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BERDORF – Mam Léon Conrad bei Grott vun de Bäerdrefer Zwangsrekrutéierten.

Erinnerungen und Bezugspunkte zu den Ereignissen des II. Weltkrieges werden stets ein wichtiges Kapitel in meiner Heimatforschung sein und bleiben. So war ich sehr erfreut als Leon Conrad, ein gebürtiger Bollendorfer, langjähriger Schöffe der Gemeinde Berdorf und guter Kenner der Kriegsvorkommnisse zur Besichtigung eines Ortes einlud, welcher wohl nur wenigen bekannt sein dürfte, so betonte er. So trafen sich 3 Mitglieder des Zwangsrekrutiertenvereinigung aus Echternach, Leon Conrad, Et. Kleyr und ich selbst, am Parkplatz beim Amphitheater in Berdorf. Wohin wohl Leon Conrad uns führen würde, was er uns zeigen wollte, wir konnten es nicht vorausahnen? Es war ein besinnlicher Platz in der Waldesstille welchen wir ansteuerten, von der Promenade in Richtung Berdorf abbiegend, einem kaum beachteten Holzschild mit der Aufschrift „ Zur Mutter-Gottes“ folgend, gelangten wir, über in den Felsen gehauenen Treppen absteigend, zu einer einsamen Felsnische. Es waren 4 junge Berdorfer Zwangsrekrutierten, welche das Kriegsende überlebten und als Dank für ihre Wiederkehr aus dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1948hier hier eine Grotte mit der Muttergottes eingerichtet hatten.


Hier standen wir nun beeindruckt, in einer kleinen Einbuchtung des Felsblock „Breechkaul“, am Rande einer tiefen Felsschlucht, welche jedoch durch ein Geländer abgeschirmt ist. In der Nischenmitte befindet sich eine Grotte, in welcher eine Muttergottesstatue aufgestellt wurde. Seitlich der Grotte war folgende Schrift erkennbar:

De Metti Millen - ÖMKOM AM KZ

De Niki Demuth - AM KRICH – GEFALL

De Metti Gilbertz - ÖMKOM AM KZ

De Leo Bichler - ÖMKOM AM KZ

De Carl Collé - GET NACH ERWART

De Willy Conrad - BEI TILSIT ERSCHOSS


Es sind dies die Namen, jener 6 Einwohnern aus Berdorf, welche von der deutschen Besatzung zwangsrekrutiert wurden und auf dem Schlachtfeld, fern der Heimat umkamen oder im KZ verstarben.


Über der Grotte liest man folgenden Satz:

BLEIW EN AMENT

HEI STOEN AN DENK

A LÉWT AN A STÖLLEM

GEBIED UN ONS

KAMERODEN DE NET

ME HÊM SI KOM

LIGUE ONS JONGEN


Unter der Grotte ist folgende Schrift eingeritzt:

WA MIR O GOTT

DENG WÉER NET VERSTIN GEF

ONS DENG HAND A FÉER ONS HEM


Fred Schuller, Emile Gilbertz, Auguste Collignon und Jeng Petit, welche das Glück hatten die Wirren des Krieges zu überleben, gestalteten als Dank für ihre Rückkehr und als Erinnerung für ihre unglücklichen Kameraden diese Felsnische. Heute wird die Grotte von ihren Familienangehörigen und vom SIT gepflegt.


Ein besser erkennbares Hinweisschild, um auf die Grotte aufmerksam zu machen, und ein Eintrag in die lokale Promenadenkarte wären wünschenswert.

Auch lange Jahrzehnte nach Kriegsende müssen solche Orte als Erinnerung erhalten bleiben, zum Nachdenken anregen und auf die Leiden während des Krieges von 1940 bis 1945 aufmerksam machen.


Einen besonderen Dank an Leon Conrad für seine Erklärungen und grosses Lob für seine Anregung uns diesen memorablen Ort zu zeigen.


Text und Fotos: Fred Schaaf