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Und im Jahr 2019 führen wir Luxemburger eine große Oper auf! Vielleicht Nabucco?

Vor vielen Monaten sah ich im französischen Fernsehen, zur späten Nacht, eine Aufführung der Verdi Oper Nabucco. Eine Aufzeichnung aus der Oper in Rom. Ach, das war glanzvoll. Und ich war so glücklich, den Chören zuzuhören. Da stimmte wirklich alles. Kurz bevor die beachtliche Sängerschar den so bekannten Gefangenenchor "Va' Pensiero" anstimmte, drehte sich der Maestro (Dirigent) zum Publikum, um zu sagen, dass diese Aufführung wohl vorläufig die letzte in Rom ist. Da sei Geld für alles vorhanden, nur nicht für die Kultur. Und schuf so eine Atmosphäre für ein noch grösseres Verständnis für ein Musikstück, das sich "Gefangenenchor" nennt. Und da ertönte auch schon das Lied und spontan standen alle Gäste im Opernhaus in Rom auf, um mit Tränen in den Augen kräftig mitzusingen. Es hörte sich an, wie wenn sie alle an der Generalprobe teilnahmen. Für mich war es in diesem Augenblick klar, dass sie sich bewusst waren, dass sie Gefangene eines unbarmherzigen Strebens einer neo-liberalen Wirtschaft sind, für die nur der Profit und nicht die Kultur zählt!


Dennoch nahm ich mir mitten in der Nacht fest vor, in Luxemburg alles Mögliche zu unternehmen, damit in unserem Land eine grössere Opernaufführung möglich wird. Warum nicht Nabucco? Denn hier ist so viel Raum und Platz für die Chöre. Und diese sind so grandios herrlich verfasst!


Ich wollte auch später diese Idee nicht aufgeben. Wir Luxemburger stehen ja im Ruf, meist großartige Ideen zu haben. Doch kaum haben wir davon gesprochen, sehen wir schon schier unüberwindbare Schwierigkeiten, um die Pläne zu verwirklichen. Und wenn dennoch alles klappt, dann steht einer in der hintersten Reihe auf und sagt ganz laut "Wer soll das bezahlen?". Ja, so etwas kostet Geld, und ist nicht allein durch den Verkauf von Eintrittskarten zu finanzieren. Doch wie sagte mir der ehemalige inzwischen verstorbene deutsche Bundespräsident Walter Scheel, im Jahr 1983 Präsident des Organisationsstabes für das europäische Jahr der Musik: In Luxemburg liegt unermesslich viel Geld, ihr müsst nur dafür sorgen, dass ein Teil davon in die richtigen Kanäle fliesst, damit die Kultur in Luxemburg noch weit besser als je zuvor gefördert werden kann.


Recht hatte dieser hochanständige liberale Politiker mit einem Herz für das Schöne im Leben!


Eine derartige Aufführung in Luxemburg, mit vorwiegend einheimischen Künstlern, ist natürlich für uns eine ganz große Herausforderung. Aber wir können das ohne weiteres schaffen. Nicht morgen, nicht übermorgen, vielmehr im Jahr 2019!


Fangen wir beim Orchester an: Ein bessers Ensemble wie das Philharmonische Orchester von Luxemburg kann ich mir nicht vorstellen.


Und die Sänger haben wir auch. Für mich ist es nämlich eine Schande, dass wir en masse Sänger sehr gut ausbilden. Und wenn es darum geht, diese in einer Oper auftreten zu lassen, dann geht das nicht. Wie pflegt man bei uns zu sagen: Die sollen doch ins Ausland gehen, da werden stets gute Kräfte gesucht! Doch Hand aufs Herz: Die Konkurrenz im Ausland schläft nicht und die Möglichkeit für einen Luxemburger, ein Engagement auf einer Opernbühne zu haben, ist eher gering. Abgesehen davon kenne ich viele best ausgebildete Sänger, die in Luxemburg wohnen, mit ihrer Familie und insbesondere mit ihren Kindern. Da wird es doch recht problematisch die Lieben zu Hause für längere Zeit zu verlassen, nur um im Ausland auftreten zu dürfen. So bleiben sie lieber in Luxemburg, versauern und sind auch verständlicherweise sehr unzufrieden, obwohl sie einer besonderen generösen Förderung würdig wären.


Natürlich sind wir bei der Realisation eines solchen Mammut Projektes dankbar angewiesen an Sänger, die im Ausland meist sehr erfolgreich tätig sind. Und es wäre auch nicht verboten, zusätzlich namhafte Sänger zu engagieren.


Aber wo die Chöre hernehmen? Da gehe ich eine Wette ein, dass wir sie finden werden, die Chorsänger, ja viele Chorsänger, die bereit sind, über viele Monate so hart im Chor zu arbeiten, dass danach diie Aufführungen vor Publikum umso glanzvoller werden.


Tänzer haben wir auch, und ich sehe bereits vor mir eine Luxemburger Choreografin, die meines Erachtens durchaus befähigt ist, für eine grössere Produktion die Verantwortung zu übernehmen. Ich habe mir in letzter Zeit Tanzproduktionen im ZDF und auf Arte bewusst angesehen, und es war sehr beeindruckend zu sehen, wieviele gute Kräfte wir in Luxemburg und aus Luxemburg haben!


Jetzt sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange. Ja, es fehlt noch viel mehr dazu, damit eine Opernaufführung ein großer Erfolg wird. Das beginnt mit der Wahl eines geeigneten Raumes und endigt mit performanten Personen für die Öffentlichkeitsarbeit.


Da muß ein Generalintendant her, mit fähigen Assistenten, Regisseure, ein Generalmusikmeister, ein Chorrepetitor, Maskenbildner, Verantwortliche für die Kleider (die man problemlos mieten kann), Bühnenpersonal, und...und!


Das Publikum für eine derartige Opernaufführung haben wir in Luxemburg und in den Grenzeregionen. Und es darf in keinem Fall sein, dass die betreffenden Vorstellungen ausschliesslich für Luxemburgs Schickeria sind. Nein, da gehört das einfache Fussvolk schon hinzu. Und insbesondere auch die Jugend. Ja, ganz massiv.


Ein wirklicher Höhepunkt im kulturellen Leben eines Landes. Der insbesondere dienen sollte, allen Bevölkerungsschichten vermehrten Geschmack am Mitmachen in den Luxemburger Chören zu geben! Und darüber hinaus die frohe Botschaft ins Volk tragen soll: Im Kulturleben dabei sein ist gut, aber ein aktives Mitmachen ist für ein erfülltes Leben noch weit besser!


Nun aber an die Arbeit!