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Nachtrag zum „Welttag des Chorgesangs“ vom 10. Dezember 2017

Chor-Sterben und Gesangs-Boom


Zum Wortartikel „Welttag des Chorgesangs“ vom 9. Dezember 2017 „Gemeinsames Singen begeistert“ Jährlich, am zweiten Sonntag im Dezember, wird weltweit der Tag des Chorgesangs gefeiert. Jedoch ist dieser Welttag in Luxemburg recht wenig bekannt und in vielen Gesangvereinen trifft man betreffend dieses Datums hierzulande auf Ratlosigkeit. So auch – laut Wortartikel – beim „Institut Européen de Chant Choral“ (INECC), dessen Direktor Arend Herold zugibt : „Wir waren erstaunt, zu erfahren, dass es diesen Tag gibt. Die Initiative ist toll, die Chormusik zu feiern“ ! , sagt Arend Herold, Direktor des „Institut Européen de Chant Choral“ (INECC). In der vor einigen Tagen erschienenen „Revue Musicale“, das Organ der UGDA sowie beim Piusverband – also den Dachverbänden des Luxmburger Chorwesens – war nichts über diesen seit 27 Jahren bestehenden Welttag in Erfahrung zu bringen.


Kinderchöre sind beliebt – das versteht sich einigermassen - , für Jugendliche scheint das Chorsingen jedoch weithin – mit wenigen Ausnahmen – unattraktiv ! Ab einem gewissen Alter finden Jugendliche es nicht mehr 'cool' in einem Chor mitzusingen und steigen deshalb aus. Hauptursache ist mangelndes Interesse am traditionnellen Chorgesang und der Trend zu aktueller Musik, wie Hip-Hop, Pop … Um mit der Zeit zu gehen und die Jugend zum Chorsingen zu motivieren, müssen moderne Projekte in die Wege geleitet werden, ohne dabei das klassische Modell des Chorgesangs komplett wegzulassen.


Ein Chorrepertoire jedoch zu schnell auf jugendliche Trends umzustellen, erfolgt leider nicht von heute au morgen und muss als Langzeitaufgabe betrachtet werden. Alle Beteiligten im Chorwesen, Dirigenten sowie Sängerinnen und Sänger jeden Alters müssen sich Bewusst sein, dass alle „Sänger-Generationen“ am neuen „Gesang-Mix“ zusammenarbeiten müssen zum beidseitigen Angewöhnen.


Nachwuchsmangel bei gewachsenen Chören, Gesangvereine, die ums Weiterbestehen bangen oder gar schon beschlossen haben, den Verein ruhen zu lassen. Ist der Chorgesang am Ende ? „Wir haben alles probiert,“ berichten Verantwortliche von Gesangsvereinen. Zum einen steht das fehlende Interesse, sich gewachsenen Strukturen anzuschließen. Stetig verändert hat sich das Freizeitverhalten und wesentlich größer sind die Freizeitmöglichkeiten für die Jugendlichen.


Die Chorsituation ist ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft, die eher Highlights für einen Augenblick sucht. Konsumieren und zum nächsten übergehen. Das sehe ich insofern positiv, dass trotz aller Unkenrufe noch nie so viel gesungen wurde wie bisher – aber nun einmal nicht in den Strukturen, die es früher gab und die so fassbar sind. Es entstehen viel eher flexiblere Chöre; projektweise arbeitende Ensembles, die sich manchmal nur für ein paar Konzerte zusammentun.


“Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance (Yehudi Menuhin). Leider fehlt im Vor- und Grundschulunterricht heutzutage Musikunterricht, um der Musik und den Kindern diese Chance zu geben. Dabei wissen Kinder es einfach schon immer: Singen hat mit Zaubern zu tun. Singen beschwingt, macht ausgeglichen und friedfertig, ja singen macht gesund und klug ! Musik hat eine eigene Sprache und ermöglicht den Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, miteinander zu kommunizieren. Nicht umsonst gibt es in der Geschichte kein Volk ohne Musik. Sie ist Teil einer jeden Kultur.


Die Beschäftigung mit Musik entwickelt das Gehirn umfassender, fördert das Abstraktionsvermögen und die Fähigkeiten analytisch zu denken. Somit wirkt Musik sich positiv auf die sprachliche Entwicklung, die Lesefähigkeit und das Erfassen von Texten aus. Singerfahrungen in Kindheit und Jugend prägen durch lustvollen, kreativen Umgang mit der Stimme fürs Leben. Sie bilden die entscheidende Basis für ein Mitwirken im Chor.