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Zahl der Kletterer in der "Wanterbaach" explodiert
Lokales 10 3 Min. 02.07.2021
Sandsteinfelsen im Müllerthal

Zahl der Kletterer in der "Wanterbaach" explodiert

Der Run auf Kletterfelsen bei Berdorf hat sich weiter verstärkt, was längerfristig zu mehr Handlungsbedarf in puncto Sicherheit führen könnte.
Sandsteinfelsen im Müllerthal

Zahl der Kletterer in der "Wanterbaach" explodiert

Der Run auf Kletterfelsen bei Berdorf hat sich weiter verstärkt, was längerfristig zu mehr Handlungsbedarf in puncto Sicherheit führen könnte.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 10 3 Min. 02.07.2021
Sandsteinfelsen im Müllerthal

Zahl der Kletterer in der "Wanterbaach" explodiert

Irina FIGUT
Irina FIGUT
Der Wunsch nach Outdoor-Aktivitäten ist zu Corona-Zeiten so groß wie nie zuvor. Auch das Klettergebiet bei Berdorf bekommt dies zu spüren.

Es herrscht dichtes Gedränge an der „Wanterbaach“ bei Berdorf. Sportler, Wanderer, Kinder, Spaziergänger: Der Wunsch nach Outdoor-Aktivitäten ist seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr so groß wie nie zuvor. Auch das Klettergebiet am Standort im Müllerthal bekommt dies zu spüren. 

„Seit Corona da ist, ist der Andrang an Besuchern enorm“, erzählt Frank Adam vom Service forestier der Gemeinde Berdorf. Beruflich ist er öfter im Gebiet unterwegs, um unter anderem die Wanderwege zu kontrollieren. Auch er beobachtet: Immer mehr Sportler kommen ins Gebiet, um an den steilen Felsen zu klettern. 

Beliebter Treffpunkt für Kletterer seit Jahren

Bereits Jahre zuvor war die „Wanterbaach“ zum beliebten Treffpunkt für Kletterer aus Luxemburg, der Großregion und anderen benachbarten Ländern geworden. Doch nun hat dieser Trend sich weiter verstärkt, weiß Felix Havé, Präsident der Commission Falaises, kurz CoFa im Kletterverband Flera (Fédération Luxembourgeoise d'Escalade, de Randonnée Sportive et d'Alpinisme). Die Kommission besteht aus acht Mitgliedern, die sich ehrenamtlich um den Erhalt der „Wanterbaach“ kümmern. 


Wie Lisa Jadin (links) und Jella Weis waren rund 300 Freiwillige unterwegs, um die Wanderwege zu säubern.
Einsatz für saubere Wanderwege
Rund 300 freiwillige Helfer haben an diesem Wochenende Abfall von Wegen und Rastplätzen im gesamten Müllerthal eingesammelt. Wegen des hohen Besucheraufkommens lag in diesem Jahr besonders viel Müll herum.

Havé weiß auch: Wenn mehr Höhensportler ins Gebiet kommen, so rückt die Sicherheit immer mehr in den Vordergrund. „Wenn etwas ist, sind wir dran, um die Umlenk-Haken an Felsen auszutauschen“, sagt der 31-Jährige, der selbst ein passionierter Kletterer ist. Die sogenannten Umlenk-Haken an Kletterfelsen sind wichtig, damit der Kletterer beim Ausstieg aus einer Felswand wieder umdrehen und so sicher auf den Boden kommen kann. 

Reiche der Bestand an Ersatzteilen momentan noch aus, so könne die rasant steigende Anzahl an Klettersportlern in der „Wanterbaach“ auf eine längere Perspektive gesehen zum Problem werden, berichten die CoFa-Mitglieder.

 Neue Informationstafeln mit QR-Code 

Um die Sportler auf die Gefahren aufmerksam zu machen, hat der Kletterverband in Zusammenarbeit mit den anderen Beteiligten im Frühling sechs Informationstafeln im gesamten Gebiet aufgestellt. So sollen Kletterer sich über wichtige Benimmregeln am Felsen informieren und möglichen Verschleiß an Sicherungshaken dem Verband über einen QR-Code melden. 

Die Kommunikation funktioniere gut und erfolge meistens über eine E-Mail, erzählt Felix Havé. Hinzu kommt, dass die „Wanterbaach“ in einer Natura-2000-Zone liegt und dort strikte Umweltschutzregeln gelten. Denn an den Felsen wachsen seltene Moose und Farne. „In puncto Naturschutz funktioniert hier alles bestens“, weiß Förster Adam. „Aktuell gibt es keinen Bedarf nach mehr Kontrolle“. 

Längerfristig Handlungsbedarf

Jedoch bestehen bei der Commision Falaises des Kletterverbands mit Blick auf die stetig steigende Anzahl von Sportlern einige Bedenken. „Der Ort ist schön, aber räumlich zu klein“, sagt Jacques Welter, ebenfalls Mitglied der CoFa. 

Die Zahl der Kletterer am Standort explodiere regelrecht, warnt er. Nicht ohne Grund, denn der Klettersport wird immer beliebter. „Klettern wird in den Schulunterricht integriert, in Luxemburg gibt es viele Indoor-Sporthallen. Die Sportart wird auch dieses Jahr olympisch“, so Welter weiter. 

Reglement aus dem Jahr 2016 regelt den Strom 

Vor knapp 20 Jahren wurde das durch das Gesetz für das Klettern erlaubte Gebiet auf den Standort „Wanterbaach“ reduziert. Um alle Interessenten zu befriedigen, stellte das Umweltministerium bis 2015 auf Anfrage spezielle Erlaubnisscheine für Sportler aus. In Abstimmung mit der Gemeinde, der Flera, der Naturverwaltung und dem Umweltministerium wurde 2016 jedoch eine gemeinsame Vereinbarung in Form eines großherzoglichen Reglements getroffen. Seitdem dürfen im Gebiet nur noch die Sportler klettern, die Mitglied in einem nationalen oder internationalen Verband sind. 

„Es wurde ein gemeinsamer Weg gefunden für mehr Flexibilität im Sinne von Selbstverantwortung durch den Verein, der sich um das Gebiet kümmert,“ lässt das Umweltministerium auf Anfrage wissen. 

Trotz der gut funktionierenden Zusammenarbeit mit allen Akteuren mangele es an klaren Vereinbarungen, ist Jacques Welter überzeugt. „Schon jetzt ziehen viele Sportler die weiter gelegenen Klettergebiete bei Paris oder im Elsass in Frankreich dem luxemburgischen Berdorf vor.“ Spätestens im September will die Felsenkommission sich mit der Gemeinde zusammensetzen, um weitere Wege der Zusammenarbeit zu besprechen und nach möglichen Ansätzen für die Zukunft zu schauen. Erst vor kurzem hat der Verband einen „Safety Day“ im Klettergebiet organisiert, der bei Besuchern einen großen Anklang fand. Im September ist ein „Clean up Day“ geplant, bei dem die Freiwilligen die Felsen und die Wanderwege säubern werden.

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3.11. Osten / Berdorf / Anciens Groupe Alpin Luxembourgeois / vlnr Georges Hemmen , Nicole Speicher , Jean Gerard , Romain Roden  Foto:Guy Jallay