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YOUrovelo: Auf dem Fahrrad für die Völkerverständigung
Lokales 3 Min. 24.08.2018

YOUrovelo: Auf dem Fahrrad für die Völkerverständigung

Das Ziel erreicht: Ein Tag nach der Ankunft in Luxemburg-Stadt strahlen die YOUrovelo-Teilnehmer noch immer – auch nach mehr als 185 zurückgelegten Kilometern per Fahrrad.

YOUrovelo: Auf dem Fahrrad für die Völkerverständigung

Das Ziel erreicht: Ein Tag nach der Ankunft in Luxemburg-Stadt strahlen die YOUrovelo-Teilnehmer noch immer – auch nach mehr als 185 zurückgelegten Kilometern per Fahrrad.
Foto: Caroline Martin
Lokales 3 Min. 24.08.2018

YOUrovelo: Auf dem Fahrrad für die Völkerverständigung

Young Caritas Lëtzebuerg hat 32 Jugendlichen aus acht Nationen in diesem Sommer eine besondere Erfahrung geboten. Eine Woche lang sind sie zusammen durch das Land geradelt, haben sich gegenseitig geholfen und inspiriert.

von Jesse Dhur

„Lasst uns doch jetzt einfach wieder losradeln!“, scherzen einige der Jugendlichen, als sie sich ein letztes Mal die Fahrradhelme und die grellen Sicherheitswesten überziehen, um sich zusammen ablichten zu lassen. Die Begeisterung der vergangenen Tage steht den YOUrovelo-Teilnehmern nämlich noch ins Gesicht geschrieben: Erst vor Kurzem ist die Gruppe, bestehend aus 32 jungen Menschen aus acht Nationen, von ihrer einwöchigen Fahrradtour durch Luxemburg zurück-gekehrt.

Jugendliche zusammenbringen

Ins Leben gerufen wurde das Projekt, das am 13. August in Luxemburg-Stadt startete und nun am Dienstag dort zu Ende ging, von Young Caritas Lëtzebuerg. Sowohl Jugendliche, die sich in ihren Heimatländern für Menschen in prekären Situationen engagieren, als auch Betroffene selbst – in diesem Fall ehemalige syrische Flüchtlinge – waren mit dabei. Die Freiwilligen gehören europäischen Partnerorganisationen an und stammen selbst aus den unterschiedlichsten Ländern: Spanien, Slowakei, Ukraine, Georgien, Italien (Südtirol), Frankreich und Luxemburg.

Trotz Sprachschranken, kultureller Unterschiede und der ein oder anderen Panne unterwegs, ist das Radprojekt geglückt. Nach 185 Kilometern und gemeinsamen Übernachtungen in verschiedenen Herbergen haben die Jugendlichen das Großherzogtum erfolgreich beradelt – und sind als Gruppe zusammengewachsen.

Zusammen sollten sie entdecken, dass jeder Mensch gleich viel wert ist, unabhängig davon, was er in seinem Leben erlebt ha.

Dies war auch die eigentliche Idee hinter der Initiative, die sich in diesem Jahr zum ersten Mal rund um das Thema Sport aufgebaut hat: Jugendliche aus unterschiedlichsten Gegenden durch gemeinsame Erfahrungen zusammenzubringen.

„Einerseits sind da die jungen Freiwilligen, die bereits in ihren Heimatländern bei sozialen Projekten mitgewirkt haben. Andererseits haben auch junge Flüchtlinge, die erst seit Kurzem in Luxemburg leben, an der Aktion teilgenommen. Zusammen sollten sie entdecken, dass jeder Mensch gleich viel wert ist, unabhängig davon, was er in seinem Leben erlebt hat“, erklärt Young-Caritas-Projektleiter Paul Galles. „Fahrradfahren macht Spaß und ist dabei vor allem aus psychologischer Sicht ein hervorragendes Mittel, um eine Gruppendynamik zu entwickeln. Es bedeutet auch, dass man durch die geteilten Erfahrungen vorankommt.“

Ganz im Zeichen Europas

Seit 2012 schon gibt es die Initiative, die einmal im Sommer stattfindet. Mitgefördert wird sie vom europäischen Erasmus+–Programm. Junge Freiwillige aus ganz Europa bei lehrreichen Aktivitäten zu vereinen und sie gegenseitig für ihre unterschiedlichen Lebensgeschichten zu begeistern, war seit jeher das Ziel des Projekts, so Paul Galles.

Für die meisten Jugendlichen ist Europa weniger eine starre, geo-politische Größe, als vielmehr eine gelebte Solidargemeinschaft.

Europa wurde dann auch bei der diesjährigen Ausgabe besonders thematisiert. Nach den ersten Tagesetappen, die von Luxemburg-Stadt über Echternach nach Remerschen führten, stand ein Besuch im Europamuseum in Schengen auf dem Programm. Auf die Frage nach der Bedeutung Europas für die einzelnen Jugendlichen wurde dabei eine Antwort besonders oft genannt. „Für die meisten Jugendlichen ist Europa weniger eine starre, geo-politische Größe, als vielmehr eine gelebte Solidargemeinschaft“, so der Young-Caritas-Koordinator.

Zu Besuch im
Europamuseum
in Schengen: Ein
geeigneter Platz,
um die europäische
Idee zu
zelebrieren.
Zu Besuch im Europamuseum in Schengen: Ein geeigneter Platz, um die europäische Idee zu zelebrieren.
Foto: Young Caritas Lëtzebuerg

Europa als Familie: Am besten wurde diese Botschaft den Teilnehmern durch das YOUrovelo-Projekt selbst vermittelt. Auch diejenigen, die erst seit Kurzem ein Zuhause in Europa gefunden haben, hat die Idee der europäischen Gemeinschaft in kleinerer Ausführung überzeugt.

„Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen“, meint der 24-jährige Diya Murat aus Syrien, der seit zehn Monaten im Caritas-Foyer in Foetz lebt. „Zudem konnte ich mit den geduldigen Leuten hier mein Französisch verbessern“, sagt er lächelnd.

Helfende Hände, glückliche Leute

Auch die anderen Jugendlichen hat die solidarische Freiwilligenwoche mit dem Fahrrad begeistert. Daniel Duboutay, Heizungsinstallateur aus Esch/ Alzette, ist schon seit einigen Jahren bei Young Caritas Lëtzebuerg aktiv. An dem Ausflug hat dem 25-Jährigen besonders gefallen, sein Wissen in den Dienst der Gruppe zu stellen. „Unterwegs musste ich so einige Reifen flicken und Fahrradketten einsetzen. Es hat mich aber gefreut zu helfen, vor allem dann, wenn die anderen Jugendlichen zu mir gekommen sind, um von mir zu lernen“, erzählt er.

Ivana Janikova aus der Slowakei arbeitet als Freiwillige in Bozen in Südtirol und ist schon länger am sozialen Engagement interessiert. Auch ihre Erwartungen wurden in den letzten Tagen in Luxemburg erfüllt. Einzig und allein die Landessprache hat sich die sprachaffine 28-Jährige anders vorgestellt. „Es war eine wunderbare Erfahrung. Luxemburg an sich hat mir sehr gut gefallen. Ein wenig überrascht war ich nur von der etwas eigenartigen Sprache“, sagt die junge Freiwillige und lacht.


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