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Selbstbehauptung und Eigensicherung für Senioren

Aktiv für die eigene Sicherheit ab 50

Unser Leben ist schnellebig geworden. Im Zeitalter von Internet und Co. gewinnt man öfters den Eindruck als würde das Leben vorbeirauschen. Die Jugend starrt ständig aufs Handy, trägt überall Kopfhörer und überhaupt sind die Menschen heutzutage ausschlieβlich mit sich selbst beschäftigt.

Auch in den Medien, hört, sieht und liest man nahezu tagtäglich über Einbrüche, Diebstähle und Gewalttaten. Hinzu kommen in immer kürzeren Abständen die Schreckensmeldungen über terroristische Anschläge.

Fühlt man sich da noch sicher? Insbesondere als ältere Generation? „Kann ich mir selbst helfen? Könnte ich auch Hilfe leisten? Bin ich ausreichend informiert? Wie würde ich in gewissen Situationen reagieren? Traue ich mir selbst überhaupt etwas zu?“

Immer wieder wurde ich in meiner Eigenschaft als Präventionspolizist von älteren Menschen darauf hingewiesen, dass in gewissen Lebensbereichen eine Unsicherheit, eine Art „ungutes Gefühl“ vorherrscht. Dabei fielen auch öfters mal Sätze wie: „man traut sich ja gar nicht mehr auf die Strasse“.

Als Senior „gilt“ heutzutage jeder ab Erreichen des fünfzigsten Lebensjahres. D.h. aber noch längst nicht, dass man dann zum alten Eisen gehört. Im Gegenteil, Senioren wollen „up to date“ sein. Sie wollen dazugehören und mitreden können.

Genau hier setzt die Idee des 2017 in der Nordstad eingeführten Kursus „Selbstbehauptung und Eigensicherung für Senioren“ an. Die Idee an sich entstand genau am 20. Juli 2016 bei einem Meeting mit Barbara Wiesen, der Leiterin des Club Senior Nordstad in Ettelbrück.

Seit längerem bestand die Idee ein neues, gemeinsames Sicherheitskonzept für Senioren als praktische Aktivität ins Leben zu rufen. Zurückbehalten wurde die Grundidee eines Selbstbehauptungs- und Eigensicherungsseminars exklusiv für die Generation 50-Plus.

Ein solcher Kursus sollte wöchentlich über einen Zeitraum von 10 bis 12 Wochen stattfinden und sowohl theoretisch aber auch vor allem praktisch aufgebaut sein.

Während der folgenden Planungsphase wurden u.a. diverse Partner wie der „Self-Defense Club der Polizei“, die „Amicale Seniore-Sécherheetsberoder asbl“ und die „Silver-Surfers“ von Bee Secure an Bord geholt.

Am 26. Januar 2017 fiel der Startschuss für dieses neue Senioren-Sicherheitsprojekt in den Räumlichkeiten der regionalen Polizeidirektion in Diekirch.

17 angemeldete Teilnehmer, im Alter von 52 bis 82 Jahren, erhielten nun in insgesamt 12 Seminaren theoretische und praktische Kurse.

Während die theoretischen Kurse wichtige Informationen über Themen wie Gewalt im Allgemeinen, Trickdiebstähle, Betrugsfälle, Notwehr und Einbruchschutz liefern, so wird in den praktischen Kursen versucht das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen: „Wie könnte man eine Gewaltsituation in der Realität erleben? Wie würde man intuitiv reagieren? Welche Rolle spielt Stress dabei?“.

Indem auch immer ältere Menschen nicht am neueren Medium Internet vorbeikommen halten die „Silver Surfers“ des Bee Secure hierfür ein Seminar über sicheres Surfen im Internet. Wer erst später im Leben mit Internet zu tun, muss schnell erlernen, dass das Internet, rechtlich gesehen ein „öffentlicher Platz“ ist wo viele Gefahren und unehrliche Gestalten laueren.

Ein Teil der theoretischen Seminare werden zudem von sogenannten „Seniorensicherheitsberatern“ abgehalten. Hierbei handelt es sich um Senioren die sich dazu eigens von der Polizei haben ausbilden lassen. Einerseits können sich engagierte Menschen etwas für ihre Mitbürger tun wobei andererseits auch der Gedanke „Senioren für Senioren“ mitspielt.

Kernstück des Projektes sind die praktischen Seminare, welche in einem hierfür besonders eingerichteten „Dojo“ (Judo-Raum) auf der Polizeidirektion in Diekirch abgehalten werden. Schlieβlich geht es vornehmlich darum, sich selbst in Gefahrensituationen zu beweisen.

Hier wird den Teilnehmern viel Wissenswertes über Selbstdarstellung im öffentlichen Raum und Selbstwertgefühl vermittelt. Fakt ist, wer in der Öffentlichkeit als schwach, lustlos und unselbstbewusst angesehen wird, rückt bei Straftätern eher in den Fokus.

Gewisse prekäre (Gewalt-) Szenen werden in Rollenspielen „durchgespielt“ um die Verhaltensmuster herauszuarbeiten welche in solchen Situationen vorzugsweise anzuwenden sind. Es geht dabei viel um vorausschauendes Denken, dem Eckpfeiler der Präventionsarbeit an sich.

Ältere Menschen gelten eher als gutgläubig, da Attribute wie Ehrlichkeit und Vertrauen damals in ihrer Erziehung einen wesentlich gröβeren Stellenwert hatten als heutzutage. Aus diesem Grunde sind es auch in der Regel ältere Menschen, die Opfer von Betrugsmaschen wie „Trickdiebstahl“, „Enkeltrick“ und „dubiose Lotteriegewinne“ werden.

Für den Bereich Abwehr körperlicher Gewalt wurde eigens der Self-Defense-Club der Polizei engagiert. Aus den Teilnehmern werden keine Kampfsportler gemacht, sondern sie erlernen eher das System „kleine Griffe, groβe Wirkung“. Stärke, Körpergröβe und natürlich auch das Alter spielen dabei keine wesentliche Rolle .

Sämtliche Abwehrtechniken, werden stets unter der Voraussetzung einer bestehenden Notwehrsituation vermittelt. Notwehr und unterlassene Hilfeleistung werden daher eingehend erörtert, indem viele Bürger oft unsicher sind, wo genau sich die gesetzlichen Grenzen befinden. So sind in dem Zusammenhang auf der einen Seite auch legale Hilfsmittel zur Selbstverteidigung ein Thema auf der anderen Seite aber auch verbotene Waffen wie z.B. Pfefferspray.

Das Gesamtpaket „Selbstbehauptung und Eigensicherung für Senioren“ soll den Teilnehmern viel Wissenswertes zu ihrem eigenen Schutz vermitteln. Als Aktivität soll das Projekt den Teilnehmern aber auch Spass bereiten und vor allem Gewissheit geben, sich etwas Nützliches anzueignen.

Selbstverständlich werden körperliche Einschränkungen bei den praktischen Seminaren berücksichtigt und stellen explizit keinen Grund dar nicht am Projekt teilzunehmen. Jeder ist willkommen!

Am 28. September 2017 erhielten nun die 17 Absolventen der ersten Ausgabe von „Selbstbehauptung und Eigensicherung für Senioren“ ihr Diplom.

Der nächste Kursus startet am Dienstag, dem 16. Januar 2018 auf der Polizeidirektion in Diekirch (8, Rue Alexis Heck) und endet am 27. März 2018. Für dieses Seminar gilt die Anmeldefrist bis zum 05. Januar 2018.

Die Ausschreibung und Anmeldung des Projektes geschieht fortwährend per telefonischer Anmeldung beim Club Senior Nordstad in Ettelbrück (Tél.: 26 81 37 43).

Beworben wird dieses Projekt über die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift des Club Senior Nordstad „Vital an aktiv 50 plus“ die man gratis abonnieren kann. Das Angebot für dieses neue Sicherheitsprojekt richtet sich an jeden über 50 Jahre auch wenn man nicht Mitglied im Club Senior Nordstad ist.

Bei anhaltendem Zuspruch planen die Polizeiliche Präventionsstelle Diekirch und der Club Senior Nordstad das Projekt jährlich je ein Mal zur Winter- und Herbstzeit anzubieten.

Die Teilnahme ist gratis.

Claude KIRSCH / Commissaire en Chef

Service de Prévention Diekirch