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Zu Hause mit Fußfessel statt hinter Gittern
Lokales 26.06.2020

Zu Hause mit Fußfessel statt hinter Gittern

Über eine Fußfessel wird der Aufenthaltsort einer Person überwacht. Verstößt sie gegen die Auflagen, wird Alarm ausgelöst.

Zu Hause mit Fußfessel statt hinter Gittern

Über eine Fußfessel wird der Aufenthaltsort einer Person überwacht. Verstößt sie gegen die Auflagen, wird Alarm ausgelöst.
Foto: Getty Images/iStockphot
Lokales 26.06.2020

Zu Hause mit Fußfessel statt hinter Gittern

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Anstatt eine Strafe im Gefängnis zu verbüßen, wird es einigen Straftätern ermöglicht, in den eigenen vier Wänden eine Fußfessel zu tragen. Derzeit wird in Luxemburg 15 Häftlingen eine solche Gunst gewährt.

In Luxemburg tragen derzeit 15 Personen eine Fußfessel und sind demnach an einen von der Justiz überwachten Hausarrest gebunden. Seit 2015 haben im Großherzogtum insgesamt 209 Personen von dieser Maßnahme profitiert. Das geht aus einer Antwort von Justizministerin Sam Tanson auf eine parlamentarische Frage des CSV-Abgeordneten Leon Gloden hervor.

108 Personen wurde die Fußfessel im Kontext einer vorzeitigen Entlassung auf Bewährung  genehmigt. Bei 92 Straftätern wurde die Gesamtstrafe durch das Tragen einer Fußfessel ersetzt. Hierbei handelt es sich in der Regel um Angeklagte, die zu geringen Strafen – weniger als drei Jahre Haft– verurteilt wurden. Bei neun der Personen war der Vollzug der eigentlichen Strafe gänzlich ausgesetzt worden. Bei deren Straftaten handelte es sich beispielsweise um Verstöße gegen das Drogen- (38 Personen) oder Verkehrsgesetz (17 Personen) sowie um Eigentumsdelikte (64 Personen).


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In keinem der Fälle sei es um häusliche Gewalt gegangen, so Sam Tanson. Derzeit würde aber daran gearbeitet, dass Gesetz in dem Sinne anzupassen, dass die Fußfessel auch zur Absicherung einer Wegweisung oder eines Kontaktverbots eingesetzt werden könne.  

Alles in allem gebe es beim Einsatz der Fußfessel eine durchweg positive Bilanz. Allgemein würden nur sehr wenige Verstöße gegen die Maßnahme festgestellt: „In der Regel gibt es etwa zwei bis drei mutwillige Manipulationen der Geräte pro Jahr. 2020 wurde noch kein Verstoß festgestellt. Allerdings kam es mehrmals zu technischen Fehlern bei den Überwachungsgeräten“, so die Ministerin in ihrer Antwort.

Im kommenden Jahr wird der Vertrag mit dem Betreiber der Fußfesseln – der Firma G4S auslaufen, sodass dann auch nach neuen Programmen und Geräten auf dem Markt Ausschau gehalten werden wird.

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