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RBS – Tour macht Halt im Café beim Beichtstull

Offene Diskussion unter dem Motto “Mein neues Leben – große Freiheit?!”

Mit Unterstützung des Bürgermeisters Henri Frank und der Kommission des dritten Alters der Gemeinde Manternach fand Mitte Mai im Café beim Beichtstull in Berburg ein Abend der besonderen Art statt. Rund 50 Gäste hatten sich eingefunden, um mit der Marie-Josée Frank und RBS–Direktor Simon Groß zu diskutieren. Ausgangspunkt war die Frage: “Kann ech mech mat 60 esou undoen wéi mat 30?”

Nach einer Begrüßung durch die Jeanny Janssen–Brax, Präsidentin der Kommission des dritten Alters, wurde bereits zu Beginn der Diskussion klar, dass keiner von den Anwesenden im besten Alter auf farbige Kleidung verzichten möchte. Deputierte Frank machte deutlich, dass sich durch unser verlängertes Leben auch unsere Mode verändert hat. In dem Sinn gibt es heute keine typische Kleidung mehr für DIE Alten und das sei gut so.

Im Laufe des Abends konkretisierte sich das eigentliche Thema der RBS – Tour. Wie können wir uns in der zweiten Lebenshälfte sozial vernetzen, gerade weil die Welt sich verändert ? RBS-Direktor Groß diskutierte dabei mit dem sehr interessierten Publikum die Frage, wo sich Menschen heutzutage treffen und kennenlernen können. Dabei wurde deutlich, dass es in Berburg zwar noch eine funktionierende Vereinslandschaft und eben auch einen akzeptierten Treffpunkt wie das Café beim Beichtstull gibt.

Doch einige Gäste stellten fest, dass diese Kontaktmöglichkeiten von einigen Dorfbewohnern nicht mehr so regelmäßig genutzt werden. Es zeigte sich, dass auch auf dem Dorf nur ein bestimmter Prozentsatz der Senioren sehr aktiv ist, während andere sich immer mehr zurückziehen. In diesem Zusammenhang stellte Henri Frank heraus, wie stolz er darauf sei, dass das Café beim Beichtstull von einem jüngeren Wirt wieder zu einer zentralen Begegnungsstätte gemacht wurde, in der sich jung und alt trifft. Und er forderte die Gäste auf, aktiv auf isolierte Mitbürger zuzugehen, damit niemand “verloren” geht.

Marie-Josée Frank thematisierte auch neue Wohnfomren, die dazu beitragen können, dass verschiedene Generationen miteinander in Kontakt bleiben und sich gegenseitig unterstützen. Aus heutiger Sicht wird es künftig schwieriger, dass der Staat jede soziale Hilfeleistung finanziert. Eigenleistung und gegenseitige soziale Unterstützung werden immer wichtiger. Anstatt darauf zu warten, dass neue Wohnformen staatlich initiiert werden, ist jeder Einzelne aufgefordert, sich mit seiner Wohnsituation auseinanderzusetzen.

Viele Eigenheime wurden für sehr große Familien geplant. Dadurch steht bei vielen älteren Mitmenschen häufig Wohnraum leer. Daher könnte man einerseits Wohnraum für Jüngere zu Verfügung stellen. Andererseits könnte man gemeinsam mit Gleichgesinnten frühzeitig ein eigenes Wohnprojekt entwerfen. Einzelne Gäste veranschaulichten allerdings, dass das Leben in einer Wohngemeinschaft keineswegs unproblematisch sein muss. Hier entscheidet die richtige Architektur, wie ein anwesender Architekt anhand von Beispielen aus der Schweiz erklärte. Doch anstatt zu warten, bis eine entsprechende Immobilie gebaut worden ist und man über einen eventuellen Einzug nachdenkt, lohnt es sich im Hinblick auf die eigene Zukunft früh darüber nachzudenken.

In der abschließenden Diskussionsrunde betonten einige durchaus hochbetagte Gäste, dass sie sich auf keinen Fall “alt” anziehen werden. Andere sprachen neue Ideen an, wie und wo die Gemeinde weitere Treffpunkte anlegen könnte. Doch die wichtigste Botschaft waren die gute Stimmung und vielen Anregungen der Anwesenden, die den Wert sozialer Vernetzung mehr als deutlich belegen konnte.

www.rbs-tour.lu