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Zwischenfall bei ArcelorMittal: "Ich wollte nur die Kaffeeautomaten nachfüllen"
Lokales 2 Min. 13.06.2016

Zwischenfall bei ArcelorMittal: "Ich wollte nur die Kaffeeautomaten nachfüllen"

In weißen Schutzanzügen gekleidet, warten die ArcelorMittal-Mitarbeiter in der Differdinger Kaserne auf ihre Habseligkeiten.

Zwischenfall bei ArcelorMittal: "Ich wollte nur die Kaffeeautomaten nachfüllen"

In weißen Schutzanzügen gekleidet, warten die ArcelorMittal-Mitarbeiter in der Differdinger Kaserne auf ihre Habseligkeiten.
Foto: Nicolas Anen
Lokales 2 Min. 13.06.2016

Zwischenfall bei ArcelorMittal: "Ich wollte nur die Kaffeeautomaten nachfüllen"

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Alarm im ArcelorMittal-Werk. Auf einmal steht alles still, niemand darf das Gebäude verlassen. Auch wenn man, wie Geoffrey Lebrun, nur gekommen war, um die Kaffeeautomaten nachzufüllen.

(na) - "Ich wollte heute Morgen eigentlich nur die Kaffeeautomaten nachfüllen", erzählt Geoffrey Lebrun, in einen weißen Schutzanzug gekleidet. Seine Rettungsdecke hat er sich um die Hüften gebunden.

Mit etwa 25 anderen Personen, ebenfalls in Schutzanzügen, wartet er in der Differdinger Feuerwehrkaserne, die kurzfristig als medizinischer Außenposten herhalten muss. 

Eigentlich arbeitet er nicht für ArcelorMittal, sondern für eine Firma, die Kaffeeautomaten wartet. Er war gerade in Niederkorn in einem Werksgebäude, als der Alarm ausgelöst wurde - und einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

"Ich wurde nicht mehr raus gelassen"

Die Feuerwehrwagen sind draußen. In der Kaserne wurden kurzerhand Bänke aufgerichtet.
Die Feuerwehrwagen sind draußen. In der Kaserne wurden kurzerhand Bänke aufgerichtet.
Foto: Nicolas Anen

"Ich wurde nicht mehr raus gelassen", schildert Geoffrey die Situation. Was genau geschehen ist, weiß er nicht. Nach langer Wartezeit wird er aufgefordert, sich auszuziehen und eine Dusche zu nehmen. Seine Kleider und Habseligkeiten muss er abgeben.

Danach bekommt er seine Schutzkleidung. Nun wartet er darauf seine Sachen zurückzubekommen. Mittlerweile sind gut vier Stunden vergangen, seitdem der Alarm ausgelöst wurde.

Brötchen und Kaffee in der Feuerwehrkaserne

"Ein Arzt untersucht die Personen vor Ort und entscheidet, ob sie ins Krankenhaus oder zu unserem medizinischen Posten geschickt werden", erklärt Thierry Thernes, Chef des Differdinger Rettungsdienstes.

Hier werden sie betreut. Zur Auswahl gibt es Sandwiches und Kaffee. Auf einmal tut sich ein bisschen Bewegung in der Halle auf. Zwei Polizisten kommen mit einem Karton und fangen an, Familiennamen auszurufen und kleine Plastiktüten zu verteilen.

Kleider werden recycelt

Darin zu sehen sind Zigarettenpackungen, Schlüssel oder Handys. Aber keine Kleidung. Die werde voraussichtlich recycelt, erklärt Thierry Thernes.

Ein ArcelorMittal-Mitarbeiter, ebenfalls ganz in weiß gekleidet, nimmt das Ganze mit Humor. Auch er war in Niederkorn, als der Alarm ausgelöst wurde: "Uns wurde gesagt, dass wir nicht hinaus dürfen". 

Nach etwa einer Stunde wurden sie zum Werksportal in Differdingen gebracht. Dort hatte die "base nationale de support" aus Lingten Duschen installiert.

Nach der Dusche kam er mit seinen Kollegen in die Feuerwehrkaserne. Mittlerweile hat er seine Zigaretten zurück. Doch kein Feuer. "Ein Feuerzeug müsste doch in einer Feuerwehrkaserne zu finden sein", sagt er und verabschiedet sich.

"Keiner wurde kontaminiert"

Insgesamt wurden 65 Personen am Montag im Medizinposten betreut, so Thierry Thernes am Abend. 14 Personen waren nicht nach Differdingen, sondern sofort ins Krankenhaus gefahren worden. Die gute Nachricht lautet, dass niemand kontaminiert wurde, so Thernes.

Allerdings wurden die Kleider all dieser Personen zerstört. So auch die der Rettungshelfer die beteiligt waren. Verschiedene ArcelorMittal-Mitarbeiter, die Arbeitskleider zum Zeitpunkt des Zwischenfalls an hatten, konnten am Abend ihre eigenen Kleider aus ihrem Spind zurück bekommen. Die anderen mussten in Schutzkleidung heimkehren. Unter ihnen wohl auch Geoffrey Lebrun.

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