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Workshops im Lycée Belval: "Menschen mit Demenz soll man nicht einsperren"
Lokales 3 Min. 11.03.2017

Workshops im Lycée Belval: "Menschen mit Demenz soll man nicht einsperren"

In Luxemburg sind 3,8 Prozent der über 64-jährigen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen.

Workshops im Lycée Belval: "Menschen mit Demenz soll man nicht einsperren"

In Luxemburg sind 3,8 Prozent der über 64-jährigen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen.
Foto: Christophe Olinger
Lokales 3 Min. 11.03.2017

Workshops im Lycée Belval: "Menschen mit Demenz soll man nicht einsperren"

Unsere Gesellschaft wird immer älter, und die Fälle altersbedingter Demenzerkrankungen häufen sich. Deshalb gewinnt die Aufklärungsarbeit über die Krankheit immer mehr an Bedeutung. Im „Lycée Belval“ wurden nun Workshops für Jugendliche veranstaltet.

(m.r.) - „Menschen mit Demenz sollte man nicht einsperren“, sagen die Jugendlichen, als sie nach einer kurzen Diskussionsrunde in kleinen Gruppen ihre Ergebnisse vorstellen. Sie betonen, dass man den Betroffenen so viel Freiheiten wie möglich lassen sollte. Anja Leist, die Leiterin des Workshops über die Demenzerkrankung, nickt zufrieden. Hauptberuflich ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Luxemburg und arbeitet im Bereich der Altersforschung. Heute leitet sie im „Lycée Belval“ einen Workshop rund um das Thema Demenz. Unter anderen durch Rollenspiele und Diskussionsrunden sollen die Schüler der 11e 01 AV mit dem Thema konfrontiert werden.

Der Workshop ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Universität Luxemburg mit den „World Young Leaders in Dementia“ (WYLD). Die WYLD ist eine internationale Vereinigung junger Wissenschaftler, die sich unter anderem die Aufklärung über die Demenzerkrankung zur Aufgabe gemacht hat. In einer ersten Phase nehmen drei Schulklassen im „Lycée Belval“ an einem Workshop teil. Zwei weitere Schulen hätten allerdings schon Interesse an den Veranstaltungen gezeigt, so Leist.

Anja Leist ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an Universität Luxemburg.
Anja Leist ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an Universität Luxemburg.
Foto: Christophe Olinger

Schülerin Pia musste bereits in ihrer Familie erste Erfahrungen mit der Krankheit machen. „Nach dem Tod meiner Mutter erklärten wir meiner demenzkranken Großmutter immer wieder, dass sie nicht mehr leben würde“, sagt die junge Frau. „Das war sehr schwer – für sie und für uns. Nach einiger Zeit haben wir ihr einfach erzählt, dass es meiner Mutter gut ginge.“ Dieses Verhalten sei richtig, meint Leist. Auf die Wahrheit zu bestehen, stelle hier für Demenzkranke eine unnötige Belastung dar. „Ich möchte zwar nicht zum Lügen anstiften, aber in solchen Fällen ist es durchaus erlaubt.“

Mehrsprachigkeit als Vorteil

Schätzungen besagen, dass weltweit rund neun Prozent der über 64-jährigen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen sind. In Luxemburg leiden lediglich 3,8 Prozent dieser Altersgruppe an der Krankheit. Forscher glauben, dass dies mit der Mehrsprachigkeit im Großherzogtum zusammenhängt. „Bildung und die Anzahl der im Alltag gesprochenen Sprachen spielen eine tragende Rolle“, erklärt Leist. „Je aktiver man sein Gehirn nutzt, desto geringer ist das Risiko, an Demenz zu erkranken.“

„Ein Mittel gegen Demenz 
gibt es leider noch nicht“, sagt Leist. Zudem seien die aktuellen Studien nicht sehr Erfolg versprechend. „Betroffenen kann nur durch eine adäquate Betreuung das Leben erleichtert werden.“ Aus diesem Grund sei es wichtig, dass in Pflegeheimen gut geschultes Personal arbeitet. Aber auch die Familie und das Umfeld der Betroffenen müssen aufgeklärt werden. „Durch die richtige Betreuung kann man mit Demenz relativ gut leben“, meint Leist.

Doch nicht immer kann eine solche Betreuung gewährleistet werden. Im öffentlichen Raum kommt es regelmäßig zu Zwischenfällen – zum Beispiel, wenn eine Person mit Demenz im Supermarkt vergisst zu bezahlen. Auch hier kann den Betroffenen durch mehr Aufklärung geholfen werden. In Großbritannien schult eine Supermarktkette ihre Mitarbeiter in der Demenzerkennung. Statt die Personen wie normale Ladendiebe zu behandeln, sollen die Mitarbeiter die Situation erkennen können.

Anstelle der Polizei könne man dann die Familie kontaktieren und den Betroffenen unnötigen Stress ersparen, erklärt Leist.

Zwei Formen von Demenz

Alzheimer. Mit 60 bis 70 Prozent aller Fälle ist Alzheimer die häufigste Form von Demenz. Das Alter gilt als der größte Risikofaktor für die Entwicklung der Erkrankung. Nur sehr selten sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre. Unter anderen leiden die Betroffenen unter Gedächtnis- und Orientierungsstörungen. Diese nehmen im Verlauf der Krankheit zu, sodass die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen können.

Vaskuläre Demenz. Mit rund 20 Prozent gilt die vaskuläre Demenz als die zweithäufigste Form der Demenz. In Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen. Vom Ausmaß der Durchblutungsstörung ist es abhängig, wie ausgeprägt die Demenz ist. Risikofaktoren sind unter anderen Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, ein hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht und Rauchen.



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