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"Wir wollen das Eis brechen"
Lokales 3 Min. 08.01.2014 Aus unserem online-Archiv

"Wir wollen das Eis brechen"

Laut Charel Schmit sucht ein Großteil der CSV-Basis Antworten auf die Wahlniederlage. Er fordert einen "ergebnisoffenen Erneuerungsprozess".

"Wir wollen das Eis brechen"

Laut Charel Schmit sucht ein Großteil der CSV-Basis Antworten auf die Wahlniederlage. Er fordert einen "ergebnisoffenen Erneuerungsprozess".
Foto: Dan Roder
Lokales 3 Min. 08.01.2014 Aus unserem online-Archiv

"Wir wollen das Eis brechen"

An der CSV-Basis tut sich etwas. Immer mehr Mitglieder verlangen eine personelle Erneuerung und eine inhaltliche Debatte über die Zukunft der Partei. Als Sprachrohr der Kritiker hat sich der ehemalige CSJ-Präsident Charel Schmit hervorgetan.

(CBu / BB) - Charel Schmit ist eines der Parteimitglieder, das sich aus der Deckung gewagt hat. Der ehemalige CSJ-Präsident war bisher nur einigen mit einem guten Gedächtnis ausgestatteten Insidern des politischen Betriebs ein Begriff. Heute tritt der studierte Erziehungswissenschaftler neben der Parteijugend als einer der wenigen Kritiker seiner eigenen politischen Familie auf.

Schmit war von 1998 bis 2002 CSJ-Präsident und bis 2009 Mitglied in den obersten Parteigremien. Mit ihm hatten sich am Wochenende rund zwanzig junge CSV-Politiker zu einem "Dreikönigstreffen" zusammengefunden. Sie wollen von der Basis aus einen Erneuerungsprozess anregen.

CSV-Kritik aus den eigenen Reihen

Die CSV benötige dringend eine Erneuerung über das eigene Selbstverständnis und die politischen Perspektiven der Partei. "Diese Debatte wird bisher nicht geführt", gibt Schmit zu bedenken. Nach den Landeswahlen am 20. Oktober und der Koalition ohne die CSV, müsse aus den Parteigremien heraus, zusammen mit der Basis, ein neuer Prozess eingeläutet werden. "Wir wollen das Eis brechen", so Schmit.

Allerdings soll sich die Diskussion nicht so sehr  auf  Personen oder Kandidaten im Vorfeld des CSV-Parteikongresses im Februar fokussieren, sondern viel mehr eine Grundsatzdiskussion in Gang gebracht werden. Man wolle nicht die Generationen gegeneinander ausspielen, betont Schmit gegenüber wort.lu. Nach dem erfolgreichen Wirken der "Generation Juncker" benötige die Partei jedoch einen Neuanfang.

Neue Generation und Fragen des 21. Jahrhunderts

Charel Schmit verweist auf die Generation rund um Jean-Claude Juncker, die Anfang der 1980er-Jahren für eine Erneuerung in der Partei sorgte. Nun sei allerdings eine neue Generation gefordert, einen Prozess anzuregen, um sich mit den Fragen des 21. Jahrhunderts auseinander zu setzen.

Dazu bedürfe es eines "ergebnisoffenen Erneuerungsprozesses". Diese Erneuerung sei wiederum nur in Form einer offenen, kollektiven Willensbildung zu erreichen, erklärt Schmit. Zu allererst müsse man dabei eine "ehrliche Wahlanalyse" betreiben. "Warum wollte keine der drei großen Parteien mit der CSV eine Koalition eingehen, warum wurde die Partei trotz eines respektablen Wahlergebnisses politisch geradezu marginalisiert?", so Schmits zentrale Frage.

Für die Zukunft gelte es demnach, sich so aufzustellen, dass die CSV nicht dauerhaft im Parteiensystem an den Rand gedrängt wird. Dabei dürfe es weder personalpolitische noch programmatische Tabus geben, so der ehemalige CSJ-Präsident. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Partei nach jahrzehntelanger Regierungsbeteiligung nur noch an die Erhaltung der eigenen Macht denke. 

"Neue Köpfe, neue politische Ansätze"

Man müsse künftig offener, klarer, aber auch "respektvoller" mit den anderen Parteien umgehen. Zudem sei ein dauerhafter Dialog mit der Zivilgesellschaft vonnöten. Dafür benötige man "sowohl neue Köpfe als auch neue politische Ansätze", fordert Schmitt, der stets betont, dass er nicht nur für sich selbst spricht. "Ich bin nur einer von Tausenden Mitgliedern, die sich im Interesse der Zukunft unserer Partei einbringen wollen."

Für die dringend notwendige Erneuerung brauche man sowohl jene, die bereits Verantwortung tragen als auch jene, die in Zukunft Verantwortung tragen wollen. In der Partei gebe es jedenfalls ein enormes Potenzial, ist sich Schmit sicher. Bei allem Optimismus ist er sich allerdings auch bewusst, dass das Unterfangen des Neuanfangs nicht einfach werde. "Wir kommen nicht drum herum, die Debatte zu führen", so Schmits Schlusswort.


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