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Zum letzten Mal am Zapfhahn
Lokales 5 4 Min. 05.01.2019

Zum letzten Mal am Zapfhahn

Lokales 5 4 Min. 05.01.2019

Zum letzten Mal am Zapfhahn

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Mit Blasmusik und Feuerwerk haben viele Rosporter ihren Dorfwirt Beppo in den Ruhestand verabschiedet. Das legendäre Café du Commerce ist seit Donnerstag geschlossen – für wie lange, ist ungewiss.

Halb Rosport, so schien es, war am Mittwoch auf den Beinen, um noch einen letzten Humpen im Café du Commerce zu trinken. Stammkunden, Fußballer, Nachbarn – sie alle wollten dem Dorfwirt Beppo an seinem letzten Arbeitstag noch einmal die Hand schütteln und ihm ein paar nette Worte mit auf den Weg in den Ruhestand geben. Schon am Nachmittag war das Dorfcafé gut gefüllt. Gegen 19 Uhr dann mussten die neu angekommenen Gäste eine Weile auf der Terrasse warten, denn es passte einfach niemand mehr in den Schankraum hinein.

Vor der letzten und einzigen Gastwirtschaft in Rosport haben Freunde zu Beppos Abschied ein drei Meter langes Plakat aufgehängt. Darauf erinnern Fotos in Schwarz-Weiß und in Farbe an die über hundertjährige Tradition der Eckkneipe an der Echternacher Straße in Rosport – und natürlich an die Menschen, die hinter dem Zapfhahn standen. „Merci fir déi vill schéi Momenter“ ist dort zu lesen und „Prost op d'Pensioun“.

Drinnen steht Beppo Galizia wie immer hinter der Theke und zapft ein Bier nach dem anderen. Am späteren Abend wird die Stimmung dann ausgelassen. Ein Freund hat ein Feuerwerk organisiert, später kreuzt noch die Rosporter Musek auf und spielt mitten in der Nacht die Melodie der Echternacher Springprozession.

„Es wird schwer für mich“

„Es sind sogar noch Leute aus Echternach mit dem Bus gekommen. Bis halb drei haben wir gefeiert“, erzählt Beppo am Tag danach, dem ersten Tag seines Ruhestands. Und ihm dämmert bereits, dass der Übergang ins Rentnerleben ziemlich abrupt war. „Es wird schwer für mich, von 100 auf null abzubremsen“, meint er. Seit 2013 ist er der Chef im Café du Commerce. Die Gastronomie ist für ihn Herzenssache, und zwar von Anfang an.

1978 begann er sein Berufsleben im Echternacher Hotel Regine, wo er zuerst kellnerte und dann eine leitende Aufgabe übernahm, doch die Schichtarbeit ließ sich schlecht mit seiner Leidenschaft, dem Fußball, vereinbaren. Zu oft verpasste er die Trainingszeiten, weil er am Abend Dienst hatte. Um bei den Fußballvereinen in Wasserbillig und in Echternach weiter in der ersten Mannschaft spielen zu können, kündigte er und arbeitete fortan im Echternacher Werk von Yves Rocher. Ab 2002 ergab sich die Gelegenheit, wieder in die Gastronomie zurückzukehren. Er wurde Kellner an Bord der MS Princesse Marie-Astrid. Eine Zeit, an die er sich heute noch gerne erinnert: „Es war schon etwas Besonderes, auf einem Schiff zu arbeiten. Ich habe in diesen Jahren viele interessante Leute kennengelernt.“ Außerdem hatte die Anstellung ein Plus von unschätzbarem Wert: die geregelten Arbeitszeiten. „Wenn das Schiff nachmittags um 17 oder 18 Uhr anlegte, hatte ich Feierabend und konnte nach Hause gehen.“

Als er 2013 dann das Café du Commerce in Rosport übernahm, war das schon etwas anderes. „Jeden Tag habe ich 14 bis 15 Stunden gearbeitet. Wenn ich morgens um 10.30 Uhr die Tür aufgeschlossen haben, standen da schon die Rentner. Sie wollten eine Tasse Kaffee trinken, Zeitung lesen und Neuigkeiten austauschen.“ Abends stand Beppo an sechs Tagen die Woche meistens bis 1 Uhr an der Theke. „Es sind lange Arbeitstage“, gesteht er ein, „und viele verlorene Stunden“. Er denkt an Zeiten, wenn nur ein, zwei Tische besetzt sind und am Ende wenig in der Kasse bleibt.

Vom Schwager übernommen

Das Lokal hatte er von seinem Schwager Marco Di Floriano übernommen. Gerne wäre er schon früher eingestiegen, doch weil seine Frau gestorben war, musste er sich allein um den gemeinsamen Sohn kümmern, der damals 13 Jahre alt war. Der Familie seines Schwagers gehört das Haus aus dem Jahr 1903, in dem von Anfang an die Gaststätte mit dem Dorfsaal untergebracht war. Schwager Marco erinnert sich: „Früher hatte die Gemeinde keine eigenen Veranstaltungsräume, deshalb fand alles hier statt: Feiern, Bälle und Theateraufführungen.“ Beppo führte die Tradition weiter und öffnete den Saal regelmäßig für Familienfeiern und Geburtstagspartys, auch Theater wurde bis zuletzt gespielt.

Ungewisse Zukunft

Zentraler Treffpunkt war das Café du Commerce auch für die Fußballer des FC Victoria Rosport. Sie müssen sich jetzt nach einer neuen Vereinskneipe umsehen. Auch für das gesamte Dorfleben ist es ein Verlust, dass das Café jetzt schließt. Eigentümer Marco Di Floriano hat sich zwar fest vorgenommen, wieder einen Pächter zu finden. Dem Vernehmen nach haben sich auch schon Interessenten gemeldet, doch unklar ist, ob es wieder eine Wirtschaft oder vielleicht ein Speiserestaurant werden soll. Das Gebäude an sich steht unter Denkmalschutz, allzu große bauliche Veränderungen dürfte der Eigentümer ohnehin nicht vornehmen.

Für Beppo heißt es jetzt erst einmal: Aufräumen und dann lange ausspannen. In wenigen Wochen wird er 57 Jahre alt. Würde er nicht gerne doch noch ein paar Jahre weitermachen? Beppo schüttelt den Kopf: „Ich hätte das nicht mehr geschafft. 42 Jahre Arbeit sind auch genug.“ Den Ruhestand will er für Reisen in seine süditalienische Heimatstadt Monopoli nutzen und die schönen Strände Apuliens genießen. Ganz am Ende des Gesprächs rückt er mit einem wichtigen Grund für die Rente heraus: Letztes Jahr hat er noch einmal geheiratet und möchte mehr Zeit mit seiner Frau verbringen.

Vermissen wird er sicherlich die vielen Menschen an der Theke, die sauber gewischten Tische und die Regale mit den Gläsern. Unten, bei den Likör- und Schnapsflaschen steht eine selbst gebastelte Kiste mit der Aufschrift „Dem Beppo seng Pensiounskeess“. Wenigstens finanziell ist also für den Ruhestand alles klar.


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