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Zeugenaufruf: Plofkraak-Bande schlägt erneut zu
n den Niederlanden ist die Methode, Geldautomaten durch eine Sprengung auszurauben, als Plofkraak bekannt. Wörtlich übersetzt bedeutet das Explosionseinbruch oder auch Plumpseinbruch.

Zeugenaufruf: Plofkraak-Bande schlägt erneut zu

Foto: Polizei
n den Niederlanden ist die Methode, Geldautomaten durch eine Sprengung auszurauben, als Plofkraak bekannt. Wörtlich übersetzt bedeutet das Explosionseinbruch oder auch Plumpseinbruch.
Lokales 6 3 Min. 09.07.2018

Zeugenaufruf: Plofkraak-Bande schlägt erneut zu

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Bereits zum dritten Mal binnen vier Monaten wurde hierzulande ein Geldautomat aus der Wand gesprengt. In der Nacht zum Montag schlugen die Täter in Hosingen zu. Eine Spur führt in die Niederlande, wo die Methode bereits seit Jahren als Plofkraak bekannt ist.

Es scheint sich in Verbrecherkreisen herumgesprochen zu haben: In Luxemburg sind Geldautomaten nicht sonderlich gut geschützt. Zum dritten Mal innerhalb von vier Monaten haben Unbekannte einen Bankautomaten im Großherzogtum gesprengt.

Am 21. März war bei der absichtlich herbeigeführten Explosion eines Geldautomaten in Niederanven, die gesamte Außenwand der Post zerstört worden. Am 9. Juni hatten die Täter einen Geldausgabeautomaten an einem Einkaufszentrum in Heiderscheid im Visier. Auch hier kam es zu erheblichem Sachschaden. Die Polizei suchte nach einem Audi, der zwischen Martelingen und Heiderscheid aufgefallen war.

Explosion um 2.45 Uhr

In der Nacht zu Montag folgte dann der dritte Schlag: Um 2.45 Uhr kam es am Erlebnisbad Aquanatour im Park Hosingen zu einer weiteren Detonation. Auch hier wurde der Bankautomat durch die Wucht der Explosion mehrere Meter weit aus der Hauswand geschleudert.

Der Modus operandi ist bei allen drei Taten der gleiche: Die Täter pumpen ein Gasgemisch, das frei in jedem Baumarkt erhältlich ist, über den Geldausgabeschlitz in den Bankautomaten. Mit einem ebenfalls im Baumarkt erhältlichen Elektrozylinder wird dann aus sicherer Distanz der für die Gasexplosion erforderliche Funke ausgelöst.

Der Geldautomat wird durch die Wucht der Explosion aus der Verankerung gerissen. Üblicherweise wird dabei auch der Geldbehälter so stark beschädigt, dass die Geldscheine nur noch eingesammelt werden müssen.


21.3. Niederanven / Bancomat und Postfiliale gesprengt / Polizei und Spurensicherung / Foto:Guy Jallay
Geldautomat durch Gasexplosion gesprengt
Mit brachialer Gewalt gingen Bankräuber in der Nacht zum Mittwoch in Niederanven vor: Sie sprengten den Geldautomaten der Postfiliale aus der Wand und verwüsteten bei der Aktion das Postbüro. Die Polizei sucht Zeugen.

Die Methode entwickelte sich vor einigen Jahren zum erfolgreichen Geschäftsmodell organisierter Banden in den Niederlanden, die mit jedem Coup mehrere zehntausend Euro erbeuteten.

Geldinstitute rüsten auf

Die dortigen Geldinstitute beendeten den Spuk letztlich dadurch, dass sie die Geldautomaten auf eine recht einfache Methode absicherten: Die Geräte wurden mit Lüftungsschlitzen versehen. Dadurch kann der Druck der Gasexplosion einfach entweichen. Der Schaden durch die Deflagration hält sich in Grenzen.

Darüber hinaus wird auch modernste Technologie eingesetzt. Neben den Farbpatronen, die Geldscheine mit einem Schlag wertlos machen, werden die Bankautomaten beispielsweise auch mit Gasdetektoren ausgestattet. Wenn diese Geräte Gas feststellen, wird eine Stickstoffpatrone ausgelöst. Der Stickstoff verhindert, dass das Gasgemisch entzündet werden kann. Zudem wird auch Alarm ausgelöst.

Die in den Niederlanden Plofkraak genannte Methode hat inzwischen auch im Ausland Schule gemacht. Seit die neuen Sicherheitsmaßnahmen ihnen in ihrer Heimat aber das Leben schwer machen, haben aber auch die niederländischen Banden ihre Aktivitäten ins benachbarte Ausland verlegt.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 250 Fälle gezählt. Von 93 im vergangenen Jahr in Deutschland festgenommenen Tätern stammten immerhin 46 aus den Niederlanden.

Der Audi-Bande auf der Spur

In den Niederlanden spricht die Polizei im Zusammenhang mit den Sprenganschlägen gegen Geldautomaten indes von der Audi-Bande – weil die Täter auf der Flucht stets leistungsstarke Fahrzeuge dieser Marke benutzten – so wie offenbar auch im Juni in Heiderscheid.


Der Geldautomat war in der Epicerie "Buttek vum Séi" in der Gewerbezone Clemensbongert angebracht.
Wieder Geldautomat gesprengt
Unbekannte Täter haben einen Geldautomaten im Pall Center Heiderscheid in der Nacht zum Samstag gesprengt. Die Täter leiteten laut Polizeiangaben Gas ein, um den Automaten aus seiner Verankerung zu lösen.

Seit 2016 sind die Sicherheitskräfte der offensichtlich größeren Tätergruppe auf der Spur. Erst im November 2017 konnten mehrere Bandenmitglieder nach einer Verfolgungsjagd über mehr als 100 Kilometer nach einem Unfall in Utrecht identifiziert werden.

Die meisten Hinweise entnehmen die Ermittler bislang den Bildern von Verkehrsblitzern, auf denen die Täter auf der Flucht zu sehen sind. Denn bei den Taten selbst sind sie stets maskiert und hinterlassen kaum Spuren.




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