Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zwei Pferde auf vier Rädern
Lokales 4 Min. 24.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Zwei Pferde auf vier Rädern

Sehenswerte 2CV-Ausstellung im Diekircher Automobilmuseum

Zwei Pferde auf vier Rädern

Sehenswerte 2CV-Ausstellung im Diekircher Automobilmuseum
Foto: Armand Wagner
Lokales 4 Min. 24.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Zwei Pferde auf vier Rädern

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Am 7. Oktober 1948 wurde die erste 2CV auf dem Pariser Autosalon präsentiert. Anfangs noch belächelt, entwickelte sich das handliche Gefährt schnell zu einem Kultobjekt.

Wenn man als Autoenthusiast das Conservatoire national de véhicules historiques in Diekirch betritt, schlägt das Herz sofort schneller. In dem ehemaligen Atelier des Familienbetriebs Wagner befindet sich nämlich seit dem 3. April 2004 das luxemburgische Automobilmuseum.

Die Idee zur Einrichtung eines solchen Museums wurde im Jahr 1997 geboren, als die Gemeinde Diekirch das zehn Jahre leer stehende Gebäude erworben hatte. In den folgenden sieben Jahren wurden umfassende Umbauarbeiten vorgenommen, jedoch, ohne dabei den von Jugendstilelementen dominierten architektonischen Charakter der Räumlichkeiten zu verändern. Diese werden dem Museumsbetreiber gegen Entgelt von der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Foto: Armand Wagner

Weil das alte Atelier bereits einige Jahre auf dem Buckel hat und die Ausstellungsfläche ziemlich begrenzt ist, wurde kürzlich ein Antrag für einen Anbau an die Gemeinde gestellt. Die Gespräche laufen, und André Ferrari, Leiter des Museums, zeigt sich bereits vorsichtig optimistisch, dass man zu einer Übereinkunft kommen wird.

Ehe mit einem Auto

Eine größere Ausstellungsfläche würde es nämlich erlauben, den jährlich rund 10  000 Besuchern noch mehr historische Fahrzeuge zu präsentieren. Dabei gehört es zur Philosophie des Museums, vor allem regionalen Sammlern die Ausstellung ihrer Exponate zu ermöglichen. Zu eben diesen regionalen Sammlern gehören auch die Mitglieder des 2CV Club Lëtzebuerg. Der 1979 gegründete Verein zählt 125 Mitglieder, die insgesamt 175 Enten ihr Eigen nennen.

Im Laufe des Jahres werden mehrere Ausflüge und Veranstaltungen rund um die gemeinsame Liebe zur 2CV organisiert. Das wohl bekannteste Event ist das alljährlich stattfindende internationale Sommertreffen am letzten Augustwochenende. Es wird dieses Jahr bereits zum 37. Mal auf dem Campingplatz an der Toutschemillen in Wiltz organisiert und lockt stets Entenfreunde aus aller Welt in den Norden des Landes. Dieses Jahr rechnet man mit 50 bis 60 Teilnehmern, so Guy Chalon, Präsident des Vereins.

Foto: Armand Wagner

Diesem merkt man die Liebe zum französischen Klassiker bei jedem seiner Worte an. „Ein Auto kauft man, eine 2CV heiratet man“, sagt er und scheint dies nur bedingt scherzhaft zu meinen. Für ihn sind die Vereinsmitglieder eine große Familie, die sich gerne gegenseitig unterstützt. Ein solcher Zusammenhalt wird auch dadurch ermöglicht, dass man an diesen Wagen, im Gegensatz zu vielen neueren Modellen, noch selbst Hand anlegen und gemeinsam basteln kann, so Guy Chalon. Auch in finanzieller Hinsicht ein nicht ganz unwichtiger Faktor.

Besonders wichtig ist ihm die Weitervermittlung von Wissen an die folgenden Generationen. Denn, auch wenn das Durchschnittsalter der Mitglieder eher hoch ist, interessieren sich nach wie vor auch junge Menschen für die Thematik und profitieren enorm vom Erfahrungsschatz der Älteren.

Mit der Ente durch die Sahara

Vom 22. Juni bis zum 7. Oktober feiert man mit einer Ausstellung im Automobilmuseum den 70. Geburtstag des Kultautos. Die Ausstellungsstücke stehen in dem Teil des Museums, das früher als Lackiererei diente. Obwohl im Rahmen dieser Ausstellung lediglich sieben Autos gezeigt werden, bestechen diese durch ihren hervorragenden Zustand und viele liebenswerte Details. So ist die aus dem Logo bestehende Kühlerfigur eines der Autos aufgrund ihrer Seltenheit mit einem Vorhängeschloss gesichert.

Foto: Armand Wagner

Einen echten Blickfang stellt ein ehemaliges Postfahrzeug dar, das sich noch in seinem Originalzustand befindet. Ein weiteres Modell mutet aufgrund eines an der Motorhaube angebrachten Ersatzreifens eher exotisch an. Dabei handelt es sich um eine 2CV 4x4 Sahara, Baujahr 1961. Diese wurde, wie ihr Name bereits erahnen lässt, für Fahrten in Wüstenregionen konzipiert.

Auch wenn dieses Modell sicherlich aus der Masse herausragt, unterstreicht André Ferrari den generell sehr widerstandsfähigen Charakter der Döschewo. Das Auto wurde von Beginn an so konzipiert, dass es trotz seiner geringen Größe schwere Lasten sicher transportieren konnte.

Bauern, Eier und ein Weinfass

André Léfèbre, 1934 Chefkonstrukteur bei Citroën, war dazu aufgefordert worden, ein Fahrzeug zu entwickeln, das zwei Bauern mit Stiefeln, einem Fass Wein von 50 Litern respektive 50 Kilo Kartoffeln und einem Korb mit Eiern Platz bietet. Die Federung des Wagens sollte es zudem erlauben, die Eier unversehrt über einen holprigen Feldweg von A nach B zu bringen. Diese Vorgaben bringen einen heutzutage zwar zum Schmunzeln, doch sie zeigen auch deutlich, dass man beim französischen Autohersteller von Beginn an wesentlich größeren Wert auf die Qualität als auf die Optik des Wagens legte.

Foto: Armand Wagner

Dessen im deutschen Sprachraum verbreiteter Spitzname Ente geht nämlich auf den Umstand zurück, dass ihn ein niederländischer Journalist 1948 beim ersten Anblick als hässliches Entlein bezeichnete. Laut Auskunft der Société nationale de circulation automobile (SNCA) sind derzeit 314 2CV in Luxemburg angemeldet. Auch wenn diese Zahl auf den ersten Blick doch recht bescheiden wirkt, zeigt sie dennoch, dass nach wie vor eine sehr treue Anhängerschaft der Ente im Großherzogtum existiert. Denn Schönheit liegt ja bekanntlich eh im Auge des Betrachters.