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Claire Sertznig, die neue Weinkönigin im Interview

An Wochenende vom 6. Sepetmber findet die 64. Auflage des Trauben- und Weinfestes in Grevenmacher statt. Auftakt ist heute Abend um 20 Uhr im Sport- und Kulturzentrum, wobei der Höhepunkt die Krönung der neuen Weinkönigin ist.

Dabei wird die amtierende Weinkönigin Lynn Mantz ihr Mandat an ihre Nachfolgerin übergeben. Das „Luxemburger Wort“ sprach im Vorfeld mit Claire Sertznig.

Claire Sertznig, bald ist es so weit und Sie werden zur neuen Luxemburger Weinkönigin gekrönt. Wie sieht es zurzeit mit der Nervosität aus?

Eigentlich fühle ich mich, als ob das Fest noch weit weg ist. Vielleicht liegt das auch an der Gewohnheit, schließlich ist man während vier Jahren als Prinzessin dabei. Nur ist nun mein Moment gekommen, der Tag an dem ich zur Weinkönigin gekrönt werde. Die Leute werden auf mich schauen.


Traditionell wird ein „Maacher Meedchen“ aus einer Winzerfamilie Weinkönigin. Wie sieht dies bei

Ihnen aus?

Meine Großeltern besaßen einige Weinberge. Meine Familie besitzt allerdings nur noch wenige Hektar Land, die wir bewirtschaften. Die Trauben selbst verkaufen wir. Es ist aber nicht so, dass wir einen richtigen Winzerbetrieb haben.


Was wird sich im kommenden Jahr für Sie ändern?

Dadurch, dass ich ein Studium beginne, bei dem der Wein im Mittelpunkt steht, internationale Weinwirtschaft, denke ich, dass ich noch viel lerne, das ich bei meiner neuen Aufgabe einbringen kann. So wird sich in der Schule viel um die Weinvermarktung drehen. Ansonsten wird sich meiner Meinung nach nicht viel ändern, da ich in den vergangenen Jahren bereits bei den meisten Terminen der Weinkönigin dabei war.


Wie haben Sie sich auf die neue Aufgabe vorbereitet?

Die vier Jahre als Prinzessin kann man als eine Art Lehre ansehen. Man lernt die Menschen kennen und besucht Önologiekurse. Es ist eine Art Lebensschule, die man mitmacht. Wir lernen, wie wir mit den Menschen reden sollen und bereichern unser Wissen. Wir erfahren, wie wir auf andere Personen zugehen. Anfangs ist man sicher zurückhaltender. In meinem ersten Jahr als Prinzessin habe ich mich auch nicht getraut, auf einer Bühne auch nur ein Grußwort an Gäste zu richten. Aber irgendwann steht man vor dem Mikrofon und muss einfach reden. Mir hat es auf jeden Fall geholfen, ein wenig ins kalte Wasser geworfen zu werden. Wenn man seine Aufgabe mit Interesse und Herz erfüllt, wächst man langsam hinein.


Die Weinkönigin und ihre Prinzessinnen sind ja nicht nur in Luxemburg, sondern zum Beispiel auch in Deutschland unterwegs. Welche Unterschiede gibt es zwischen den deutschen und den Luxemburger Weinköniginnen?

Auf den deutschen Weinfesten geht die Krönung sehr folkloristisch vonstatten. Dort hat praktisch jedes Winzerdorf seine Weinkönigin, daneben gibt es die Gebietsköniginnen. Hierzulande läuft alles professioneller ab. So kann man vor allem die Krönung in Grevenmacher nicht mit einer Krönung in Deutschland vergleichen. Dort stehen einige Blumen auf der Bühne, die Königin wird gekrönt und das war's. Hier wird ein dreitägiges Fest organisiert, bei dem ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für jede Altersklasse auf die Beine gestellt wird.


Wie viele Auftritte werden im kommenden Jahr auf Sie und Ihre Prinzessinnen zukommen?

Wir werden etwa zwischen 50 und 60 Auftritte haben, sodass wir praktisch jedes Wochenende unterwegs sind, nur im Winter haben wir Pause. Demnach verteilt sich vieles auf die Sommermonate, wo wir zwischendurch auch schon zwei bis drei Mal während der Woche unterwegs sind.


Wie verbindet man dieses Hobby mit dem Studium?

Das werde ich nach Schulbeginn erst richtig sehen. Da die Uni in Geisenheim nicht weit entfernt ist, werde ich an den Wochenenden nach Hause kommen. Da viele offizielle Auftritte im Sommer sind, hatte ich bis dato meistens Schulferien. Bisher hat das immer gut geklappt.


Ist es nicht manchmal komisch zu sehen, dass Ihre Freunde an den Wochenenden auf Partys gehen, während Sie Ihre offiziellen Auftritte haben?

An sich nicht. Es war eher für meine Freunde etwas komisch, wenn ich Ihnen anfangs erzählte, dass ich an Wochenenden mit einem langen Kleid, und künftig dann auch mit einer Krone auf dem Kopf, auf Weinfesten unterwegs bin. Nachdem sie mich aber einmal begleitet hatten, waren sie begeistert. Es ist ja auch nicht so, dass wir uns nicht auf den Weinfesten amüsieren. Es ist eben ein andere Art, Party zu machen.


Was machen Sie, wenn Sie nicht als Weinkönigin unterwegs sind?

Ich habe lange Handball gespielt, musste aber wegen einer Knieverletzung damit aufhören. Ansonsten bin ich trotzdem mit den Mädchen unterwegs und verpasse kein Weinfest, auch wenn wir keinen festen Termin dort haben.


Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich bin an sich eine sehr offene Person, die sich nicht fürchtet, auf andere Menschen zuzugehen. Als Weinkönigin bin ich wirklich mit Herz und Seele bei der Sache. Ich würde dieses Erlebnis nicht missen.


Wieso soll man am Wochenende nach Grevenmacher kommen?

Das Trauben- und Weinfest in Grevenmacher kann man nicht mit den anderen Weinfesten an der Luxemburger Mosel vergleichen. Es ist einfach das größte und pompöseste Fest, bei dem sowohl Jung und Alt etwas geboten wird, damit das Wochenende unvergesslich wird. Man bekommt nicht oft die Gelegenheit, eine Veranstaltung mit einer solchen Atmosphäre und so vielen unterschiedlichen Besuchern zu erleben, sich zu amüsieren und natürlich den guten Miseler Wein zu verkosten.