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2. Adventsonntag: Erbauender Gottesdienst am Fernsehschirm

Sonntag, 10. Dezember 2017: 2. Advent. Zum Besuch der Messe in Erpeldingen um 9 Uhr reicht es nicht mehr. Deshalb wird beim Frühstück in der Küche der Fernseher eingeschaltet. Um 9:25 Uhr wird sonntags im ZDF abwechselnd ein katholischer bzw. evangelischer Gottesdienst übertragen. Das ist Balsam für die Seele und spendet Kraft für die kommende Woche. Für viele Menschen, ob gläubig oder nicht, ist besonders der Kommentar des Pastors oder Priesters eine Quelle von Zuversicht und optimistischer Gemütslage angesichts der eventuell anstehenden Ängste, Prüfungen und Zweifel. Im Dezember sind die Tage bekanntlich kurz, der Tag rückt gnadenlos nahe an die Nacht heran und die Dunkelheit erscheint endlos lang. Ein Trost: heute brennt die zweite Kerze auf dem Adventskranz. In den Ortschaften und vor den Häusern brennen Tausende von Lichtern, welche etwas Licht ins Dunkel bringen sollen. Ein schwacher Trost für alte, alleinstehende, mittellose, wohnungslose, heimatlose Menschen am Rande unserer Wohlstandsgesellschaft. Körperliche Behinderung oder altersbedingte Gebrechlichkeit schließen einen aufwärmenden Besuch auf einem Weihnachtsmarkt aus - statt geselligem Zusammensein mit gutgelaunten Mitmenschen und wohligen Aufwärmens durch einen Glühwein nur Depression und Verbitterung. Auch der angekündigte massive Schneefall (Luftdruck auf dem Barometer: 967 hPa) und die weiße Pracht draußen vermögen keine echte Freude aufkommen zu lassen. Erinnerungen an früher treiben Wehmutstränen in die Augen und auf die faltendurchfurchten Wangen.

Die nächste halbe Stunde auf dem Bildschirm wird zum Lichtbrunnen. Heute wird ein evangelischer Gottesdienst aus Göteborg übertragen, von dem ich Fotos gemacht habe: In dieser schwedischen Großstadt wohnen viele Deutsche. Man trifft sich in einem evangelischen Gotteshaus. Diese Kirche ist der heiligen Lucia geweiht, welche um 286 in Syrakus (heute Siracusa) auf Sizilien als Tochter eines reichen Kaufmannes auf die Welt kam. Auf Grund eines Gelübdes widmete Lucia ihr ganzes Vermögen den Armen. Sie wird als Märtyrerin verehrt und gehört wie Barbara und Odilia zu den Lichtheiligen im Advent. In Schweden feiert man jeden Winter das Lucia-Fest. Die weiß gekleideten Mädchen tragen auf dem Kopf einen Kerzenkranz. Ausgehend von der Bedeutung des Namens Lucia (die Leuchtende) bringt der Kerzenkranz Licht in die dunkle Winterzeit. In Göteborg dauert der Tag um diese Zeit gerademal 6 Stunden. Es ist dunkel, wenn die Kinder morgens zur Schule gehen und bereis wieder dunkel, wenn sie nach dem Unterricht nach Hause gehen.

Im Gottesdienst ermuntert der Pastor alle Anwesenden sowie die Mitfeiernden am Bildschirm, sich von diesem Licht anstecken zu lassen und sich auf das Weihnachtsfest zu freuen. Alle Mitwirkenden tragen ihr Teil hierzu auf überzeugende Weise bei. Hoffnung und Vorfreude machen sich breit. Es ist sicher: Ab Weihnachten werden die Tage auch wieder länger und die Nächte kürzer.