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Mehr elektronische Fesseln geplant

Neuer Frauentrakt soll ab Juli in Betrieb genommen werden


Im Rahmen des Rates „Justice et affaires intérieures“, der am 4. und 5. Juni in Luxemburg stattfindet, machten Justizminister François Biltgen und der französische Staatssekretär im Justizministerium sich ein Bild von der offenen Vollzugsanstalt in Givenich.

Nachdem der französische Staatssekretär bereits ähnliche Infrastrukturen in Europa besichtigt hatte (in Frankreich gibt es lediglich eine offene Vollzugsanstalt auf Korsika), verschaffte er sich nun zusammen mit François Biltgen einen Überblick des Luxemburger Modells. Dabei besichtigten sie, unter der Leitung von Direktor Claude Lentz, neben den Wohn- und Bildungsräumen sowie den Ateliers auch den neuen Frauentrakt, der ab Juli in Betrieb sein wird.

„Givenich ist eine Infrastruktur auf die wir stolz sind“, betonte Minister François Biltgen nach der Besichtigung. Dabei betonte er, dass etwa 20 Prozent der Strafgefangenen in Luxemburg im offenen Vollzug in Givenich untergebracht seien. Was hierzulande noch fehle sei ein sogenanntes „Centre de détention préventive“, dessen Umsetzung im Jahr 2018 geplant ist. Gleichzeitig wolle man aber auch verhindern, dass die Menschen in ein Gefängnis gehen müssen. In diesem Zusammenhang betonte der Minister, dass man verstärkt elektronische Fesseln einführen wolle, die derzeit nur minimal genutzt würden. Das diesbezügliche Pilotprojekt werde in einigen Monaten abgeschlossen, hieß es. „Ich möchte die Zahl der Fußfesseln verdoppeln oder gar verdreifachen“, gab François Biltgen zu verstehen. Dies führe zudem zu einer Entlastung der Gefängnisse.

Weiter erklärte der Minister, dass die Sicherheit nach dem Vollzug eine wichtige Rolle spiele, vor allem dadurch, dass das Risiko, erneut in die Kriminalität zu geraten, hoch sei. Aus diesem Grund seien gerade die Maßnahmen, die in Givenich umgesetzt werden, von großer Bedeutung. Allerdings wolle man noch ein gesamtes Konzept verwirklichen, gab Biltgen abschließend zu verstehen.

Der französische Staatssekretär Jean-Marie Bockel ging in seiner Ansprache auf die Sorgen der Politiker aber auch die Sorgen um die Sicherheit der Bürger in Bezug auf den Bau eines Gefängnisses ein. Gleichzeitig betonte er, dass mit dem Weg in ein Gefängnis gleichzeitig der Weg in die Freiheit vorbereitet werden müsse. Dabei seien jedem Möglichkeiten gegeben, um nicht wieder zurückzukehren. Aber: „Es ist wichtig, dass wir alternative Möglichkeiten zum Gefängnis entwickeln, wie den offenen Vollzug in Givenich mit u.a. der persönlichen Betreuung und der Vorbereitung auf ein Leben ohne Kriminalität“, so Bockel. In Frankreich habe man in diesem Bereich Nachholbedarf. Deshalb wolle man sich nun informieren, um dieses System anzupassen und zu verwirklichen.(VON NADINE SCHARTZ - FOTOS: ANOUK ANTONY)