Winter bleibt zu warm: Wo bleibt der Schnee?
(SH) - Drinnen ist es gemütlich warm, Der Duft vom Festtagschmaus liegt in der Luft, Kerzenlicht sorgt für eine behagliche Atmosphäre. Die Kinder stehen am Fenster und blicken auf die Winterlandschaft: Schnee, so weit das Auge reicht. Ein Postkartenidyll, genährt durch die Szenarien zahlreicher Weihnachtsfilme und -musikclips, von dem auch so mancher Luxemburger im Vorfeld der Weihnachtstage träumt.
Die Realität sieht in diesem Jahr allerdings anders aus. Denn die Chancen auf weiße Weihnachten im Großherzogtum sind äußerst gering. Der Weihnachtsmann wird demnach in diesem Jahr wohl kaum auf seinen Schlitten zurückgreifen können, um die Geschenke unter die Leute zu bringen.
Eindeutig zu mild
Das Wetter in Luxemburg wurde zuletzt durch eine Strömung aus Südwesten beeinflusst. Dies zog mit sich, dass es für die Jahreszeit eindeutig zu mild ist. Und auch für die kommenden Tage sind keine wirklichen Veränderungen vorgesehen. Von den durchschnittlichen 1,8 Grad Celsius, die vom staatlichen Wetterdienst MeteoLux in den Jahren zwischen 1981 und 2010 für den Monat Dezember gemessen wurden, sind die derzeitigen Temperaturen weit entfernt. Ebenso von den -15,3 Grad Celsius vom 29. Dezember 1976 – dem kältesten Dezembertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auf Findel im Jahr 1947 – und den 34 Zentimetern Schnee von vor vier Jahren. Vielmehr muss der 4. Dezember 1953 mit seinen 14,6 Grad Celsius um seine Position als wärmster Dezembertag bangen.
Für die kommenden Tage meldet MeteoLux Höchstwerte von elf und Tiefstwerte von fünf Grad Celsius. Heiligabend wird es aller Voraussicht nach eher sonnig werden, am ersten Weihnachtsfeiertag sollen die Wolken hingegen den Ton angeben.
Auch die Hobbymeteorologen sind sich einig: Schnee wird es in diesem Jahr keinen mehr geben. Achim Wehnert spricht von „Frühlingsgefühlen im Dezember“, „Meteo Boulaide“ fragt, was denn mit dem Winter 2015/16 los ist.
Auswirkungen auf die Natur
Auswirkungen hat das derzeit fast frühlingshafte Wetter auch auf Fauna und Flora. So mancher Hobbygärtner wird wohl gestaunt haben, als in den vergangenen Tagen Erdbeeren und Co. zum Blühen kamen. Doch während Pflanzen, die aus südlicheren Gegenden nach Luxemburg fanden, derzeit aufblühen, kämpfen jene Arten, die die Kälte lieben, um das Überleben.
Ähnlich verhält es sich bei den Tieren. Jene Arten, die vor dem Winterschlaf stehen, kommen nicht zur Ruhe. Einige Zugvögel befinden sich unterdessen immer noch in unseren Gegenden. Sie werden ihre Reise in Richtung Süden später oder gar nicht antreten.
Wieder länger hell
Auch wenn es die Temperaturen noch nicht ganz vermuten lassen, so hat der Winter für die Meteorlogen dennoch bereits begonnen, nämlich am 1. Dezember. Dass die meteorologischen Jahreszeiten jeweils am ersten Tag eines Monats beginnen und drei Monate lang andauern, hat einen praktischen Grund: Statistiken lassen sich auf diese Weise leichter erstellen.
Kalendarisch, oder auch astrologisch, beginnt die kalte Jahreszeit erst am Dienstag, am 22. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende. Kalte Tage wird es in den kommenden Wochen und Monaten sicherlich noch einige geben. Allerdings gibt es auch einen Grund zum Aufatmen: Ab Dienstag wird es wieder länger hell sein.