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Wo mal ein See war
Lokales 13 06.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Wo mal ein See war

In Höhe der Misärsbréck hat sich das Wasser besonders weit zurückgezogen.

Wo mal ein See war

In Höhe der Misärsbréck hat sich das Wasser besonders weit zurückgezogen.
Foto: Marc Lanners
Lokales 13 06.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Wo mal ein See war

Nico MULLER
Nico MULLER
Dass der Stausee Niedrigwasser führt, kommt immer öfter vor. Die Trockenheit des vergangenen Sommers, in dem es 20 Wochen lang quasi keinen Niederschlag gab, schuf rund um das nationale Trinkwasserreservoir teilweise bizarre Landschaften.

Dass ein Facebook-Post so viel Wellen schlagen könnte, das hätte Marc Lanners aus Hostert/Folschette nicht für möglich gehalten. Vor wenigen Tagen veröffentlichte er auf der Social-Media-Plattform beeindruckende Bilder vom Obersauer-Stausee, dessen Wasserspiegel sich nach einem ungewöhnlich trockenen Sommer mit 20 aufeinanderfolgenden Wochen ohne nennenswerten Niederschlag  stark gesenkt hat.

Bis gestern wurde der Beitrag 1 807 Mal geteilt, 221 Mal geliked und 72 Mal kommentiert. Journalisten von belgischen, holländischen, deutschen und französischen Medien hätten sich bereits bei ihm gemeldet, um Näheres in Erfahrung zu bringen. Sogar Touristen hätten sich darüber informiert, ob es sich bei dem See tatsächlich um denjenigen handele, den sie vor Jahren mal besuchten. Marc Lanners, der seit 20 Jahren in der Nähe des Stausees wohnt, ist davon überzeugt, dass dessen gegenwärtiger Zustand auch für diese Jahreszeit nicht normal ist.

Dem widerspricht allerdings Christian Schroeder, beigeordneter Direktor beim Syndicat des eaux du barrage d'Esch-sur-Sûre (Sebes). Derzeit befinde sich der Pegelstand des Stausees auf knapp 314 Metern über dem Meeresspiegel, rund 80 Zentimeter höher als zum Beispiel noch im Januar dieses Jahres.

Es habe auch schon bedeutend tiefere Pegel gegeben. Mit dem absolut tiefsten Wasserstand seit Beginn der Messungen sei man am 3. Dezember 2011 konfrontiert gewesen. Bei den damaligen 309 Metern über Meeresspiegel seien aber trotzdem noch Wasserreserven von 25 Millionen Kubikmeter geblieben, so Schroeder.

Nachdem der Wasserstand Anfang Juni nach heftigen Regenfällen bis auf 319,5 Meter hochgegangen war, sank er ab dem 17. Juni bis heute, also während fast fünf Monaten, kontinuierlich jeden Tag um fünf bis sechs Zentimeter. Das zur Verfügung stehende Wasser verminderte sich in dem Zeitraum damit von 50,5 auf 36 Millionen Kubikmeter. Von daher habe denn auch bis jetzt zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines Lieferengpasses für Trinkwasser bestanden, so Christian Schroeder.


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