Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zugunglück in Bettemburg: "Mit der DB hätte sich die SNCF das nicht erlaubt"
Ab diesem Dienstag soll das von der CFL gesperrte Gleis wieder befahren werden.

Zugunglück in Bettemburg: "Mit der DB hätte sich die SNCF das nicht erlaubt"

Foto: Joaquim VALENTE
Ab diesem Dienstag soll das von der CFL gesperrte Gleis wieder befahren werden.
Lokales 2 Min. 06.03.2017

Zugunglück in Bettemburg: "Mit der DB hätte sich die SNCF das nicht erlaubt"

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Zum zweiten Male bereits lud Infrastrukturminister François Bausch französische TER-Nutzer zum Gespräch. Den „Meckerern“, wie sie sich selbst bezeichnen, wurden die künftigen Projekte für grenzüberschreitende Mobilität vorgestellt.

Von Jacques Ganser

Eines haben sie gemeinsam, die rund 50 französischen Grenzgänger und regelmäßigen TER-Nutzer und der luxemburgische Infrastrukturminister François Bausch: Unverständnis für die Haltung der SNCF-Lokführer welche sich nach dem Unfall in Bettemburg weiterhin weigern, nach Luxemburg zu fahren. Bausch hat die „râleurs du TER“, wie sie sich nicht ohne Ironie selbst bezeichnen, für ein zweites Gespräch ins Ministerium geladen. Bei Lachshäppchen und Schinkenbrötchen sollen die luxemburgisch-französischen Verspannungen der letzten Tage etwas entkrampft werden.

Fruchtbarer Dialog

 „Ein Minister, der meckernde Zugbenutzer empfängt und ihnen erklärt, was man in Sachen grenzüberschreitender Mobilität zu unternehmen gedenkt, das wäre in Frankreich undenkbar“, so Henry Delescaut, Generalsekretär der TER-Nutzer Metz-Luxemburg. Rund 10.000 Grenzgänger nutzen diese Linie täglich, der Interessenverband will vor allem über die sozialen Netzwerke Informationen verbreiten und aufklären. Zudem will man den Dialog zwischen beiden Seiten fördern. Minister und Kunden haben sich denn auch dort kennengelernt.

„Wir haben auch die französischen Regionalvertreter hierher eingeladen, aber niemand ist erschienen. Wir haben auch in Frankreich um Gespräche gebeten, bisher vergeblich. “ Delescaut gibt zu, dass die Kommunikation mit der luxemburgischen Seite zurzeit besser laufe als jene mit der französischen. Er versteht die Sorgen der französischen Eisenbahner. Es gebe auch kulturelle Unterschiede, was die offizielle Kommunikation betreffe. Dass die Gewerkschaften sowohl die Eisenbahngesellschaften als auch die Kunden als Geiseln nehmen würden, sei aber nicht akzeptabel.

Beweise, bitte!

„Wenn sie Sicherheitsbedenken haben, obwohl die CFL ihr Wort gegeben hat, dann sollen sie auch konkret sagen, wo die Probleme liegen und Beweise dafür vorlegen“, so Delescaut. Auch Bausch kann die Bedenken nicht nachvollziehen. „ Es gab Unfälle in Lothringen, es gab Unfälle auf grenzüberschreitenden Linien. In keinem Fall wurde deshalb der Eisenbahnverkehr gestoppt. Mit der DB hätte sich die SNCF dies nicht erlaubt“, so Bausch.

Bausch erklärte zudem, dass das von der CFL gesperrte Gleis ab Dienstag wieder geöffnet werden soll. „Damit müssten eigentlich auch die Sicherheitsbedenken der SNCF und der französischen Eisenbahner vom Tisch sein.Wir hoffen, dass der Zugverkehr sich dann in den nächsten Tagen auch schrittweise wieder normalisiert“. Zur Unfallursache und zur Untersuchung wollte Bausch sich nicht äußern. „Das ist Sache der Justiz“.

Grenzüberschreitende Mobilität

Der Infrastrukturminister erklärte den Grenzgängern dann geduldig sämtliche Projekte, welche in Planung sind oder sich bereits im Bau befinden: Ausbau der Linie Luxemburg-Bettemburg. Ausbau der A3, mehr P&Ride Parkplätze entlang der Grenze, neue Bahnhöfe, Ausbau der Gleisanlagen im Bahnhof Luxemburg, Förderung des car-sharing Konzeptes. Die französischen Grenzgängern nickten interessiert. „Ja, es passiert etwas. Aber wir befürchten, dass beim aktuellem Wachstum die Kapazitäten schon wieder erschöpft sind, bevor die neuen Infrastrukturen stehen“, so Delescaut. Die Grenzgänger im Saal ahnten es bereits: Man wird im TER wohl noch ein Weilchen zusammenrücken müssen.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Nach dem Zugunglück: CFL will Kunden entschädigen
Wer über eine Monatskarte verfügt, die er aufgrund des Zugunglücks am Valentinstag in Düdelingen nicht nutzen konnte, darf nun mit einer Entschädigung rechnen. Details konnte die CFL aber noch nicht nennen.
Nach dem Unglück mussten viele CFL-Kunden mit den Bussen im Ersatzverkehr vorlieb nehmen.
Kommentar zum Zugunglück: Angstspiele
Das Verhalten der französischen Eisenbahnergewerkschaften infolge des Eisenbahnunglücks ist respektlos. Sorgen um die Sicherheit sind zwar berechtigt, das Spiel mit der Angst ist allerdings unerträglich.
Crocodile CFL / Foto: Joaquim VALENTE