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Zugunglück in Bettemburg: Memor II+ versagte
Ein Toter und zwei Verletzte: die dramatische Bilanz des Zugunglücks vom 14. Februar 2017.

Zugunglück in Bettemburg: Memor II+ versagte

Foto: Guy Jallay
Ein Toter und zwei Verletzte: die dramatische Bilanz des Zugunglücks vom 14. Februar 2017.
Lokales 2 Min. 19.02.2018

Zugunglück in Bettemburg: Memor II+ versagte

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Laut dem technischen Bericht der Administration des enquêtes techniques war ein Signal-Kontaktgeber im Bahnhof Bettemburg defekt. Der betreffende Kontaktgeber versagte nicht zum ersten Mal. Auch die Staatsanwaltschaft hat sich jetzt zu Wort gemeldet.

Ein nicht funktionierender Kontaktgeber auf Höhe des Bahnhofs Bettemburg ist als technische Ursache für das Zugunglück von Bettemburg zurückbehalten worden. Bei der Kollision zwischen einem CFL-Personenzug und einem französischen Güterzug am 14. Februar 2017 war der luxemburgische Lokführer ums Leben gekommen.  

Laut dem am Montag veröffentlichten Bericht der Administration des enquêtes techniques leitete das sogenannte Krokodil, das den Lokführer auf das geschlossene Vorsignal hinweisen sollte, kein elektrisches Signal an die Kontaktempfänger des Triebwagens weiter. Somit fehlte der Signalton, der den Lokführer hätte warnen können. Zudem löste das Fahrbegleitsystem MemorIInicht wie vorgesehen nach 800 Metern ein Bremsmanöver aus. Der Zug setzte seine Fahrt also ungebremst mit 123 km/h Richtung geschlossenes Hauptsignal fort. Erst als der Lokführer des Personenzuges das geschlossene Signal sah, leitete er eine Vollbremsung ein.

Der Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Güterzug war zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr zu vermeiden. Laut Bericht funktionierten sämtliche optischen Signale entlang der Strecke einwandfrei. Der Lokführer hat also aus Gründen, welche die juristische Untersuchung klären muss, nicht auf diese Signale reagiert. Auf beiden Maschinen war das Fahrbegleitsystem MemorII+ eingeschaltet.   

Bereits 14 Ausfälle     

Zu klären bleibt, wieso besagter Kontaktgeber nicht funktionierte. Laut der Untersuchungsresultate hatte das Krokodil zwei Kilometer südlich des Bahnhofs von Bettemburg bereits vorher in 14 Fällen kein Signal abgegeben. In einem Fall stand das Signal auf rot und der Lokführer  musste eine Notbremsung einleiten.  Auch der TER-Zug, welcher die Stelle kurz vor dem Unglückszug passierte, erhielt dort keinen elektrischen Impuls. Das gleiche war am Vortag bei anderem Zugmaterial beobachtet worden. 

Als Konsequenz haben die CFL den besagten Kontaktgeber kurz nach dem Unglück ausgetauscht. Laut der Empfehlungen der Administration des enquêtes techniques sollten Lokführer Unregelmäßigkeiten am MemorII+-System künftig sofort melden.

Zudem sollen dem Lokführer fehlerhafte Signalübertragungen optisch angezeigt werden. Allgemein wird empfohlen auf das inzwischen landesweit eingeführte moderne ETCS-System umzusteigen. Die gleichen Empfehlungen wurden auch für das französische und belgische Zugmaterial, welches auf dem luxemburgischen Netz zum Einsatz kommt, ausgesprochen.   

Staatsanwaltschaft reagiert

Laut einem Schreiben der Staatsanwaltschaft würde der technische Zwischenbericht die bisherigen Erkenntnisse bestätigen. Es läge also sowohl ein technischer als auch ein menschlicher Fehler vor. Der Lokführer habe das geschlossene Vorsignal übersehen und zu spät auf das geschlossene Hauptsignal reagiert.

Zudem müsse überprüft werden, ob der Lokführer durch das Benutzen seines Privathandys abgelenkt wurde. Zu klären bleibe aber auch die technisch sehr komplexe Frage des nicht funktionierenden Kontaktgebers. Es gebe aber bisher keine Anzeichen dafür, dass es sich um einen Wartungsfehler gehandelt habe. Die juristische Untersuchung sei weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, heißt es weiter.     


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