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Zwischenfall in Differdingen: "Papa, schließ die Fenster, es ist etwas passiert"
Hugo und Daniel (links im Bild), behalten ihre Schals lieber vor Mund und Nase.

Zwischenfall in Differdingen: "Papa, schließ die Fenster, es ist etwas passiert"

Foto: Nicolas Anen
Hugo und Daniel (links im Bild), behalten ihre Schals lieber vor Mund und Nase.
Lokales 2 Min. 13.06.2016

Zwischenfall in Differdingen: "Papa, schließ die Fenster, es ist etwas passiert"

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Am Montagnachmittag war ein normaler Schulunterricht in Differdingen nicht möglich. Während manche Schüler erst gar nicht erschienen sind, drehte sich bei den anderen alles um das Thema ArcelorMittal.

(na) - "In einer Klasse sind heute Nachmittag nur vier Schüler erschienen, in einer anderen sogar nur zwei", so eine Lehrerin am Montagnachmittag vor der Schule in der Differdinger Rue Emile Mark. Dabei zählen beide normalerweise je 15 Schüler.

Ihre Schüler bilden mittlerweile eine kleine Traube. Als es klingelt, fordert die Lehrerin sie auf, in ihre Klassen zurückzukehren. Keine leichte Aufgabe, denn die Schüler scheinen (noch) aufgedrehter als sonst.

"Man weiß ja nie"

Unter ihnen sind Hugo und Daniel, beide 13 Jahre alt, die es vorziehen, ihre schwarzen Schalls vor Mund und Nase zu halten. "Man weiß ja nie", so Hugo.

Ein bisschen Angst habe er schon gehabt als die Lehrerin am Morgen sagte, dass die Fenster geschlossen bleiben müssen und die Kinder aus Niederkorn nicht nach Hause gehen dürften.

"Wegen dem Wind", erklärt Alicia (11), selber aus Niederkorn. "Der blies in unsere Richtung".  Doch betroffen war sie nicht. In der Mittagsstunde ging sie zu ihrer "Bomi", die wohnt in Differdingen.

Etwas mit einer Bombe

Laut aus der Kindergruppe heraus gibt Bernardo (13) zu verstehen, dass er keine Angst gehabt habe. Obwohl er gehört habe, dass es was mit einer Bombe aus dem ersten Weltkrieg zu tun habe.

Doch zucken auf einmal alle zusammen, als wieder die Sirenen eines Feuerwehrwagens zu hören sind. Eine normale Unterrichtsstunde wird es heute wahrscheinlich nicht mehr werden.

"Schließ die Fenster"

Manuel Gomez und Robert "Caci" ließen sich durch den Zwischenfall nicht aus der Fassung bringen.
Manuel Gomez und Robert "Caci" ließen sich durch den Zwischenfall nicht aus der Fassung bringen.
Foto: Nicolas Anen

Auch in einem Café in der Fußgängerzone ist der Zwischenfall das Gespräch Nummer eins. "Ich war gerade dabei in meinem Garten zu arbeiten, als ich die Sirenen hörte. So viele auf einmal hatte ich noch nicht erlebt", erzählt Manuel Gomez.

Als er dann nach Hause ging, schrie ihm seine Tochter zu: "Papa, schließ die Fenster, es ist etwa passiert".

"Ich dachte es wäre Fasching"

Neben ihm sitzt Robert Carcara, besser bekannt als Caci. Er ist erst nach zwölf  Uhr von der Arbeit nach Hause gekommen. Ihm ist aufgefallen, dass außergewöhnlich wenig Verkehr in Differdingen war: "Auch bei den Bushaltestellen des Diffbus beim Park stand niemand."

Er habe sogar Personen gesehen, die aus einem Supermarkt in der Nähe kamen und Masken trugen: "Ich dachte es wäre Fasching", sagt er und lacht.

Dank Internetmedien waren aber beide schnell informiert. "Es scheint nochmal gut gegangen zu sein", so Gomez bevor er hinzufügt: "Wäre aber die Sirene wegen Atomalarm gegangen, dann wäre ich sofort ins Haus gerannt".




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