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Heute frisst gestern
Lokales 2 Min. 21.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Zwist um Häuserabriss in Heinerscheid

Heute frisst gestern

Diesem alten Bauernhaus winkt nun die Baggerschippe.
Zwist um Häuserabriss in Heinerscheid

Heute frisst gestern

Diesem alten Bauernhaus winkt nun die Baggerschippe.
Foto: Sauvegarde du Patrimoine Asbl
Lokales 2 Min. 21.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Zwist um Häuserabriss in Heinerscheid

Heute frisst gestern

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Nie war der Druck zur Wohnraumschaffung größer, nie boten Promotoren höhere Kaufpreise, nie verschwand in Luxemburg so viel alte Bausubstanz: Es ist ein Geschehen, das Anhänger historischen Bauerbes ins Herz sticht. Ihr jüngster Aufschrei erschallt in Heinerscheid.

(jl) -  Das Niederreißen der Häuser 4 und 6 „um Knapp“ in Heinerscheid, für die Mitglieder der 
„Sauvegarde du Patrimoine Asbl“ ist es nichts weniger als der „größte Abrissskandal der letzten Jahre im Ösling“.

Die beiden Häuser – das eine ein klassisches Bauernhaus aus dem Jahre 1857, das andere wohl gar noch aus österreichischer Zeit – seien von großem Seltenheitswert und nach einer Restaurierung auch nach modernen Maßstäben noch bewohnbar gewesen, meinen sie. „Nun entstehe dort eine Residenz.“

Bürgermeister sieht Versäumnis,
 aber wenig Handhabe

Die Empörung ist aus der Pressemitteilung der Vereinigung deutlich herauszulesen. Und auch der Zorn, der sich in erster Linie 
gegen das Kulturministerium und den Bürgermeister der Gemeinde Clerf richtet, der die Abrissgenehmigung erteilt hat. 2013 sei vor Ort noch eine Begehung erfolgt mit Vertretern des Schöffenrats und des nationalen Denkmalschutzamts, so die Verfasser. Gesiegt 
haben nun dennoch die Bagger.

Als in der Tat bedauerlich, aber letztlich doch kaum verhinderbar, bewertet den von ihm gewährten Abriss dagegen Bürgermeister Emile Eicher, der dabei jedoch auch Versäumnisse einräumt. So sei bei der Begehung seines Wissens nach kein Schöffenratsmitglied dabei gewesen.

Er selbst habe jedenfalls keinen persönlichen Eindruck von der Charakteristik des Hauses gehabt, dessen Frontseite in einem Innenhof liegt und von der Straße aus nicht direkt ins Auge fällt. „Hätte ich ein Bild von der pittoresken Vorderseite des Häuserkomplexes gehabt, hätte ich vor der Erteilung der Abrissgenehmigung auf jeden Fall versucht, mit dem Privateigentümer über einen eventuellen Erhalt des Hauses zu sprechen“, sagt Eicher.

Ohne die Einwilligung des Besitzers hätte allerdings wohl auch dies letzten Endes nicht viel genutzt, ist das Haus doch weder über das nationale Denkmalschutzamt noch über den kommunalen Flächennutzungsplan (PAG) unter Schutz gestellt worden.

Außer Überzeugungsarbeit hätte man daher wohl nicht viel ausrichten können, meint Eicher: „Der neue PAG der Gemeinde ist noch in Ausarbeitung und eine Erfassung all jener Gebäude, die aus kommunaler Sicht als erhaltenswert eingestuft werden sollen, steht bisher noch aus.“ Er wolle bis dahin aber nun vor der Ausstellung einer Abrissgenehmigung in jedem Fall Fotomaterial des entsprechenden Gebäudes anfordern.

Jenseits des „Mea Culpa“ mahnt Emile Eicher aber auch an, dass Gemeinden neben dem reinen Blick auf den historischen Wert eines Hauses auch die Abwägung zwischen Denkmalschutz und dem Eingriff in die Handlungsfreiheit des Privateigentümers im Auge haben müssten.

Die Abwägung zwischen
 Schutz und Nutzbarmachung

„Unser Schöffenrat war stets der Auffassung, denkmalschützerische Auflagen bei Privathäusern möglichst in Absprache mit den Besitzern zu erlassen“, so Eicher. Schließlich sei die fachgerechte Erhaltung eines Gebäudes – auch mit Beihilfen – für manchen ganz einfach zu teuer.

Bleibe ein Haus dann einfach ungenutzt stehen, sei damit auch niemandem geholfen. Zudem fehle den Kommunen aber auch ein belastbarer Kriterienkatalog als Grundlage, um festzulegen, was kommunal geschützt werden soll und was nicht. Die 
nötige Fachkenntnis hierfür liege bislang eher beim Staat.


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