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Zeuge Michels: Schießerei mit angeblichem Bommeleeër
Am 27. April 1985 explodierten zwei Sprengsätze an einem Hochspannungsmast in Staffelter. Da die Bomben falsch platziert waren, blieb der Mast aufrecht stehen.

Zeuge Michels: Schießerei mit angeblichem Bommeleeër

Archivfoto: LW
Am 27. April 1985 explodierten zwei Sprengsätze an einem Hochspannungsmast in Staffelter. Da die Bomben falsch platziert waren, blieb der Mast aufrecht stehen.
Lokales 2 Min. 10.03.2014

Zeuge Michels: Schießerei mit angeblichem Bommeleeër

Am Dienstag wird im Bommeleeër-Prozess Johny Michels als Zeuge angehört. Michels hatte sich 2005 bei der Polizei gemeldet, weil er nicht als Bommeleeër-Verdächtiger gelten wollte, sagte er. Seine Geschichte ist durchweg abenteuerlich.

(str) - Am Dienstag wird im Bommeleeër-Prozess Johny Michels als Zeuge angehört. Michels hatte sich 2005 bei der Polizei gemeldet, weil er nicht als Bommeleeër-Verdächtiger gelten wollte, sagte er. Schließlich habe er dem Gendarmerie-Waffenmeister Feiereisen einmal Sprengstoff übergeben.

Die Sprengladung und ein Kästchen mit Zündern habe er nach einer Konfrontation mit Polizeiwaffenmeister Henri Flammang unter einem Hochspannungsmast auf dem Dommeldinger Plateau gefunden, sagte er den Bommeleeër-Ermittlern. Flammang und ein weiterer ihm nicht bekannter Mann hätten dort mit Sprengstoff hantiert und, als er sie gestört habe, hätten sie die Flucht ergriffen. Das Ganze sei drei bis vier Monate vor Eröffnung eines Waffengeschäfts in Liwingen geschehen.

Die Ermittler schenkten Michels wenig Glauben, dennoch gingen sie seinen Aussagen auf den Grund. Es zeigte sich, dass das besagte Geschäft erst Jahre nach der Anschlagsserie eröffnet wurde. Das Kästchen mit Zündern, das Michels eigenen Angaben zufolge all die Jahre als Beweis aufbewahrt hatte, entpuppte sich als US-Material aus Weltkriegsbeständen. Im Bommeleeër-Prozess kamen diese Zünder bereits zur Sprache. Ein Ermittler erklärte damals vor der Kriminalkammer, die Kapseln kämen für Sprengungen mit Luxite nicht infrage, weil sie ganz einfach zu dick wären. Sie stünden demnach wohl kaum in Verbindung mit der Attentatsserie.

Aussagen gewinnen an Dynamik

Waren die Aussagen aus dem Jahr 2005 recht vage, so waren jene die Michels sieben Jahre später, im März 2012 gegenüber dem „Luxemburger Wort“ tätigte, nicht nur sehr viel präziser, sondern um ein Vielfaches spektakulärer. So erinnerte sich Johny Michels auf einmal daran, dass die mysteriöse Begegnung mit Henri Flammang am 26. März 1985 gegen 16 Uhr stattgefunden habe. Neben den Zündern und drei Stangen Dynamit hätten die zwei Verdächtigen auch eine Pistole auf ihrer Flucht verloren. Auch konnte er den zweiten Mann nun einwandfrei identifizieren. Dabei handele es sich um den Polizisten Claude Olinger, der genau wie Flammang inzwischen verstorben ist.

Olinger habe ihm kurze Zeit später in einem Waldstück in Canach aufgelauert und ihn bedroht, erzählte Johny Michels weiter. Zu einem gegebenen Zeitpunkt habe Olinger auf ihn geschossen, doch er, Michels, habe sich geduckt und Olinger überwältigt. Danach sei er nicht mehr bedroht worden.

Zu Flammang habe er Jahre später eine freundschaftliche Beziehung gepflegt. Kurz vor seinem Tod, am 10. April 1995, habe Flammang ihm dann die ganze Bommeleeër-Geschichte gebeichtet: Die Attentate seien im Auftrag von Georges Rauchs ausgeführt worden, als Rachefeldzug für die „Joerhonnertaffär“. Keine fünf Tage später habe Flammang dann Selbstmord begangen.

Im November 2005 schrieben die Ermittler in ihrem Bericht folgendes über den für Dienstag vorgeladenen Zeugen: „Unsere Nachforschungen ergaben, dass Michels allgemein als Angeber und Schwätzer bezeichnet wird“.

Zu Beginn des Prozesses hatte Michels der Kriminalkammer übrigens einen großen versiegelten Umschlag übergeben. Spannend bleibt die Frage, wie die vorsitzende Richterin am Dienstag mit den, um es gelinde auszudrücken, abenteuerlichen Aussagen von Johny Michels umgehen wird.