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Zugunglück in Bettemburg: Das Sicherheitssystem versagte
Lokales 2 Min. 21.03.2017

Zugunglück in Bettemburg: Das Sicherheitssystem versagte

Das Zugunglück in Bettemburg hat sowohl technische als auch menschliche Ursachen.

Zugunglück in Bettemburg: Das Sicherheitssystem versagte

Das Zugunglück in Bettemburg hat sowohl technische als auch menschliche Ursachen.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 21.03.2017

Zugunglück in Bettemburg: Das Sicherheitssystem versagte

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Der Zwischenbericht zum Zugunglück in Bettemburg deutet auf eine Kombination aus technischem und menschlichem Fehler hin. Der Lokführer übersah demnach ein rotes Signal, die Technik die eingreifen sollte, versagte allerdings ebenfalls.

Von Jacques Ganser

Das Zugunglück in Bettemburg ist sowohl auf technische Probleme als auch menschliche Fehler zurückzuführen. Darauf deutet eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft hin, welche am Dienstagmorgen veröffentlicht wurde. Fest steht demnach, dass das Memor II+ Sicherheitssystem zum Zeitpunkt der Fahrt eingeschaltet war. Allerdings erkannte es das Vorsignal nicht, das auf "Anhalten" stand. Es gab demnach Probleme bei der Kontaktübertragung zwischen dem sogenannten Krokodil zwischen den Gleisen und den Bürsten am Triebwagen. Wieso dieses System versagte, muss noch geklärt werden. Hätte das System wie vorgesehen funktioniert, wäre der Lokführer gewarnt worden oder eine Notbremsung kurz hinter dem Vorsignal  eingeleitet worden. Dies war aber nicht der Fall. 

Der Lokführer hatte das geschlossene Vorsignal zudem nicht bemerkt. Erst am geschlossenen Hauptsignal löste der Lokführer die Notbremsung aus. Laut Zwischenbericht erfolgte diese Bremsung allerdings in allerletzter Minute, dies obwohl  das rote Signal über hunderte von Metern sichtbar war. Der Zusammenprall war zu diesem Zeitpunkt bereits unvermeidbar. Der CFL-Zug war vor der Notbremsung mit einer Geschwindigkeit von 133 Kilometern in der Stunde unterwegs, beim Aufprall wurde noch eine Geschwindigkeit von 85 Kilometer pro Stunde gemessen. Beim Aufprall verstarb der CFL-Lokführer, der Lokführer des Güterzuges wurde verletzt. 

Laut Zwischenbericht bleiben also drei konkrete Punkte zurückzubehalten:

  • Der Lokführer hat nicht auf das geschlossene Vorsignal reagiert
  • Das Sicherheitssystem hat am Vorsignal nicht das notwendige Signal zur Notbremsung erhalten
  • Die am Hauptsignal vom Lokführer eingeleitete Notbremsung erfolgte zu spät, um einen Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Zug zu verhindern.

Diese ersten Schlussfolgerungen dürften erneut das luxemburgische Sicherheitssystem in Frage stellen, welches ohnehin dieses Jahr ausgemustert und durch das modernere ETCS ersetzt werden sollte. Der Unmut sowohl bei den luxemburgischen als auch bei den französischen Lokführern dürfte nicht ausbleiben. Weiteres muss die laufende Untersuchung klären.

In einer ersten Reaktion erklärte CFL-Sprecher Mike Van Kauvenbergh dass man die Informationen zur Kenntnis genommen habe. Man sei aber nicht im Besitz des Zwischenberichtes und verfolge weiterhin die Ergebnisse der Untersuchung. "Von unserer Seite aus wurde alles getan, um die Sicherheit des Fahrbetriebes nach dem Unfall  zu gewährleisten," so Van Kauvenbergh. Einige Dinge seien jetzt klarer, allerdings seien auch neue Fragen aufgetaucht. "Wir wollen aber der Untersuchung nicht vorgreifen."

In einer gemeinsamen Pressemitteilung melden sich ebenfalls die Eisenbahngewerkschaften Syprolux und Landesverband zu Wort. Man sei betrübt und stehe für eventuelle Nachfragen des Personals zur Verfügung. Zudem bestehen beide Gewerkschaften auf einer internen Untersuchung angesichts der neuesten Informationen. Man warte jetzt auf den definitiven  Expertenbericht. Klar sei aber, dass das ETCS-System so schnell wie möglich auch in den Nachbarländern eingeführt werden müsste. Es handele sich dabei um ein effizientes Sicherheitssystem. Sicherheit ginge in diesem Fall über nationale Grenzen hinaus.  


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