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Winteraktion: Unterkunft in Findel öffnet am Freitag
Lokales 8 3 Min. 22.11.2018

Winteraktion: Unterkunft in Findel öffnet am Freitag

Das Nachtfoyer in Findel bietet Platz für 200 Obdachlose.

Winteraktion: Unterkunft in Findel öffnet am Freitag

Das Nachtfoyer in Findel bietet Platz für 200 Obdachlose.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 8 3 Min. 22.11.2018

Winteraktion: Unterkunft in Findel öffnet am Freitag

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Eine Woche früher als geplant öffnet das Nachtfoyer in Findel am Freitag seine Türen für Obdachlose. Grund für den vorgezogenen Start der Winteraktion sind die nächtlichen Minusgrade.

"200 Menschen können die Nacht im Foyer in Findel verbringen", sagt Stéphanie Sorvillo, Verantwortliche der Abteilung Accueil d'Urgence von Caritas Luxemburg. In den ersten Wochen der Wanteraktion (WAK) erwartet sie 30 bis 50 Obdachlose. Den größten Andrang gibt es alljährlich im Februar mit 130 bis 150 Menschen, die auf der Suche nach einer warmen Unterkunft sind.

Ein Buspendeldienst mit der Aufschrift "WAK" hält jeden Tag um 18.55 Uhr an Quai 2 am Boulevard Roosevelt in der Oberstadt, um 19.05 Uhr am RGTR-Quai 17 beim Hauptbahnhof und bringt sie zum Foyer de nuit. Dieses ist bis 23 Uhr geöffnet, danach wird einem Nachtgast nur in Begleitung der Polizei Einlass gewährt. Angestellte einer Sicherheitsfirma sind nachts präsent.

Im Nachtfoyer an der Route de Trèves in Findel erwartet die Wohnungslosen nicht nur eine Schlafstelle in einem Dortoir, hier stehen auch Duschen und Sanitäranlagen zur Verfügung. Für Frauen und Familien ist jeweils ein separater Schlafsaal eingerichtet worden. Nach der Ankunft wird ein Abendessen serviert, am Morgen ein Frühstück.

Auch für Wohnungslose mit Hund wurde eine Lösung gefunden: Vierbeiner müssen einen Maulkorb tragen und schlafen in einer "Muppekëscht", ihre Besitzer meist daneben.

Das Gebäude, das seit Jahren von lux-Airport für die Wanteraktioun zur Verfügung gestellt wird, wird übrigens zum letzten Mal für diesen Zweck genutzt. Eine neue Struktur ist im Bau.


In Findel wird ein neues Übernachtungszentrum für die Winteraktion gebaut und eine Unterkunft für Personen, die vorübergehend in Not geraten sind.
Neues Gebäude für die Winteraktion im Bau
Zwei neue Notunterkünfte entstehen zurzeit in Findel. Eine davon wird von Dezember bis März als Übernachtungsunterkunft für Obdachlose dienen, eine andere ist für Personen gedacht, die vorübergehend in Not geraten sind.

Dankbarkeit für Unterstützung

Blickt Stéphanie Sorvillo auf die vergangene Winteraktion zurück, fällt ihr spontan die Dankbarkeit der Obdachlosen für die Unterstützung ein. Und: "Es gab wenig Aggressionen und Gewalt." Dennoch gibt es dieses Jahr eine Neuerung: Jeder Obdachlose wird bei seiner Ankunft mit einem Handscanner auf metallene Gegenstände - insbesondere Messer - überprüft.

Darüber hinaus weist Sorvillo auf die intensive Zusammenarbeit aller im Obdachlosen-Bereich tätigen Organisationen hin, ob sie nun Partner der Winteraktion sind oder nicht.

Tagesfoyer in Bonneweg öffnet am 1. Dezember

Während Caritas Accueil et Solidarité für die Organisation im Nachtfoyer zuständig ist, sind es das Luxemburger Rote Kreuz und Inter-Actions für das Tagesfoyer in Bonneweg, das seine Türen wie geplant am 1. Dezember öffnet.

Das Gebäude auf Nummer 22 am Dernier Sol wird jeden Tag von 12 bis 17 Uhr geöffnet sein. Neben einem  warmen Essen können die Obdachlosen sich hier vom harten Alltag auf der Straße ausruhen, ein Buch respektive eine Zeitung lesen, fernsehen, Musik hören, Tischtennis spielen, sich mit den Ehrenamtlichen der Wanteraktioun austauschen oder einen Lebenslauf für eine bevorstehende Bewerbung schreiben.

Auch Hilfe in Sachen Pflege und Medizin wird den Obdachlosen angeboten. So werden jeden Dienstag und Freitag von 13 bis 15 Uhr Pflegekräfte und Allgemeinärzte anwesend sein.

Den Sprung von der Straße schaffen nur wenige

"Über die Jahre sieht man immer wieder die gleichen Gesichter hier", erzählt Seneca Raimondi vom Roten Kreuz. Einige schaffen den Sprung von der Straße, finden eine Wohnung und eine Arbeit."

"Die meisten, die hier vorstellig werden, haben keine Sozialrechte. Nach der Wanteraktioun verschwinden sie wieder", ergänzt Nadine Conrardy, Koordinatorin der Abteilung Aides sociales der Croix Rouge. Und: "Unsere Priorität liegt während der Wanteraktioun klar auf der Verwaltung des Alltags."

Dabei behilflich sind eine Reihe von Ehrenamtlichen, manche schon seit Jahren. Auch Firmen und ihre Mitarbeiter engagieren sich gerne im Foyer in Bonneweg. Sie gehen beim Spülen zur Hand, unterhalten sich mit den Obdachlosen, helfen beim Schreiben eines Curriculum vitae. "Dieser Austausch hilft bei der Sensibilisierung für die Probleme der sans-abri", betont Conrardy.

Im Winter 2001/2002 von der Regierung gestartet, hat die humanitäre Aktion für Obdachlose schon eine gewisse Tradition. Gewöhnlich beginnt die Wanteraktioun am 1. Dezember und dauert bis zum 31. März, es sei denn, die Wetterbedingungen sind so schlecht, dass der Beginn vorgezogen respektive verlängert wird.


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