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Nachforschungen ergeben neue Informationen zum Halifax Absturz

Auch nach 70 Jahre: Nachforschungen ergeben neue Informationen zum Halifax Absturz


Wie aus meinen Berichten über den Absturz des RAF Halifax Bombers, am 28. August 1943 nach Mitternacht bekannt, wurde der Bomber von einem deutschen Nachtjäger abgeschossen, war durch die Einschläge manövrierunfähig geworden und stürzte im Marscherwald ab. Trümmer der abstürzenden britischen Maschine waren im Umkreise der Absturzstelle und in der Flug- resp. Absturzschneise verstreut. Einer der Doppelsternmotoren fand man in einem Flurteil zwischen Rippig und dem Bahnhof von Hemstal, ein Teil der Tragfläche verlor das Flugzeug im Flurort „an der Huestert“ nahe Hemstal. Bekannt ist ebenfalls, dass von den 7 Besatzungsmitglieder, 2 Crew-Mitglieder, der Heckenschütze (Rear Gunner Sgt. John THOMAS) und der Flugmechaniker (Flight Engineer Sgt. George RIPPINGALE) im britischen Bomber von einem 20 mm Geschoss aus der Bordkanone eines deutschen Nachtjägers Messerschmitt Bf 110 G-4 während des Angriffs getötet wurden. Der Pilot (Pilot/Officer John Y. CLARKE), außer­stande aus der abstürzenden Maschine herauszuspringen, kam beim Aufschlag und der Explosion der abgestürzten „Halifax“-Bombers ums Leben, er fand den Tod bei ungeöffnetem Fallschirm in den Ästen der Bäume der Unglücksstelle und erstickte in den Flammen des brennenden Fliegers. Den vier, noch überlebten Crew-Mitgliedern: E. BREARLY, H.J. DIX, G. HIRST und H.M. ROBINSON, gelang der Absprung mit dem Fallschirm ins Ungewisse. Sie vermuteten im feindlichen Deutschland abgesprungen zu sein und die Erde im Feindesland wieder berührt zu haben. Sie landeten aber alle vier auf Luxemburger Gebiet, an vier weit auseinander liegenden Orten: E.BREARLY in der Gegend um ALTRIER/HERSBERG, H.J.DIX zwischen den Ortschaften BERBURG/BECH/HERBORN, G.HIRST in den Fluren um BEIDWEILER/RODENBURG/OLINGEN, H.M. ROBINSON nahe WORMELDINGEN. Sie hatten das Glück von echten Luxemburgern Patrioten gefunden und gerettet zu werden.

Obschon die Absturzstelle von den deutschen Besatzern weiträumig abgesperrt und bewacht wurde, sammelten die damaligen Einwohner der umliegenden Dörfer eifrig Fliegerteile am Absturzort und in der Flugschneise; fast jeder Haushalt besaß irgendein Erinnerungsteil des Fliegers, noch heute werden diese Teile von ihren Nachkommen als Erinnerung an den Bomberabsturz und an die Kriegsjahre, von denen ihre Eltern ihnen erzählten, aufbewahrt.

Aus Berichten über den Flugzeugabsturz ist ebenfalls bekannt, dass die gefallenen Angehörigen der englischen Luftwaffe: John York CLARK, John THOMAS und George RIPPINGALE auf dem englischen Soldatenfriedhof der Weltkriege von 1914-18 und 1939-45 in Rheinberg (D) begraben wurden. Die Stadt Rheinberg liegt am unteren Niederrhein, im Nord-Westen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und ist eine mittlere, kreisangehörige Stadt des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Bis zum April 2016 waren diese Informationen ein wichtiger Basisteil und die Basis zu meinen Berichten über den Absturz des RAF Halifax Bombers am 28. August 1943 im Marscherwald.

Am 2. April 2016, während eines Samstagnachmittags hatte ich das Glück, im Café Mamer „op der Schanz“, einen ehemaligen, ehrenwerten Hemstaler Mitbürger zu begegnen, welcher mir einige interessante Neuigkeiten über die Jahre nach dem Absturz mitteilte. Es war dies Rudi Petry (* 1935), der Bruder von Armand Petry. Es war Armand Petry, 1931 in Hemstal geboren und heute noch dort wohnend, welcher am 24. März 2012 mehrere, an der Geschichte des Zweiten Weltkrieges und dem Bomberabsturz interessierte Einwohner zur Absturzstelle des RAF-Fliegers führte. Dieser Besuch mit Armand Petry an der Absturzstelle war der Beginn langer, interessanter und intensiver Nachforschungen, welche zur Errichtung der heutigen Halifax Gedenkstätte in den Forsten des Marscherwaldes führten.

Wie viele Bewohner der umliegenden Ortschaften des Absturzwaldes hatte Rudi Petry eine unruhige Nacht erlebt. Obwohl er erst im Jahre 1943 8 Jahre alt geworden war, verfolgte er wie viele Einwohner seiner Heimatortschaft Hemstal spannungsgeladen, um die Mitternachtsstunde, den Absturz des brennenden RAF-Flugzeuges und er sah, wie sich das Firmament nach dem Absturz hell erleuchtete. Auch im Jahre 2016 waren diese Erinnerungen noch gegenwärtig in seinen Gedanken und so erzählte er, als wäre es erst gestern gewesen, von seinem Wissen aus den Jahren nach der Absturznacht.

Rudi Petry war in den Jahren nach Kriegsende Schüler an der Primärschule in Hemstal, sein Lehrer war Norbert Stoll, welcher bis zu seinem Ruhestand als Lehrer an der Primärschule von Hemstal tätig war. In den Jahren nach dem Krieg wurde der Absturzort des Halifax Bombers von den Schulklassen des Lehrer Stoll gepflegt und unterhalten, er besuchte öfters mit seinen Schülern die Absturzstelle des Halifax Bombers im Marscherwald. Er legte hier mit seinen Schülern eine kleine Steinumrandung um die Absturzstelle an, auch pflanzten er und seine Schüler in der Mitte der Absturzstelle, zum Andenken hier einen Baum. An diesen Arbeiten und Aktionen war Rudi Petry beteiligt. Durch die Besuche an der Absturzstelle kannte Rudi Petry dieses Waldgebiet, wo der Bomber abstürzte, sehr gut. So erkundete er auch nach Ende seiner Primärschulzeit, auf Eigeninitiative, die Umgebung der Absturzstelle. So erfuhr er, dass die Leiche, oder vielleicht auch nur Teile eines getöteten Besatzungsmitgliedes nahe der Absturzstelle begraben worden war und dass die deutschen Besatzer es versäumt hatten den zweiten Doppelsternmotor abzutransportieren. Mir waren diese Einzelheiten bis zum Gespräch mit Rudi Petry nicht bekannt. Mir war überliefert worden, dass die deutsche Besatzungsmacht in den Morgenstunden des 28. August 1943 die Absturzstelle großräumig abgesperrt und in den folgenden Wochen die Flugzeugteile auf Lastwagen verladen, in Beidweiler auf Eisenbahnwagons umgeladen und nach Deutschland abtransportiert hatten. Wie war es denn nun möglich gewesen, dass sowohl die Leiche als auch der Doppelsternmotor nicht von den deutschen Besatzern gefunden wurden? Hatten Luxemburger Mitbürger, Patrioten oder die Resistenz die Leiche vielleicht entfernt oder versteckt, hatten sie auch den Doppelsternmotor vielleicht getarnt, sodass die Deutschen ihn nicht entdeckten? Rudi Petry war hiervon nichts bekannt, wie er mir erzählte..

Die Leiche des Fliegers wurde unweit der Absturzstelle begraben, von wem wusste Rudi Petry nicht, er wusste nur, dass ein getöteter Fliegersoldat hier begraben worden war. Aber wo, das war auch ihm nicht bekannt. So begann, damals in den Nachkriegsjahren, die Suche nach dem Ort, wo die Leiche begraben worden war. Während seines Hochschulstudiums bekam Rudi Petry Kontakt zu einer Pfadfindertruppe, welche er anwarb und welche er zur Absturzstelle begleitete, wo die Pfadfinder gemäß ihrer Methoden mit der Grabsuche begannen.

Die Suche gestaltete sich schwierig, es war ein grosses Waldgebiet welche es zu durchsuchen galt, viele Stunden verliefen erfolglos bis ein Pfadfinder einen Stein entdeckte, welcher an der Stelle wo er lag, nicht hingehörte. Er war als Grabstein gedacht, man entfernte ihn und fand hier menschliche Knochenteile. Das Grab des englischen Fliegers war gefunden, die Gebeine wurden ausgegraben und der englischen Familie übergeben, so berichtete Rudi Petry aus seinem Kenntnisstand. So wurde der britische Fliegersoldat, Jahre später in englischer Erde begraben. War es John York CLARK, John THOMAS oder George RIPPINGALE, es ist auch heute nicht bekannt wer und wie er identifiziert wurde.

Viele Jahre lag der schwere Doppelsternmotor unter den Bäumen des Marscherwaldes, so erzählte mir Rudi Petry. Hier war er von Deutschen übersehen und nicht abtransportiert worden. Einheimische wussten wohl vom Doppelsternmotor des Halifax, so auch Rudi Petry als angehender Student im Maschinenbau, welcher Interesse an verschiedenen Teile des Motors hatte. Öfters begab er sich zu Fuß von Hemstal hin zum Motor im Marscherwald, in seinen Hosentaschen die mitgenommenen Schlüssel aus der Werkstatt seines Vaters, gen. “ de Bur Jemp“. Nur die Schlüssel, welche er benutzte, passten nicht, bis er vom Vater den Rat bekam, doch mal den „Engländer“, so hieß diese Art von Schlüssel, zu benutzen. Nun klappte es und schon war die erste Welle abmontiert. Er wusste, wofür er diese Welle brauchen würde, hatte er doch die Absicht ein Windrad nach eigenen Plänen zu basteln. Durch die Mitarbeit des Hemstaler Schmiedes Théo Kirpach gelang die Konstruktion. Jahrzehnte schnurrte das Windrad bei Sturm oder leichter Brise im Garten seines Elternhauses, bis der Holzmast an dem es befestigt war morsch wurde und umstürzte. Öfters besuchte Rudi Petry den Motor im Wald, manches Teil wurde abmontiert und in Hemstal zur Verwirklichung seiner Ideen gebraucht, bis, ja bis ein Einwohner aus Graulinster, den zentnerschweren Motor abtransportierte. Aber der Landwirt verkaufte den Fliegermotor nicht an einen Schrotthändler, sondern zerlegte ihn in Einzelteile, welche er in seinem landwirtschaftlichen Betrieb gut gebrauchen konnte.

Vielen Dank an Rudi Petry für die überlieferten Einzelheiten, so wurde nun der Bericht über den Absturz des RAF Halifax Bomber größer, kompletter und informativer.