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Zwei Tesla als Dienstwagen: Elektropower für die Polizei
Auch die Polizei aus Los Angeles hatte sich mit dem Tesla S Modell P90D als Einsatzfahrzeug befasst, dann aber entschieden 100 BMW i3 zu leasen.

Zwei Tesla als Dienstwagen: Elektropower für die Polizei

Foto: Tesla Motors / Twitter
Auch die Polizei aus Los Angeles hatte sich mit dem Tesla S Modell P90D als Einsatzfahrzeug befasst, dann aber entschieden 100 BMW i3 zu leasen.
Lokales 3 Min. 16.08.2017

Zwei Tesla als Dienstwagen: Elektropower für die Polizei

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Die Polizei soll bis zu sechs Elektrofahrzeuge in ihren Fuhrpark aufnehmen. Dabei geht es um ein Pilotprojekt, um Sinn und Praxisnutzen von Elektromobilität im Staatsdienst auszuloten.

(str/Cl.F.) - Die Polizei setzt auf Elektromobilität. Das geht aus einer RTL-Meldung von Mittwochmittag hervor. Dem Bericht zufolge gibt es "mehr als nur Gerüchte" darüber, dass die Polizei das "teuere" und "umstrittene Luxus-Elektroauto" Tesla S in den Fuhrpark aufnehmen will.

Jenseits von allen Gerüchten bestätigt die Sprecherin des Nachhaltigkeitsministeriums Dany Frank dem LW auf Nachfrage, dass es tatsächlich ein Projekt für Dienstfahrzeuge mit Elektroantrieb für die Polizei gibt. Das Konzept und die Details würden im September vorgestellt.

Allgemeiner Praxisnutzen auf dem Prüfstand

Bei dem Pilotprojekt gehe an sich darum, allgemein den Sinn und Praxisnutzen von Elektromobilität für Fahrzeuge im Staatsdienst auszuloten, erklärt Polizeispressesprecher Frank Stoltz. Dass die Wahl auf die Polizei fiel, liege daran, dass die Polizei nun Mal die einzige Verwaltung mit eigener Autowerkstatt sei. Demnach könne man so, ohne auf externe Partner angewiesen zu sein, die Effizienz und den Kostenpunkt der Elektrofahrzeuge messen.

Nach einer Testphase von ein bis zwei Jahren, soll dann begutachtet werden, ob die Elektromobilität einen Mehrwehr für die Staatsdienste darstellt oder nicht.

Vorerst nur zwei Tesla

Konkret werden in erster Linie und ab September zwei Fahrzeuge vom Typ Tesla S in den Fuhrpark der Autobahnpolizei aufgenommen. Der Anschaffungspreis soll unter 100.000 Euro liegen. Wenn die Elektrosportwagen bis in Polizeiatelier als Streifenwagen ausgerüstet worden sind, dann können sie gleich in den Dienstbetrieb aufgenommen werden.

Die beiden Tesla werden im Übrigen nicht als zusätzliche Fahrzeuge für die "Unité centrale de la police de la route" eingekauft. Sie werden anstelle von zwei geplanten Geländewagen vom Typ BMW X5 angeschafft, deren Kostenpunkt nicht weit unter 100.000 Euro liegen dürfte.

Autobahnpolizei braucht schnelle Fahrzeuge

Dass die Wahl auf Fahrzeuge vom Typ Tesla S fiel, ist dass es dem Lastenheft der Autobahnpolizei entsprechend, keine Alternative mit gleicher Motorleistung und Stauraum für Einsatzmaterial gebe.

Darüber hinaus wird es im Herbst eine Ausschreibung geben, für die Anschaffung von vier weiteren Elektrofahrzeugen für die Polizei. Zwei davon sollen bei der Verwaltung zum Einsatz kommen, bei den zwei anderen handelt es sich um Streifenwagen. Die Polizei hat übrigens seit dem Jahr 2010 auch mehrere Hybridfahrzeuge vom Typ Toyota Prius im Einsatz.

Die ersten Berichte über die Anschaffung der Elektrofahrzeuge führten am Mittwoch zu Teils sehr polemischen Reaktionen. Und auch aus Polizeikreisen ist zu vernehmen, dass die Idee, bis solche Wagen als Streifenwagen bei der "Volante" einzusetzen, nicht auf uneingeschränkte Zustimmung stößt.

Dreimal acht Stunden

Die Überlegungen sind folgende: Als Einsatzfahrzeug der Autobahnpolizei wäre ein Tesla im Extremfall während drei Schichten, also rund um die Uhr im Einsatz. Es stellt sich also die Frage, wann die Batterien des Elektroautos nachgeladen werden können.

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Streifenwagen mit Verbrennungsmotor, der innerhalb weniger Minuten betankt werden kann, variiert die Ladezeit eines Tesla, je nach Entladungszustand und verfügbarer Stromquelle, zwischen mindestens 30 Minuten und mehreren Stunden.

Wenige Bremsungen, wenig Energie

Hinzu kommt, dass die Autobahnpolizei auf ihren Fahrten situationsbedingt weniger bremst als eine Streife im Stadtverkehr. Dadurch wird insgesamt recht wenig Energie freigesetzt, die vom Fahrzeug wiedergewonnen und in die Akkus eingespeist werden kann.

Es stellt sich also die Frage, ob die Autobahnpolizei das angemessene Einsatzgebiet eines Tesla ist und ob nicht etwa Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb, also der Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor, die bessere Wahl wären.  Aber genau das sind die Fragen, mit denen sich die Verantwortlichen am Ende der zweijährigen Testphase auseinandersetzen müssen.

120 Kilometer pro Schicht

Während einer Schicht legt ein Einsatzfahrzeug der Autobahnpolizei übrigens im Durchschnitt rund 120 Kilometer zurück. An ereignisreichen Tagen sind es aber auch schon Mal 200 Kilometer.

Für normale Patrouillenfahrten wäre ein Tesla für Automobilexperten hingegen durchaus vorstellbar. Im Streifendienst sind die Wagen nicht rund um die Uhr im Einsatz, sondern werden zwischendurch immer mal wieder an der Polizeidienststelle abgestellt, wo sie dann nachgeladen werden können.



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