wir heute ein Dankeschön an die Bevölkerumg vor 150, 100 und noch vor 50 Jahren. Denn unbewusst haben sie dazu beigetragen, dass der Grund immer noch uralt aussieht. Man ist immer noch im Mittelalter. Was nicht verhindert, dass die Häuser dort unten im Alzettetal Innenräume haben, wie man sie gewöhnlich in kleinen Palästen findet. In Venedig!


Vorbei ist die Phase der armen Leute im Grund. Denn wer Geld hat und etwas auf sich hält, der wohnt heutzutage im Grund und diniert abends in Restaurants, ebenfalls im Grund, die zu den Besten des Landes, ja der Großregion gehören.


Wenn wir zukünftig gemäss der Petition 1026 (kann noch unterschrieben werden) am Pfingstdienstag feiern werden (neuer gesetzlicher Feiertag), dann dürfen wir nicht nur das Schöne sehen. Das Grausame nämlich ist, dass mit der Restauration des Grundes die Ureinwohner vertrieben wurden. Denn es ist einfach zu teuer im Grund geworden.


Nur noch wenige Kinder im Grund. Eine neue Bevölkerung, die kaum an ein Mitmachen in den Ortsvereinen interessiert ist..das kann und soll der Grund auf längere Zeit nicht sein!


Da genügt es nicht, oben auf der Corniche zu stehen und beim Blick in den Grund vor Rührung eine kleine Träne im Auge zu haben!



Mann ist Weltkulturerbe, doch wo sind die eigentlichen Erben geblieben?