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Zivile Feier in der Philharmonie
Lokales 46 1 5 Min. 23.06.2018

Zivile Feier in der Philharmonie

Neben der großherzoglichen Familie wohnten am Samstagmorgen rund 1200 Gäste aus Politik, Institutionen und Zivilgesellschaft dem offiziellen Festakt zum Nationalfeiertag in der Philharmonie bei.

(wel/nr) - Die zivile Zeremonie zum Nationalfeiertag wurde neben dem musikalischen Rahmenprogramm -  unter anderem vom philharmonischen Orchester, dem Kammerchor und Sopranistin Claudia Moulin-Galli, welche eine Arie aus Puccinis „Suor Angelica“ zum Besten gab - maßgeblich von den Reden des Großherzogs, des Kammerpräsidenten und des Staatsministers geprägt.

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit für die Zukunft lernen, begangene Fehler und begangenes Leid vermeiden, Werte und Traditionen bewahren, damit auch künftige Generationen in Frieden und Freiheit leben können  - das waren die zentralen Botschaften von Premierminister Xavier Bettel. Bei der feierlichen und festlichen Zivilzeremonie  in der Philharmonie spannte er am Nationalfeiertag den historischen Bogen einer Nation, die oft besetzt und belagert wurde, Krieg und Leid erfuhr, mittlerweile aber schon so lange in Frieden und Wohlstand lebt, dass die bitteren Zeiten drohen, in Vergessenheit zu geraten.

"Heute leben wir in Unabhängigkeit und haben unsere eigene Sprache", sagte er, betonte aber auch, wie wichtig es sei, den älteren Generationen zuzuhören und von ihnen zu lernen. "Es fehlt uns ein Teil des Bewusstseins, wie es sein kann, wenn Kräfte wirken, die eine Gesellschaft auseinanderdriften lassen. Die Werte, die uns in Luxemburg wichtig sind, sollten wir nicht aufs Spiel setzen", mahnte er.

Wenn man etwas will, muss man anpacken

Der erste Bürger des Landes, Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo, wählte die Entstehungsgeschichte des Düdelinger Skater Parks aus seiner Zeit als Bürgermeister, um zu verdeutlichen, was in einer Gesellschaft wichtig ist: Wenn man etwas wirklich will, muss man sich zusammentun, anpacken und gemeinsam   sein Projekt durchsetzen. "Soziales Engagement ist etwas enorm wichtiges und ich möchte allen danken, die sich ehrenamtlich einsetzen. Sich rund um ein gemeinsames Projekt treffen und es gemeinsam umsetzen, bringt uns allen mehr als hinter einer virtuellen Burka Gift zu spritzen."


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Das Vergessen sei ein No-go, mahnte auch er an. "Demokratie, Wohlstand, Frieden, Freiheit und unser Sozialsystem sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden unter Opfern aufgebaut. Es geht uns im 21. Jahrhundert so gut wie kaum einem anderen Land auf der Welt." Di Bartolomeo warnte vor denen, die simplistische Antworten auf komplexe Fragen geben. Es dürfe keinen Pauschalurteile über die Leute geben, denen es in unserer Gesellschaft nicht so gut geht. "In einem der reichsten Länder der Welt darf keiner links liegengelassen werden." Ein lapidares Da-kann-man-nichts-machen dürfe es nicht geben.

Großherzog Henri: "Wir sind ein solidarisches Land"

Waren die beiden Reden der Oberhäupte von Regierung und Parlament noch geprägt von Mahnungen, so fand Großherzog Henri am Samstag ermutigende, positive und optimistische Worte. Er zeichnete ein ausgesprochen positives, von Stolz geprägtes Bild der Nation, der er vorsteht. "Wir haben viel Grund, stolz auf das zu sein, was unser Land ausmacht. Wir sind ein Land, das respektiert wird für sein exemplarisches Zusammenleben und seinen Zusammenhalt. Wir haben eine moderne Gesellschaft, die aufgeschlossen ist, tolerant und respektvoll im Umgang mit jedem. Extreme Reden finden bei uns keine Resonanz."

Der Großherzog zeigte sich vor allem berührt und beeindruckt von der spontanen Hilfe und dem Zusammenhalt, die er und Großherzogin Maria Teresa erleben konnten, als die Überschwemmungen kürzlich die Menschen in verschiedenen Landesteilen trafen. "So ein état d'esprit ist einfach berührend und Ausdruck einer festen Kohäsion." Nun werde bald der Puls der demokratischen Vertreter heftiger schlagen und die Athmosphäre hektischer werden, wenn es auf den Wahlkampf zugeht. Man brauche mutige Vorschläge und eine lebendige Diskussion im Respekt des einen gegenüber dem anderen.


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"Sind diese Diskussionen ein Zeichen von Spaltung der Gesellschaft? Ich meine nicht. Wir haben ein breites Einvernehmen - der Konsens liegt im Wesen  unseres Zuammenlebens", war sich Großherzog Henri sicher. "Wir werden den Wahlkampf zu einem richtigen, wichtigen und schönen Moment des Landes machen." Manche politischen Herausforderungen brauchten europäische oder internationale Antworten, vieles bleibe aber unseren eigenen Entscheidungen überlassen. Auch hier äußerte er mit Zuversicht die Überzeugung: "Das Land hat es über Generationen verstanden, sich immer wieder neu zu erfinden." 

Die verdienstvollen Mitbürger und ihre Orden

Für ihre Menschenleben rettenden Einsätze wurden gleich zwei Personengruppen ausgezeichnet, die allesamt zum „Chevalier Ordre de la Couronne de Chêne“ ernannt wurden. Im Dezember 2017 setzten David Urbin, Jérémy Frank und Filipe Luis ihre Leben aufs Spiel, als sie zwei ältere Damen - Mutter (93) und Tochter (62) - aus einem brennenden Einfamilienhaus retteten. Und Carole Gloden und Lynn Harpes sicherten einem Tischtennisspieler, der bei einem Wettkampf einen fulminanten Herzanfall erlitt, mit ihrer schnellen Intervention das Überleben.

Dieselbe Auszeichnung erhielten die drei Unternehmer Robert Glaesener, CEO, Christophe Folschette, Global Sales Director & Co-founder sowie Thibaut Britz, CTO und Gründer des Start-ups „Talkwalker“. Sie bieten Unternehmen eine Monitoring-Dienstleistung ihrer Kampagnen, Produkte, Events und Brands in den sozialen und online Medien in 187 Sprachen an und helfen so, deren Image zu schützen. 200 Mitarbeiter sind mittlerweile an vier Standorten in Luxemburg, Deutschlad und den USA beschäftigt.


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Zum „Commandeur Ordre de Mérite“ wurde Prof. Michel Goedert in der Sparte internationale wissenschaftliche Forschung ernannt. Der Molekular-Neurologe ist international anerkannter Forscher über Alzheimer an der Universität Cambridge (GB) erhilet 2018 den mit 250.000 Euro dotierten „The Brain Prize“.

Die „Grande Dame“ der Literatur und Poesie und Initiatorin der literarischen Treffen in Mondorf in den 1960er Jahren, Anise Koltz wurde „grand-officier Couronne de Chêne“. Für die Welt der Kultur und Sprache erhielt Alain Atten dieselbe Auszeichnung. Der ehemalige Konservator des Nationalarchives und ehemaliges Mitglied der Commission du Dictionnaire wurde in diesem Jahr 80 und bekannt durch seine Stimme: Über Jahre hat er sich im Radio für die luxemburgische Sprache und Ethnografie engagiert, die er mit der ihm ganz eigenen Pädagogik und Humor erklärte.

Auf karitativer und sozialer Ebene tat sich Marcelle Walch hervor. Sie ist seit 1998 Direktionsbeauftragte von SOS Détresse (mir hëllefen iwwer Telefon) et online a.s.b.l. Und betreut seit 2015 auf Antrag der Regierung auch die Hotline SOS Radicalisation. Sie wurde zum „Chevalier Ordre de la Couronne de Chêne“ ernannt.

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