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Zwischen Aufregung und Verzweiflung
Der Festsaal im städtischen Kolléisch ist gut gefüllt: Bis auf wenige Schüler des Abendkurses (eBac) hat niemand den Auftakt der Abschlussexamen verpasst.

Zwischen Aufregung und Verzweiflung

Foto: Anouk Antony
Der Festsaal im städtischen Kolléisch ist gut gefüllt: Bis auf wenige Schüler des Abendkurses (eBac) hat niemand den Auftakt der Abschlussexamen verpasst.
Lokales 37 3 Min. 29.05.2018

Zwischen Aufregung und Verzweiflung

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Für die Abschlussklassen des Secondaire classique und Secondaire général begann am Dienstag die letzte Etappe. Im städtischen Kolléisch war die Anspannung bei den Primanern groß. Das erste der Examen erwies sich für einige jedoch nicht so schwierig als erwartet.

Kurz vor 8 Uhr stehen einige Schüler vor den Türen des städtischen Athenäums, um einen Kaffee zu trinken, noch schnell eine Zigarette zu rauchen oder ein letztes Mal das Gelernte zu wiederholen. Insgesamt nehmen am Dienstagmorgen rund 200 Schüler in der Aula – dem Festsaal des Athénée de Luxembourg – an den Première-Examen teil.


Examen Lycée de Garcons Esch Alzette 2018. Erster Tag der Schlussexamen. Photo: Guy Wolff
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Die Stimmung ist jedoch alles andere als gelassen. Die Schüler wirken gestresst – nachvollziehbar, schließlich handelt es sich bei den Abschlussprüfungen um das große Finale ihrer schulischen Laufbahn. Obwohl die Primaner in diesem Jahr bereits vom neuen System profitieren und somit deutlich weniger Examen schreiben müssen, ist die Anspannung groß. Denn: Am ersten Prüfungstag stehen die unterschiedlichen Hauptfächer auf der Tagesordnung.

Eine Schülerin wühlt derweil in ihrer Tasche. „Ich habe noch schnell etwas wiederholt, jetzt muss ich rein“, sagt Anjaly Gianchandani, Schülerin der Sektion G (Geistes- und Sozialwissenschaften) und packt hastig ihre Notizblätter weg: „Ich schreibe heute das Examen in Sozialwissenschaften und darf es auf keinen Fall vermasseln“.

Die gläsernen Türen der Aula sind bereits geöffnet. An ihnen hängt die Liste mit der Sitzordnung, die die Schülern genau befolgen müssen. Hinter den Türen grenzen dichte, dunkelblaue Vorhänge den Zugang zum Saal ab. Die jungen Erwachsenen bahnen sich den Weg, setzen ihre Taschen in der Ecke des Saals ab und nehmen ihren zugewiesenen Platz ein. Viele tragen am ersten Examenstag ihre Jahrgang-Pullis, auf deren Ärmeln man die Buchstaben der jeweiligen Sektionen erkennt.

Auf der Bühne steht bereits Joseph Salentiny, Direktor des Lyzeums, und spricht ins Mikrofon: „Ich erinnere alle nochmals daran, dass nicht ,geknäipt' wird. Keine Handys, keine Smartuhren, keine Bücher und keine Zettel auf den Bänken“, erinnert der Direktor seine Schüler und fährt mit weiteren Anweisungen und Erklärungen fort. Währenddessen setzt sich die letzte Schülerin auf ihren Platz – im Kontrast zum grauen Wetter trägt sie eine auffällige, regenbogenfarbige Hose.

Salentiny, der im kommenden Schuljahr in den Ruhestand treten wird, wünscht den Primanern noch „Bonne Chance“ und gibt dann den rund zehn Aufsichtslehrern das Zeichen zum Austeilen der Fragebogen. Punkt 8.15 Uhr beginnt das Examen. „Elo därf kee Wuert méi geschwat gin“, hört man Salentiny rufen. Einige Schüler fangen sofort an, ihr Wissen niederzuschreiben, andere hingegen werfen sich gegenseitig verzweifelte Blicke zu.

Wenn der Druck nachlässt

Erst kurz nach 10.15 Uhr verlassen die ersten Jugendlichen den Saal. Einige sehen enttäuscht aus, andere wiederum glücklich. Die erste Runde des Prüfungsmarathons haben sie auf jeden Fall hinter sich gebracht – und können jetzt aufatmen.

Max Serra (F): „Musikgeschichte ist ein präzises Fach mit vielen Daten und Komponisten. Ich habe also viel gelernt und das Examen lief gut.“
Max Serra (F): „Musikgeschichte ist ein präzises Fach mit vielen Daten und Komponisten. Ich habe also viel gelernt und das Examen lief gut.“
Foto: Rosa Clemente

Auch Max Serra, Primaner der Musiksektion (F), kommt mit einem Lächeln aus der Aula. Er hat gerade die Prüfung in Musikgeschichte geschrieben und wirkt erleichtert: „Es lief recht gut. Ich bin froh, dass ich es jetzt hinter mir habe.“ Auf die Frage, ob er mit dem neuen System zufrieden ist, antwortet der junge Mann sofort: „Ich denke, dass viele ihre Examensfächer strategisch wählen, um ihre Noten zu verbessern. Ich begrüße, dass wir uns auf weniger Fächern konzentrieren müssen. Viele meiner Schulkameraden mögen es aber nicht, denn: Falls man im Laufe des Schuljahres Schwierigkeiten in einem Fach hatte, das man jedoch nicht für das Examen ausgewählt hat, riskiert man, dass die schlechte Note bleibt und man durchfällt.“

Examensfächer werden strategisch gewählt, um die Noten zu verbessern.

Die Schülerinnen Ksenia Bojanovic (l.) und Magali Bossau (r.) der Kunstsektion (E) haben viel gelernt, um das Examen in ihrem Hauptfach problemlos zu bestehen.
Die Schülerinnen Ksenia Bojanovic (l.) und Magali Bossau (r.) der Kunstsektion (E) haben viel gelernt, um das Examen in ihrem Hauptfach problemlos zu bestehen.
Foto: Rosa Clemente

Auch Magali Bossau und Ksenia Bojanovic, Schülerinnen der Kunstsektion (E), sind glücklich über ihre vollbrachten Leistungen. „Die Fragen waren nicht so schwer. Wir hatten aber auch viel auswendig gelernt, deshalb war es recht unkompliziert. Jetzt hoffen wir, dass die kommenden Examen auch gut verlaufen“, sagt Ksenia. Weitere Examen folgen bis zum 8. Juni im Secondaire classique und 11. Juni im Secondaire général.

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 3.516 Schüler für die Examen eingeschrieben – 1.986 junge Frauen und 1.530 junge Männer. Wer den Abschluss im ersten Durchgang nicht schafft, kann im September zur zweiten Examenssitzung antreten, denn: Auf ein Abschlussdiplom verzichten nur die wenigsten.


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