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Peter-Ernst von Mansfeld erweitert seine Basis an Unterstützern - Gründung der „Amis du Château de Mansfeld“

Vor kurzem fand im Cercle Münster die Gründungsversammlung der „Association des Amis du Château de Mansfeld“ statt.

Die Vereinigung, dessen Vorsitz der Historiker und Konservator im Ruhestand des Musée national d´histoire et d´art Jean-Luc Mousset führt, setzt ihr Hauptaugenmerk auf die Erforschung und den Erhalt des ehemaligen Renaissance-Schlosses La Fontaine in Luxemburg-Clausen und der historischen Aufarbeitung des Lebens seines Erbauers Peter-Ernst I. Graf von Mansfeld-Vorderort (1517-1604).

Sich der Memoria dieser herausragenden Gestalt der luxemburgischen Geschichte annehmend, versucht die AACM, in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Luxemburg, als Besitzer des Areals, und des Kulturministeriums, durch Projekte wie der teilweisen Wiederherstellung der Gartenanlage des Schlosses und die Erhaltung der archäologischen Stätte (Neptunbrunnen, Grotte und Kryptopotikus) durch die Errichtung eines definitiven Schutzbaus, etc. dem Thema Mansfeld neuen Glanz zu verleihen. Die Stadt Luxemburg ist sich diesem außergewöhnlichen Erbe deutlich bewusst.

Auf diese Weise sollen in Zukunft die Besucher aktiv einen Teil des Schlosses erforschen, sich an der Gartenanlage erfreuen und die Überreste manieristischer Baukunst bewundern können. Historisch untermauert werden soll dieser Rundgang durch die Vergangenheit anhand von Informationstafeln, welche sowohl auf die Baugeschichte des Schlosses, als auch auf dessen Bauherren und noch vieles Weiteres eingehen. Im Rahmen des 500-jährigen Jubiläums Peter-Ernst von Mansfeld sieht der Verein eine 3D-Rekonstruktion des Schlosses vor. Dem jeweiligen Forschungsstand Rechnung tragend kann das Modell zu jedwedem Zeitpunkt entsprechend ausgebessert und angepasst werden.

La Fontaine und dessen Entwicklung

Sich an italienischen und niederländischen Vorbildern der Renaissance und des Manierismus inspirierend, schuf Peter Ernst von Mansfeld – Gouverneur von Luxemburg (1545-1604)- in einer ca. 40 jährigen Entstehungsphase (1563-1604), bestehend aus drei Bauperioden, ein architektonisches Meisterwerk, welches ein Ensemble aus Schloss- und Gartenanlage miteinander verband. Ganz im Sinne der Renaissance stand vor allem die Antike im Vordergrund seines Schaffens, das sich unter anderem an den römischen Inschriften des Neptunbrunnens und in der Grotte ablesen lässt. Das Zusammenspiel aus Natur und Architektur, das in La Fontaine angestrebt wurde trug zur Schaffung einer einzigartigen Kulisse bei, welche insbesondere von der Stadt aus ihre volle Pracht entfalten konnte. Da der Verlauf der Alzette den weiteren Ausbau La Fontaines zusehends behinderte, ließ Mansfeld den Fluss kurzerhand kanalisieren um auf diese Weise das Areal zu erweitern. Dies ermöglichte es Mansfeld zwei größere streng geometrisch angeordnete Terrassengärten anzulegen, welche unter anderem die beiden imposanten Brunnenanlagen, den Petrus- und den Venusbrunnen, sowie einen Fischteich und einen Blumengarten enthielten. Jedoch auch der Bau der Residenz bot dem Betrachter ein imposantes Schauspiel manieristischer Kunst. So stach besonders die Prunkfassade des Schlosses hervor, welche mit gewaltigen Skulpturen antiker Gottheiten gesäumt Platz für Fresken und eine Sonnenuhr bot. Besonders imposant mögen die vergoldeten Bronzestatuen des Mars, der Pallas-Athene und eines Pelikan erschienen haben, die sich auf der Spitze der Türme befanden, welche das Lustschloss einrahmten. Gleichermaßen beeindruckend wirkten wohl auch den zur alten Residenz gehörenden Neptunbecken und die Grotte, welche noch heute erhalten den Besucher in Staunen versetzen. Beide Bauten grenzten an den Oberen Terrassengarten mit dem Petrusbrunnen und über einen Kryptoportikus mit dem neuen Bau des Lustschlosses verbunden war. Letzterer umfasste neben dem Wohnturm, in welchem Mansfeld residierte, eine nach niederländischem Vorbild geschaffene Gemäldegalerie, die mit zahlreichen Schlachten- und Porträtbildern geschmückt ein politisches Programm vertrat, das sowohl die Habsburger Dynastie als auch die eigene Familie glorifizierte. Abgerundet wurde das Areal noch durch einen Wildpark, welches der Graf als privates Jagdgebiet nutzte.

Das Schicksal des Schlossgeländes

Peter-Ernst von Mansfeld sollte die Vollendung seines Meisterwerks nicht mehr miterleben. 1604 verstarb der hochverschuldete Graf in Luxemburg. Auch seine Hoffnung die spanische Krone würde mit dem Erhalt des Renaissanceschlosses die Memoria an ihn aufrechterhalten blieb unerfüllt. Die Kunstwerke aus La Fontaine wurden nach Madrid überführt und in den Schlössern Alcazar und Pardo ausgestellt. La Fontaine wurde dem Verfall preisgegeben. Geschleift und durch Kriege stark in Mitleidenschaft gezogen, geriet das Schloss zusehends in Vergessenheit. Erst im Jahre 2003 fanden auf dem Gelände La Fontaines erste Ausgrabungen des Musée National d´Histoire et d´Art (MNHA) statt. Grund hierfür bildete die Planung einer Zentralschule auf dem ehemaligen Schlossareal durch die Stadt Luxemburg. Die zu diesem Zeitpunkt bestandenen Kenntnisse, beruhten vor allem auf zeitgenössischen Schrift- und Bildquellen wie der Schlossbeschreibung Jean-Guillaume Wiltheims. Die Ausgrabungen (2003-2007) vermochten jedoch die Aussagen der Quellen zu ergänzen. So blieben über die Jahrhunderte erhebliche Bausubstanzen des Schlosses erhalten. Neben den noch heute gut sichtbaren Kreuzstockfenstern der Galerie konnten sowohl die beiden Brunnenanlagen des Oberen Terrassengartens (Petrus- und Venusbrunnen) als auch die Gartengrotte und der Hypaethrum Neptuni (Neptunbrunnen) freigelegt und untersucht werden. Nach der Beendigung der Ausgrabungen 2007 wurde die archäologische Stätte von einem provisorischen Schutzbau umgeben und weitestgehend sich selbst überlassen. Die Ergebnisse und Funde wurde in der Ausstellung „Pierre-Ernest de Mansfeld (1517-1604) un prince de la Renaissance“ verarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt. In den Folgejahren verwilderte das Terrain wieder, wobei Projekte wie der Bau von Sozialwohnungen versandeten. Auch eine parlamentarische Frage des LSAP-Abgeordneten Ben Fayot an Kulturministerin Octavie Modert über das Schicksal des Schlosses blieben ungehört. Dass La Fontaine nicht wiederum in die Vergessenheit gerät ist den Bemühungen einer kleinen Gruppe von Liebhabern um Jean-Luc Mousset, Matthias Paulke und Benoît Reiter zu verdanken. Mousset und Paulke waren mit der Ausgrabung des Geländes (2003-2007) betraut gewesen. Fast ein Jahrzehnt nach Beendigung der Grabungen wurde der sogenannte Dreizonenplan aus den Schubladen herausgeholt, welche die Schrittweise Aufarbeitung La Fontaines vorsah. Monumentenschutz, öffentlicher Park und Wohnungsbau bilden die Devise des Plans. So wurde die Parkanlage bereits durch den service des parcs der Stadt vom Wildwuchs und Müll befreit. Gleiches gilt für das Fischer-Haus, das auf und in den Wohnturm des Schlosses Ende des 18. Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Es wurde ebenfalls gesäubert und abgesichert. Eine bauhistorische Analyse der Wohnhäuser, welche in die Bildergalerie La Fontaines hineingebaut wurden, und eine kleine Ausgrabung im Schlossgarten sollen in Kürze durchgeführt werden. Auf diese Weise werden sich neue Kenntnisse über den Terrassengarten und den Aufbau und den Erhaltungsgrad der historischen Bausubstanz La Fontaines erhofft.

Der Vorstand der amis du Château de Mansfeld

La Fontaine und dessen Erbauer haben somit noch nicht alle seine Geheimnisse von sich preisgegeben. Das vergessene Traumschloss zählt zu den Trou de Mémoire der luxemburgischen Geschichte. Die AACM versucht insofern das Andenken an diesen Prinzen der Renaissance zu wahren und dessen Erbe zu erhalten. Der Vorstand des Vereins setzt sich dementsprechend folgendermaßen zusammen: Jean-Luc Mousset (Präsident), Benoît Reiter (Sekretär), Matthias Paulke (Kassenwart). Gründungsmitglieder sind außerdem Robert Becker, Guy Berg, Jérôme Courtoy, Antoinette Probst, Marc Schoellen und Fons Theis.

Auswahlbibliographie

Glesius, Angelika/ Paulke, Matthias, Die archäologische Ausgrabung in Schloss und Garten 2003-2005, in: Mousset, Jean-Luc/ De Jonge, Krista (Hg.), un prince de la Renaissance. Pierre-Ernest de Mansfeld (1515-1604) (Essais et Cataloge, Bd. 2), Luxemburg 2007, S. 171-208.

Röder, Bernd/ Mousset, Jean-Luc, Die Baugeschichte der Schloss- und Parkanlage "La Fontaine" von Peter-Ernst von Mansfeld, in: Mousset, Jean-Luc/ De Jonge, Krista (Hg.), un prince de la Renaissance. Pierre-Ernest de Mansfeld (1515-1604) (Essais et Cataloge, Bd. 2), Luxemburg 2007, S. 219-228.

Mousset, Jean-Luc, Lustschloss und Residenz. Grundzüge eines Gesamtkunstwerks und Teil der Kunst der Alten Niederlande in Luxemburg, in: Die Warte (10.03.2016), S. 7-10.