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Konferenzreihe: Ver-rückte Zeiten für die Alten-HILFE

Wo soll die Reise hingehen?

In Zeiten sowohl finanziell als auch personell knapp werdender Ressourcen steht die Luxemburger Altenpflege in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Dank des demografischen Wandels, sprich einer immer älter und gleichzeitig heterogener werdenden Gesellschaft, wird es wohl kaum an Klienten fehlen. Es stellt sich jedoch die Frage, wer diese in den kommenden Jahren auf welche Weise und zu welchem Preis noch adäquat betreuen kann. Aus diesem Anlass organisiert der RBS Center fir Alterfroen zusammen mit der Moutforter Mathëllef asbl eine Konferenzreihe, die sich dieser brisanten Thematik unter verschiedenen Blickwinkeln annimmt.

Den Auftakt machte am 3. Mai 2016 ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion im hauptstädtischen „Cercle Cité“. Gastredner Prof. Dominique Verté von der Université Libre in Brüssel stellte dabei die momentan europaweit diskutierte Frage: „Comment faire mieux avec moins de ressources?“ Insgesamt sei die Tendenz zu bemerken, so Verté weiter, dass sich die Gesellschaft weg von einer globalen hin zu einer individuellen Absicherung entwickele, in der der Einzelne mehr Verantwortung für sein Alter und Altern übernehmen müsse. Was aber tun mit Menschen, die aus finanziellen, krankheits- oder suchtbedingten Gründen dazu nicht in der Lage sind? Ein Problem, das sich momentan in Luxemburg vielleicht noch nicht mit voller Brisanz zeigt, aber in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, da auch hier z.B. die Anzahl an finanziell schlechter gestellten Alleinerziehenden steigt.

Die Teilnehmer der von Jean-Pol Roden (Radio 100,7) moderierten Diskussionsrunde, Familienministerin Corinne Cahen, RBS-Präsidentin Danielle Knaff, Dr. Jean-Claude Leners (Geriater Centre Pontalize), Michel Simonis (Generaldirektor Croix-Rouge), Alain Dichter (Generaldirektor Servior) sowie Professor Verté, gingen erwartungsgemäß kontrovers an die Thematik heran. Im Fokus standen dabei u.a. fehlende Alternativangebote zu stationärer und ambulanter Versorgung, die veränderten Bedürfnissen und Lebensformen gerecht werden; steigende Personalkosten und dementsprechend höhere Preise bei der professionellen Betreuung; fehlende Strukturen für alte Menschen mit Sucht- und/oder psychiatrischen Erkrankungen; das Einhalten gesetzlicher Bestimmungen z.B. bei der Beschäftigung von ausländischen Pflegekräften in Privathaushalten sowie mehr Transparenz bei der Preisgestaltung der Pflegeanbieter.

Eindeutige Antworten gab es an diesem Abend nicht, aber die Gewissheit, dass es in den nächsten Jahren von höchster Wichtigkeit sein wird, sich auf politischer, gesellschaftlicher und professioneller Ebene mit der Wahrung der Lebensqualität von älteren Pflegebedürftigen, gleich welchen sozialen oder finanziellen Status, zu beschäftigen. Das letzte nationale Programm für ältere Menschen, das anhand von Prognosen den zukünftigen Bedarf für den Altenhilfesektor ermittelte, ist schließlich immerhin schon 25 Jahre alt.

Informationen zur Abschlussveranstaltung im Auditorium der Banque de Luxembourg am 16. Juni 2016 mit Prof. Dr. Dr. Hirsch finden Sie auf www.rbs.lu.