Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zwischenfall bei Luxair: 230 Meter zu tief
Lokales 3 Min. 19.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Zwischenfall bei Luxair: 230 Meter zu tief

Eine Bombardier Q400 der Luxair im Endanflug auf den Flughafen Findel.

Zwischenfall bei Luxair: 230 Meter zu tief

Eine Bombardier Q400 der Luxair im Endanflug auf den Flughafen Findel.
Foto: Chris Karaba
Lokales 3 Min. 19.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Zwischenfall bei Luxair: 230 Meter zu tief

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Am 26. März dieses Jahres unterlief einer Luxair-Crew eine Reihe von Fehlern. Beim Landeanflug unterschritt eine Maschine die Mindestflughöhe. Der Vorfall verlief glimpflich, die Sicherheit der Passagiere sei nicht in Gefahr gewesen, so die Luxair.

(jag) - Luxair-Flug LG8012 von Paris nach Luxemburg war so weit normal verlaufen. Es war der erste Hin-und Rückflug nach Paris für diese Crew, ein zweiter sollte an diesem Morgen folgen.

Im Cockpit saßen an diesem 26. März 2016 drei Crewmitglieder: der Pilot, sein Copilot und ein dritter Pilot für den Fall, dass sich das Wetter verschlechtern würde und eine sogenannte Cat-3-Landung notwendig werden würde. Für diese Landung unter schlechten Sichtbedingungen war der erste Pilot nämlich nicht ausgebildet.

Geplant hatte die Crew eine Landung auf Piste 24, also von Nordosten her. Doch kurz vor der Landung schlug das Wetter um, die Sicht wurde schlechter, die Bewölkung reichte tiefer. 

Andere Landebahn angefragt

Die Crew bat um eine Landung auf der Piste 06. Dabei erfolgt der Anflug von Südwesten her über Gasperich und Hollerich. Die Flugkontrolle gab grünes Licht, allerdings musste die Crew jetzt ohne das Instrumentenlandesystem ILS landen. Diese Anflughilfe kann immer nur in eine Landerichtung aktiviert werden. Es folgte demnach ein Anflug auf ein ungerichtetes Funkfeuer (Non-Directional Beacon, NDB) sowie eine Landung nach Sicht. Bis dahin nichts Außergewöhnliches.

Was folgte, waren eine Reihe von Fehlern der Crew: Die Maschine war zu Beginn des Sinkflugs zu hoch, deshalb wurden einige Kurven geflogen, um an Höhe zu verlieren. Rund fünf nautische Meilen (ca. 9,2 Kilometer) vor der Piste war das Flugzeug auf der vorgesehenen Höhe von 2600 Fuß (rund 900 Meter).

132 Meter über Hollerich

Trotzdem wurde der starke Sinkflug weitergeführt, bis über Hollerich eine Mindesthöhe von nur noch 132 Meter über dem Boden erreicht wurde. Das Flugzeug hätte zu diesem Zeitpunkt eigentlich 230 Meter  höher fliegen müssen. Der Alarm für eine gefährliche Bodenannäherung (Ground Proximity Warning System, GPWS) wurde aktiv. Daraufhin schaltete die Crew den Auto-Piloten ab und brach den Landeanflug ab. Der Pilot landete das Flugzeug schließlich ohne Probleme auf der ursprünglich vorgesehenen Piste 24.

Wir stellen fest, dass die Sicherheitsvorkehrungen gegriffen haben. (Luxair-Sprecher Marc Gerges)

Luxair spricht intern von einem Zwischenfall. Eine interne Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Crew einige Verfahren nicht eingehalten habe. Zudem hätte sich die Crew nicht richtig auf die veränderten Wetterverhältnisse eingestellt.

Interne Konsequenzen und Schulung

"Wir stellen fest, dass die Sicherheitsvorkehrungen gegriffen haben und nach dem Höhenalarm im Cockpit so reagiert wurde, dass die Sicherheit der Passagiere nicht gefährdet war," so Luxair-Sprecher Marc Gerges. Ein Bericht ging an die "Administration de la naviation aérienne" (ANA). Diese betrachtete die internen Konsequenzen, die Luxair aufgrund des Vorfalls zog, als ausreichend. Der Fall ist damit für die Verwaltung abgeschlossen.     

Wegen der internen Sicherheitskultur "Just culture" wurde der Fall dem Flugpersonal mitgeteilt. Luxair empfiehlt zudem, den Zwischenfall als Lehrmodell in die Schulungseinheiten aufzunehmen.  Zudem soll klar gestellt werden, unter welchen Gegebenheiten der dritte Pilot eingreifen darf.    

Komplexe Kriterien für "incidents"

Als „incident“ wird in der Luftfahrt jedes Ereignis behandelt, das außerhalb festgelegter Prozeduren geschieht und die Flugsicherheit betrifft, sagt François Mathieu, Leiter des „Service du contrôle de la circulation aérienne“.

Bombardier Q400 der Luxair
Bombardier Q400 der Luxair
Foto: Guy Jallay

So genannte „incidents“ sind in der Luftfahrt durchaus nicht außergewöhnlich. Zwischenfälle werden täglich gemeldet. Das schließt Ereignisse mit ein, bei denen Flugzeuge aufgrund eines technischen Defekts einen Flug nicht wie geplant durchführen können.

Jeder Zwischenfall muss gemeldet werden, ob vom Pilot oder von der Flugkontrolle. Die Berichte werden nach einem detailliert geregelten Ablauf erstellt und an die zuständigen Behörden weiter geleitet, wie etwa an die „Direction de l’Aviation Civile“ (DAC). Auf der Grundlage von festgelegten und sehr komplexen Kriterien wird dann entschieden, ob Sofortmaßnahmen erforderlich sind oder ein Plan zur Verbesserung der Abläufe erstellt werden muss.

Bei normalen Zwischenfällen werden die Berichte zudem nicht veröffentlicht, um das vertrauliche Berichtssystem zu schützen. Ziel dieser „Just culture“-Politik sei es, herauszufinden, was passiert ist, und nicht einzelne Personen zu beschuldigen, sagt François Mathieu. Nur bei Unfällen schaltet sich die „Administration des enquêtes techniques“ ein.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema