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Gedenkfeier für die deportierten Juden

Jedes Jahr wird am ersten Sonntag im Juli in einer Gedenkfeier in Fünfbrunnen an die deportierten 300 Juden gedacht, die während der Kriegsjahre 1941 bis 1943 im Kloster von Fünfbrunnen von den Nazis festgehalten wurden. Ihr Ziel war es, hier eine Sammelstelle für verhaftete Juden in der Abgeschiedenheit des Klosters einzurichten, um sie anschließend in den berüchtigten Viehwaggons unter menschenunwürdigen Umständen in die Konzentrationslager in Osteuropa zu verschleppen. Für viele von ihnen sollte es der letzte Weg sein, doch sie sind bis heute nicht vergessen.

Manch einer der versammelten Besucher dürfte sich an diesem Sonntagmorgen wohl die Frage gestellt haben, ob die Natur damals auch so friedlich gewesen sei, als das Schicksal so grausam zugeschlagen hat. Mit einer Blumenniederlegung begann die ergreifende Zeremonie am Denkmal, das mit den Fahnen der Patriotenvereinigungen flankiert war, während Clairon Edmond Faber die einfühlsame Melodie von „Amazing grace“ und der „Sonnerie aux Morts“ erklingen ließ. Nach einem Psalm, vorgetragen von Michel Heymann, „Ministre Officiant“, betete Pater Friedo Lenz für alle Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Junge Schüler der „Fräi-Oeffentlech Waldorfschoul Lëtzebuerg“, begleitet von Professor Michael Schulz, präsentierten ihrerseits einen nachdenklichen Prolog mit Zitaten aus Tagebüchern von deportierten Menschen. Großrabbiner Joseph Sayagh erinnerte an das Schicksal der deportierten Juden, die schlimmer als Vieh abtransportiert worden seien. Für die Mehrzahl davon sei es eine Reise ohne Wiederkehr gewesen. Man dürfe die schrecklichen Ereignisse von damals nie vergessen, damit ein derartiger Völkermord nie mehr vorkommen möge.

„Niemals dürfen wir die Opfer vergessen“

Nach dem Totengebet wies Mady Moyse-Jacob, Präsidentin des „Comité Auschwitz“, auf die Wichtigkeit hin, die Erinnerung an diese Zeit nicht zu verdrängen, sondern auch 70 Jahre danach in unserem Gedächtnis aufrecht zu halten. Niemals dürften wir die Opfer vergessen. Eine Schweigeminute an die ermordeten Opfer wurde eingelegt, während Edmond Faber das „Shalom“ vortrug und mit der „Heemecht“ wurde die Zeremonie am Denkmal beendet.

Anschließend lud die Gemeindeverwaltung Wintger in das „Home Léon Dehon“ zum Empfang ein. Bürgermeister Marcel Thommes hob dort die massive Präsenz an dieser Gedenkfeier hervor. Jeder könne nachfühlen, was auf diesem heute so friedlichen Gelände in Fünfbrunnen geschehen sei. Niemals dürften diese schrecklichen Ereignisse vergessen werden, jedenfalls werde man sich auch weiterhin am ersten Sonntag im Juli zu dieser Gedenkfeier in Fünfbrunnen versammeln. Er hob auch die Anwesenheit von Johny Schmidt hervor, der dem Tod in dieser dunklen Zeit entrinnen konnte und er als Dankbarkeit rund 2 700 Mal als „Clairon d’Honneur de la résistance“ von 1947 bis zum Jahr 2002 bei den Gedenkfeiern, besonders der US-Befreier, zugegen war, bis sein Nachfolger Edmond Faber diese Mission übernahm.

Abschließend überreichte Marc Schoentgen im Namen des „Comité Auschwitz“ als Dank an die Gemeinde Wintger den Kindern des vierten Zyklus der Regionalschule von Wintger ein Buch, das sie an den Sinn dieser Gedenkfeier erinnern soll.(MiNi)